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Ausgabe 07/2020

Schaufenster nach draußen

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© AUTOFLOTTE

Fahrer, Fuhrparkmanager, Werkstatt, Dienstleister - Nexmo Solutions bringt alle auf eine Plattform. Das Ziel der Hamburger: die umfassende, digitale Dokumentation des Fahrzeugzustands.

Im Hamburger Softwarehaus Nexmo Solutions haben sich ein Praktiker und ein Informatiker gefunden, die heute gemeinsam die Geschicke der Firma leiten: Mathias Göbel - der Praktiker - ist gelernter Karosserie- und Fahrzeugbaumeister und hat lange als Sachverständiger im Schadenmanagement gearbeitet. Jochen Nitsche ist als Informatiker der "IT-Kopf". Die ursprüngliche Software, mit der Nexmo Solutions im Jahr 2007 startete, stammte von ihm. Heute arbeiten insgesamt 20 Kolleginnen und Kollegen im Team.

Alles begann mit der Idee eines Systems zur Zustandsdokumentation, das die Fahrzeugbewertung und -kalkulation vereinheitlicht. "Über die Jahre haben wir die Architektur einer kompletten Software entwickelt - unsere Nexmo-Plattform", erinnert sich Göbel."Ob Touran oder Schwerlaster, wir können alle Prozesse rund um Zustandserfassung und Schadenmanagement digital abbilden, und das modular, markenunabhängig und hochgradig individuell", bilanziert Nitsche die Lösungen speziell für den Automobilbereich, die sich an diverse Zielgruppen richten - von der Unternehmensflotte über Vermieter und Leasinggesellschaften bis hin zu Prüforganisationen. "Der Trend geht zur Absicherung bei Gefahrenübergängen", stellt Göbel fest."Jeder, der mit einem Fahrzeug zu tun hat, möchte zu einem bestimmten Zeitpunkt den Wert und Preis wissen. Das ist das Rad, um das sich alles dreht. Und darauf haben wir uns spezialisiert."

Die Zustandsdokumentation, so argumentieren Nitsche und Göbel, fand bis dato meist analog auf (zu) vielen Papieren oder mit digitalen Insellösungen statt, die nicht mit den IT-Systemen der Kunden kompatibel waren.

Telematik-kompatibel

"Mit der Nexmo-Plattform können wir alles von der einfachen Zustandserfassung bis hin zu komplexen Systemen mit Telematik im Modulbaukasten bieten - mit Schnittstellen in alle Richtungen", erklärt Göbel. "Das heißt, wir bedienen bestehende Systeme mit dem fehlenden Part der Zustandsbewertung und -beurteilung."

Gerade im Schadenbereich sind oft externe Dienstleister bei der Abwicklung involviert. "Die Nexmo-Plattform funktioniert dabei wie ein Schaufenster nach draußen: Wir können das Kundensystem wie etwa SAP einem Partner öffnen, der dann für ganz bestimmte Funktionen berechtigt ist", konkretisiert Nitsche."Und das geht auch multilingual: Wenn etwa ein vermieteter Lkw in Frankreich repariert werden muss, kann die Werkstatt einen Kostenvoranschlag auf Französisch einspielen, der dann automatisch auf Deutsch im zentralen System des Kunden in Deutschland angezeigt wird."

Jeder Kunde ist individuell

Konkret programmiert Nexmo Solutions also für jeden Kunden eine individuelle Version der webbasierten Plattform, in der auch Fahrzeugdaten aus zentralen Stellen wie DAT oder Schwacke Einzug finden. Der Clou ist aber die mobile Erfassung: Informationen, via App direkt am Fahrzeug mit Smartphone oder Tablet erfasst, fließen ebenfalls ein. Und auch da kommt es wieder darauf an, was der Kunde will: Soll die Lösung etwa für den Check-in und -out beim Corporate Carsharing verwendet werden, wird die App nur eine einfache Zustands- und Ausstattungserfassung sowie Bilder von Schäden fordern. "Wenn dagegen eine Prüforganisation ein zehnseitiges Gutachten im Bereich Leasing damit erstellt, werden zahlreiche Detailinformationen wie Lackschichtdicken abgefragt, für die es Werkzeug und Fachwissen benötigt", so Göbel.

Etwa 15 Prozent der Kunden von Nexmo Solutions sind Unternehmensflotten, die damit automatisch eine digitale Fahrzeugakte erhalten. "Mit der Software haben wir eine Basis geschaffen, in der bestimmte Kalkulationsgrundlagen des Kunden, die er individuell etwa mit der Leasinggesellschaft vereinbart hat, hinterlegt werden", so Nitsche. "Unabhängig davon, wer Zustand und Schäden dann erfasst, werden diese vertraglichen Grundlagen berücksichtigt und entsprechende Kalkulationen erstellt." Für die Kalkulationswerte lassen sich laut Nexmo detaillierte Vorgaben festlegen - zum Beispiel Kosten pro Felge je nach Fahrzeugklasse, Pauschalen für Reinigung, Fehlteile, Wahlmöglichkeiten wie "erneuern" oder "reparieren".

Die digitale Fahrzeugakte wächst damit immer mehr an und kann bei der Fahrzeugrückgabe gezogen werden - oft der Knackpunkt in der Leasinggeschäftsbeziehung. "Kamen bislang Diskussionen auf, hatte der Leasingnehmer meist keine Diskussionsgrundlage und Beweise mehr, wenn das Auto erstmal abgeholt war - das ändert Nexmo", so Göbel. Nexmo macht den Fuhrpark also vergleichbar, gerade wenn man mit mehreren Leasinganbietern arbeitet.

Auch für statistische Zwecke, um etwa Ausreißer einzelner Fahrzeuge in Sachen Reparaturkosten zu definieren, die Top 10 der Schäden in der eigenen Flotte oder den mittleren Wert des eigenen Fuhrparks zu ermitteln, eigne sich Nexmo. "Neben Transparenz schafft man mit der Nexmo-Plattform aber auch ein ganz neues Bewusstsein für das Fahrzeug im Fuhrpark, wenn bei wechselnden Fahrern ein kurzer Check vor der Abfahrt verlangt wird", ergänzt Nitsche. Und: "Berücksichtigt man die Schäden bei der Fahrzeugbewertung über Schwacke und DAT, können die Werte relevant sinken - und es ergeben sich ganz andere Versicherungssummen."

Künstliche Intelligenz

Nexmo Solutions arbeitet bereits an neuen Lösungen. Ein Meilenstein könnte die Bilderkennung zur Schadenschätzung werden. Nitsche erzählt von der Idee: "Wenn ich ein Foto mache, erkennt das System die Schwere des Schadens und kann eine Schadensumme ermitteln." Zudem tüftelt Nexmo an 3D-Grafiken, die den Rundgang ums Fahrzeug virtuell begleiten. "Die 3D-Grafik soll automatisch die erfassten Bilder auswerten und zum Beispiel automatisch den Preis für die Erneuerung des Armaturenbretts einblenden, wenn man mit der App dieses Bauteil erfasst," so Göbel. Der Praktiker und der Informatiker - sie haben noch viel vor.

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