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Fahrbericht BMW X4

Wenn weniger mehr ist

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Vier Türen hat auch der X4. Doch die Dachlinie fällt im Vergleich zum X3 nach hinten deutlich stärker ab.
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Der neue BMW X4 folgt der typischen Coupé-Regel, nach der die Kunden mehr Geld für weniger Auto ausgeben müssen und im Gegenzug allerdings ein Plus an Ästhetik und Exklusivität erhalten. Ein bisschen Nutzwert gibt es obendrauf.

Von Patrick Broich/SP-X

Nach lediglich vier Jahren legt BMW sein Mittelklasse SUV-Coupé neu auf. Tatsächlich hatte es recht lange gedauert, ehe die Bayern dem seit 2010 gebauten Vorgänger-X3 das exklusivere Coupé zur Seite gestellt haben. In Zeiten des SUV-Booms will man damit heute nicht mehr so lange warten und kommt rund ein Jahr nach X3-Debüt auch mit dem dazugehörigen X4 um die Ecke. Coupé bedeutet in diesem Fall übrigens gleichermaßen vier Türen, damit der Nutzwert erhalten bleibt – ein anderes Design sowie eine nach hinten deutlich abfallende Dachlinie bekunden aber sportliche Andersartigkeit. Die jetzt noch stärker ausgeprägte Eigenständigkeit ist BMW offenbar wichtig.

Die Preise

Je nach Motor rufen die Bayern Preise zwischen 41.764 und 59.579 Euro ohne Mehwertsteuer (135 kW / 185 PS bis 260 kW / 354 PS) auf und rangieren mit dem X4 je nach Konstellation zwischen 1.848 und 4.285 Euro netto über der Brot- und Butter-Variante X3. Jedoch rollt der X4 stets in der besser ausgerüsteten "Advantage"-Line an, zu deren Rüstzeug beispielsweise eine variable Lenkübersetzung gehört.

Für erste Ausfahrten hat BMW die beiden Versionen xDrive30i zum Netto-Grundpreis von 47.310 Euro sowie M40d (59.579 Euro netto) mitgebracht. Allradantrieb ist gesetzt bei allen Ausführungen – auf typisches Geländerüstzeug wie mechanische Differenzialsperren oder eine kürzere Untersetzung wird naturgemäß verzichtet in diesem Segment. Beim 30i handelt es sich trotz der ansehnlichen Leistung von 185 kW / 252 PS um den bereits länger eingesetzten Zweiliter-Vierzylinder.

In puncto Performance tut ihm das keinen Abbruch. Der elegant gezeichnete Mittelklässler beschleunigt auf Gaspedalbefehl nachdrücklich und souverän, legt durchweg sportliche Allüren an den Tag. Die vom Werk versprochenen 6,3 Sekunden bis Landstraßentempo nimmt man ihm durchaus ab. Ob das Verbrauchsversprechen (7,3 Liter je 100 Kilometer gemittelt) ebenfalls eingehalten wird, muss sich dann noch zeigen. Klar ist aber auch, dass der Vierzylinder akustisch identifizierbar bleibt, wenngleich er angemessen kultiviert läuft und hinreichend leise ist. Wer sechs Töpfe will, muss leider zur teuren M-Variante greifen.

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Eine erste Kostprobe gibt es von ihr als Selbstzünder-Version. Die soll mit 6,6 Litern je 100 Kilometer gemittelt nämlich ein attraktives Verhältnis zwischen Leistung (240 kW / 326 PS) und Kraftstoffverbrauch aufweisen. Dass der drei Liter große Sechszylinder so richtig wild ist, kristallisiert sich bereits auf den ersten Metern heraus. Nach einer minimalen Anfahrschwäche bolzt der M40d los. Wenn fast 700 Nm über den Antriebsstrang herfallen, freut man sich über obligatorischen Allradantrieb. Und trotz kopflastiger Tendenz mit dem schweren Diesel auf der Vorderachse macht der Bayer auch auf der kurvigen Landstraße eine gute Figur. Er wieselt behände um Kehren, wirkt leichtfüßig. Die Vierrad-Lenkung hilft dabei und hat in der Stadt den Vorteil eines kleineren Wendekreises. Um die drahtigen Ambitionen bei forcierter Gangart zu untermauern, verstärken die Akustiker im Sportmodus den Motorsound, verfälschen ihn aber zum Glück nicht mit künstlichem V8-Getöse, wie das manche Wettbewerber handhaben. Der M40d verfügt schließlich über einen klassischen Reihensechszylinder, und der soll auch so klingen.

Infotainment mit Touchscreen und intuitiver Bedienung 

Innen erwarten den Passagier kommode Sitze in sportlicher Machart – selbst bei der Basis. Damit sind gute Voraussetzungen geschaffen, ein bisschen dynamischer unterwegs zu sein, womit man bei der X4-Klientel offenbar rechnet. Am Seitenhalt soll es jedenfalls nicht scheitern. Übersichtliche Instrumente der aktuellen Generation geben Aufschluss über Geschwindigkeit und Drehzahl – es bleibt bei mechanischen Anzeigenadeln plus Teilfläche als Display ausgeführt. Das Kombiinstrument in Volldisplay-Ausführung ist bei BMW jedoch im Anmarsch, wie die kommende Achter-Generation zeigt, gleichwohl ist die Lösung hier im X4 keineswegs unattraktiv. Und generell ist das Infotainment-Level ansehnlich – die neueste Generation verfügt selbstredend über einen großen Touchscreen, der aufgrund komplexer Funktionalitäten zwar immer erst eine Zeit lang durchforstet werden muss, bevor sich der Neuling mit allen Menüebenen auskennt – aber die Bedienung gelingt zumindest intuitiv. Für das farbenprächtige und detailliert arbeitende Headup-Display werden 823 Euro netto extra fällig.

Wer mit den X4-Preisen grundsätzlich zurechtkommt, erhält ein elegantes Langstrecken-Fahrzeug mit einem ausgewogenen Fahrwerk, das einen guten Kompromiss zwischen komfortabler Auslegung und sportlichen Werten liefert (vor allem bei der 504 Euro netto teuren adaptiven Lösung). Dass sich der Fond des viertürigen SUV-Coupés wegen der Dachlinie minimal beschwerlicher entern lässt, dürften die Interessenten verschmerzen, zumal die Passagiere in der zweiten Reihe nicht über mangelnde Beinfreiheit schimpfen werden – die ist nämlich dank fünf Zentimeter längerem Radstand gegenüber dem Vorgänger reichlich vorhanden. Alleine beim Gepäckraumvolumen (1.430 Liter maximal) ist der X4 merklich eingeschränkt und bietet 170 Liter weniger als sein Bruder X3. Doch der Kunde kann ja zum Glück selbst entscheiden, ob ihm weniger Auto etwas mehr wert ist.

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