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Ausgabe 04/2018

"Kein Durchbruch für Erdgas"

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© AUTOFLOTTE

Ford-Flottendirektorin Claudia Vogt über die überarbeitete Nutzfahrzeug-Palette, den neuen Focus, die Bedeutung alternativer Antriebe und die Mobilitätsstrategie der Kölner.

_ Frau Vogt, welche Produktneuheiten stehen 2018 bei Ford auf dem Plan? Claudia Vogt: Wir setzen dieses Jahr einen wichtigen Produktfokus auf unsere Nutzfahrzeuge. Seit Kurzem steht der völlig überarbeitete Transit und Tourneo Custom zum Verkauf. Außen bekommt er den neuen Ford-Kühlergrill, innen ein ganz neues, deutlich ergonomischeres Armaturenbrett und mit Sync 3 und Touchscreen auch neue Connectivity-Lösungen. Mit Apple Carplay, Android Auto und Applink bietet der Custom damit jetzt auch Pkw-typische Smartphoneintegration. Und ganz wichtig: Mit dem Intelligenten Geschwindigkeitsbegrenzer und dem Totwinkel-Assistenten mit Cross Traffic Alert bieten wir einen nochmals höheren Level an Fahrerassistenz.

_ Was ist neu bei Connect und Courier und ab wann?

C. Vogt: Neben der Überarbeitung des Außen- und Innendesigns erhalten Connect und Courier auch ähnliche Updates wie der Custom, mit Schwerpunkt auf der Sync-3-Einführung. Für den Connect gibt es einen neuen 1,5-Liter-Ecoblue-TDCi, auch mit dem neuen Achtgang-Automatikgetriebe, sowie eine überarbeitete Version des 1,0-Liter-Ecoboost mit Zylinderabschaltung. Darüber hinaus werden bei allen Courier-Modellen Sechsgang-Getriebe standardisiert. Markteinführung für beide Modelle ist Jahresmitte.

_ Was planen Sie dann noch für die Nutzfahrzeug-IAA im September?

C. Vogt: Sagen wir es so: Wir werden uns auf unseren Erfolgen der vergangenen Jahre nicht ausruhen. Ich kann mit Blick auf Hannover noch nicht alle Details verraten, aber es ist zum Beispiel kein Geheimnis, dass wir 2019 mit dem Transit Custom PHEV unseren ersten Plug-in-Hybrid-Transporter starten werden.

_ 2018 ist aber auch das Jahr des neuen Focus. Wann im Laufe des Jahres ist mit Generation vier zu rechnen?

C. Vogt: Gehen Sie davon aus, dass wir den neuen Ford Focus im Frühjahr vorstellen und er dann später im Jahr auf die Straßen rollen wird. Auf jeden Fall wird der neue Focus ein beeindruckendes Auto, ein wirkliches Plus im Vergleich zum Vorgänger - nicht nur vom Design her, sondern auch, was die Fahrerassistenzsysteme angeht, die Konnektivität oder die Innenraumausnutzung und -gestaltung. Die wird deutlich vom Konzept des heutigen Focus abweichen.

_ Sie starten 2018 aber auch die überarbeiteten Varianten von Ecosport und Edge.

C. Vogt: Der Ecosport tritt in einem wichtigen Segment an, das weiterhin sehr stark wächst. Von daher stärken wir unsere Position dort nun mit einem deutlich frischer gestalteten Ecosport, der außerdem deutlich wertiger auftritt und auch in Sachen Konnektivität mehr kann als sein Vorgänger. Davon können wir auch in der Flotte profitieren. Der Edge erhält ebenfalls ein frischeres Design und neben neuen Assistenzsystemen auch einen neuen, stärkeren Zwei-Liter-Diesel, der in der Bi-Turbo-Variante jetzt 238 PS leistet.

_ Was ist neu beim Ka+?

C. Vogt: Auch hier setzen wir neben den optischen Retuschen vor allem bei der Konnektivität an. Für den Ka++ gibt es jetzt auch das Sync 3 mit Applink, Sprachsteuerung und 6,5-Zoll-Farbtouchscreen. Außerdem ergänzen wir die Motorenpalette um einen 1,5-Liter-Diesel mit 95 PS als neuer Spitzenmotorisierung. Und als neue Ausstattungsvariante gibt es das robust gestaltete Active-Modell.

_ Wie zufrieden sind Sie mit der Resonanz auf den Fiesta?

C. Vogt: Obwohl wir mit dem neuen Fiesta ja erst im Sommer 2017 gestartet sind, konnten wir die modellwechseltypischen Reibungsverluste sehr gering halten und sogar das Niveau im Vergleich zu 2016 halten. Das ist sehr gut angesichts der massiven Modellumstellung und zeigt uns, auf welch große Resonanz der neue Fiesta stößt. Deswegen sind wir für den Fiesta 2018 sehr zuversichtlich, zumal mit ST und Active noch zwei weitere attraktive Varianten kommen. Vor allem vom Active im Crossover-Stil verspreche ich mir extrem viel.

