DKV Mobility und die "Fair Use"-Falle: Wie Blockiergebühren die E-Mobilität ausbremsen

12.02.2026 14:20 Uhr | Lesezeit: 2 min
DKV-Ladekarte in der Hand vor einem Lenkrad gehalten
laden mit DKV Mobility
© Foto: Michael Blumenstein

Mit einer fragwürdigen Preisstrategie macht DKV Mobility das Schnellladen zum Stressfaktor. Und die Ratinger nennen die Strafgebühr nach 30 Minuten auch noch "Fair Use".

Die Ladekartenanbieter haben es in der Hand: Sie können die Elektromobilität voranbringen oder durch undurchsichtige Preisstrukturen systematisch torpedieren. Mit dem Einheitspreis, der 2019 bei Maingau und EnBW eingeführt wurde, sahen E-Mobilisten dem Laden außer Haus entspannt entgegen. Seit knapp zwei Jahren ist es wieder undurchsichtig geworden und vor allem EnBW hat sich wieder ins Preislabyrinth verabschiedet.

DKV Mobility setzt dem noch eins drauf: Mit den zum 1. Februar 2026 angepassten Tarifen verschärft das Unternehmen nicht nur seine ohnehin fragwürdige Blockiergebühr beim DC-Schnellladen weiter – und nennt das Ganze "Fair Use". Die Preise von teils bis zu 82 Cent (brutto) pro Kilowattstunde sind absurd hoch. Vor allem greifen diese seit Februar nach 30 Minuten.

DKV Mobility: Eine willkürliche und praxisfremde Grenze

Ab der 31. Minute verlangt DKV Mobility am DC-Schnelllader (die sogar an Autobahnen nach wie vor nicht selten mit 50–100 kW Maximalleistung arbeiten) eine Blockiergebühr von bis zu 12 Cent (brutto) pro Minute – zuvor galten für einige Elektrofahrzeuge ebenfalls sportliche 45 Minuten. Die Verschärfung ist dramatisch: 15 Minuten weniger Zeit, höhere Gebühren.

Doch was bedeuten 30 Minuten in der Praxis? Die allermeisten Elektrofahrzeuge mit nach wie vor meistverbreitetem 400-Volt-Bordnetz schaffen es in dieser Zeit nicht ansatzweise, ihre Batterien von 10 auf 80 Prozent aufzuladen. Das ist der "Spurt", der bei Langstrecken als "Norm" gilt.

Wer mit dem für eine gute Ladekurve nötigen 10 Prozent SoC (State of Charge = Akkustand) am DC-Lader ankommt oder ein Fahrzeug mit bescheidenerer Ladekurve fährt, steht vor einem Dilemma: Entweder den Ladevorgang vorzeitig abbrechen und mit unzureichender Reichweite weiterfahren – oder draufzahlen.

DKV-Marketingsprech: "Fair Use"

Besonders frech ist dabei die Wortwahl. "Fair Use" suggeriert einen gerechten Interessenausgleich zwischen Betreibern und Nutzern. Die Realität ist das Gegenteil. DKV Mobility instrumentalisiert den Begriff zur Verschleierung einer knallharten Strafgebühr.

Fair wäre eine Blockiergebühr, die tatsächliche Ladestände des Akkus berücksichtigt. Lädt das Fahrzeug auch noch nach 40 Minuten und der Akku ist nicht bei 80 Prozent, sollte keine Strafgebühr aktiviert werden. Der Kunde zahlt bereits den vollen (hohen) Preis.

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