_ 2017 haben Sie entgegen der positiven Flottenentwicklung 3,2 Prozent weniger Autos verkauft als 2016. Mit welchen Aktionen möchten Sie 2018 gegensteuern?

C. Vogt: Ungeachtet des Absatzrückgangs war 2017 unser zweitbestes Flottenjahr der letzten 15 Jahre. Wir waren also nicht unzufrieden. 2018 geht der neue Fiesta in sein erstes volles Verkaufsjahr, das wird uns sehr helfen, unseren Flottenabsatz wieder zu steigern und unseren Marktanteil auszubauen. Natürlich werden wir Einflüsse des Focus-Modellwechsels spüren, aber wir werden erfolgreiche Aktionen wie die Gewerbewochen weiterführen, um die Kunden von unseren Autos zu überzeugen.

_ Wird der Focus auf absehbare Zeit als Hybridmodell kommen?

C. Vogt: Ich möchte eines voranstellen: Im Kern setzen wir kurz- und mittelfristig weiterhin auf unsere Ecoboost-Benziner und auch auf unsere Diesel. Letztere werden auf absehbare Zeit gerade in den Flotten eine wichtige Rolle spielen, schon allein aus TCO-Gesichtspunkten. Das heißt aber nicht, dass wir uns nicht auch auf neue, alternative Antriebe konzentrierten. Und mit dem Focus haben wir bereits im Segment der vollelektrischen Pkw Erfahrungen gesammelt. Gerade im Flottenmarkt sehen wir die Nachfrage nach Hybrid- und Elektroautos aber aktuell noch begrenzt. Wahrscheinlich wird sich das über kurz oder lang ändern, und dann sind wir bestens vorbereitet: Bis 2022 werden wir weltweit 40 elektrifizierte Autos auf den Markt bringen, davon 16 rein elektrische Modelle. Und über unsere Beteiligung am Joint Venture Ionity werden wir auch dafür sorgen, dass die Kunden diese Autos ohne Probleme laden können.

_ Was planen Sie da genau?

C. Vogt: Im ersten Schritt werden wir europaweit 400 Schnellladestationen an Autobahnen installieren. Und Deutschland wird da sicherlich eine zentrale Position einnehmen.

_ Ist das Thema Erdgas relevant für Ford?

C. Vogt: In Deutschland sind die Chancen für Erdgas-Autos doch sehr beschränkt. Der Kraftstoff ist hier auch nie in dem Maße gefördert worden wie in anderen europäischen Ländern wie zum Beispiel Italien. Deshalb sehe ich hier auch für die Zukunft keinen wirklichen Durchbruch. Der Markt ist auf absehbare Zeit einfach nicht da.

_ Beobachten Sie derzeit spürbare Restwertrückgänge für Diesel-Modelle?

C. Vogt: Wir vermarkten, in sehr enger Abstimmung mit der Ford Bank, pro Jahr rund 40.000 Autos selbst im Remarketing. Das tun wir über verschiedene Kanäle und auch mit weiteren Partnern.

Zusammen haben wir im letzten Jahr vorausschauend die Restwerte angepasst. Daraus ist eine Balance entstanden, aus der heraus wir keine Schwierigkeiten hatten, unsere Diesel zu vermarkten. Allerdings vermarkten wir auch größtenteils sehr junge Fahrzeuge bis zu 14 Monaten.

_ Zusammengefasst: Die Werte verhalten sich grundsätzlich stabil, aber leichte Tendenzen nach unten sind erkennbar?

C. Vogt: So können Sie es sagen, ja.

_ Seit Kurzem beliefern Sie Streetscooter für deren Spitzenmodell Work XL mit Chassis und Fahrerhaus. Was bedeutet die Kooperation für Ford?

C. Vogt: Wir haben mit Streetscooter im ersten Schritt unverändert den Plan, bis Ende dieses Jahres 2.500 Work XL abzubauen und an die Post und DHL auszuliefern. Die Zusammenarbeit mit Streetscooter ist hochinteressant und geht klar über eine reine Lieferantentätigkeit hinaus. Weiter in die Details möchten wir dazu zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht gehen.

_ Welche Mobilitätsstrategie verfolgt Ford in Zukunft? Seit Kurzem sind Sie über die App Ford Pass ja auch im Bikesharing aktiv.

C. Vogt: Ford Pass wird auch künftig eine feste Säule unserer Mobilitätsstrategie bleiben. Daneben wollen wir Flotten- und Gewerbekunden in Zukunft über eine spezielle Plattform adressieren. Dort werden wir genauso wie mit Ford Pass kundenspezifisch Connected Services anbieten, WLAN ins Auto bringen oder Cloud-Daten verknüpfen.

_ Wann starten Sie mit dieser Plattform?

C. Vogt: Da kann ich jetzt noch keinen konkreten Termin nennen, aber wir arbeiten schon sehr konkret daran.

_ Frau Vogt, herzlichen Dank für das Gespräch.

Interview: Christian Frederik Merten

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