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Fahrbericht Hyundai Nexo

Saubermann mit einem Makel

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Der Nexo ist auch im Jahr 2018 noch eine Alternative für Autokäufer, die deutlich weniger Kompromisse eingehen wollen als Fahrer eines E-Autos.
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Während andere Hersteller noch am Brennstoffzellen-Fahrzeug arbeiten, schickt Hyundai mit dem Nexo die zweite Generation seines Wasserstoff-SUV ins Rennen. Die Alltagstauglichkeit überzeugt, aber ein Problem bleibt.

Von Michael Gebhardt/SP-X

Vor zehn Jahren hatte Mercedes das Thema Wasserstoff (H2) ganz oben auf seiner Agenda. Eine Weltumrundung mit drei Brennstoffzellen-B-Klassen sollte den Startschuss für eine neue Antriebs-Ära geben. Kaufen kann man beim Daimler bis heute kein einziges H2-Fahrzeug und wann es den nun angekündigten GLC F-Cell wirklich gibt, ist noch offen. Während man in Stuttgart auf der Stelle tritt, zieht ein anderer Hersteller auf der Überholspur vorbei: Im August bringt Hyundai mit dem Nexo die zweite Generation seines bis dato ix35 F-Cell genannten Wasserstoff-SUV auf die Straße – und das kann jedermann für 57.983 Euro netto bestellen.

Die knapp 70.000 Euro, die bereits 180 Besteller für den Nexo auf den Tisch gelegt haben, sind für ein 4,67 Meter langes Mittelklasse-SUV freilich eine Stange Geld. Im überschaubaren Marktumfeld stehen die Koreaner aber bestens da: Der erwähnte Benz soll um die 84.000 Euro netto kosten, und der einzige ernstzunehmende Mitbewerber, der Toyota Mirai, ist auch rund 8.000 Euro netto teurer als der Hyundai. Dazu fahren die Japaner mit einer raumschiffartigen Limousine vor, die den Nerv der Zeit deutlich weniger trifft als der schnieke Hyundai-Hochbeiner, der sich vor allem durch die LED-Leiste im Kühlergrill und die auffälligen Rückleuchten von seinen Markenbrüdern unterscheidet. Hingucker: Die versenkbaren Türgriffe, die nicht dem Showeffekt, sondern der Aerodynamik dienen, wie auch die durchströmten D-Säulen oder der unterm Heckspoiler versteckte Scheibenwischer an der Rückscheibe.

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Im teilweise mit recycelbaren Materialien aus Mais, Soja und Zuckerrohr ausgestatteten, ordentlich verarbeiteten Innenraum wandelt der Nexo zwischen zwei Welten: Das Kombiinstrument ist in der Zukunft angekommen, arbeitet volldigital und blendet beim Abbiegen sogar eine Kameraansicht des Toten-Winkels ein. Die Mittelkonsole unterhalb des 12,3-Zoll-Navi-Infotainment-Touchscreen wirkt dagegen wie aus einer anderen Zeit; als hätte Hyundai all die billigen Plastik-Schalter und -Knöpfchen, die andernorts aus den Autos verbannt wurden, in den Nexo gesteckt. Dazu macht sich die Steuereinheit mächtig breit zwischen Fahrer und Beifahrer. Die Fond-Passagiere haben es besser, sie reisen auf der umklappbaren Rückbank kommod und merken nicht, dass sie auf den drei vor und hinter der Achse verbauten Wasserstoff-Tanks sitzen. Die schränken auch den Kofferraum kaum ein: Mit 461 bis 1.466 Liter gehen zwar knapp 100 Liter weniger rein als in Audi Q5 und Co., aber genug für die Urlaubsreise.

Lückenhaftes Tankstellennetz ist das größte Problem

Der steht eher das lückenhafte Tankstellennetz im Weg: Derzeit gibt es in Deutschland gut 40 öffentliche Wasserstoff-Zapfsäulen, 80 sollen es bis zum Jahresende werden. Damit wäre die Reise durch die Bundesrepublik problemlos machbar, schließlich kommt der Nexo mit einer 6,33-Kilogramm-Tankfüllung nach NEFZ gemessen bis zu 750 Kilometer weit; das praxisnähere WLTP-Verfahren bescheinigt dem Koreaner immer noch absolut alltagstaugliche 666 Kilometer Reichweite. Wer allerdings ins Ausland will, sollte Skandinavien-Fan sein: In Dänemark, Schweden und Normwegen befinden sich bereits einzelne Tanken, jenseits der Paris-Bozen-Graz-Linie herrscht dagegen europaweite H2-Ebbe.

Das Wasserstoff-Auto bleibt also auch im Jahr 2018 noch eine Alternative für Pioniere, die allerdings deutlich weniger Kompromisse in Kauf nehmen müssen als Batterielektro-Fahrer. Wer in seiner Stadt oder entlang seiner regelmäßigen Pendelstrecken eine H2-Tankstelle hat, kann problemlos stromern, ohne immer mehrere Stunden an der Ladesäule zu verbringen. Gerade mal fünf Minuten dauert es, bis die Carbon-Gasflaschen wieder voll sind. Allerdings fährt man auch teurer als mit Strom aus der Steckdose: Rund 60 Euro werden für eine Tankfüllung fällig, also knapp zehn Euro für 100 Kilometer. Damit liegt der Nexo auf Benziner-Niveau, ist aber deutlich sauberer. Bei der Umwandlung des Wasserstoffs in Strom entsteht kein CO2, keine Stickoxide, keine Rußpartikel – nur Wasserdampf. Dass die Umweltbilanz nur dann wirklich rein ist, wenn der Wasserstoff aus erneuerbarer Energie gewonnen wird, und nicht wie heute häufig aus Erdgas, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Ein 120 kW starker E-Motor und 395 Nm Drehmoment

Die langen Ladestopps sind mit Wasserstoff also Geschichte, ansonsten aber fährt sich der Nexo wie jeder andere Stromer. Kein Wunder, die Technik ist abgesehen von der Onboard-Energieerzeugung mittels Platinmembranen in der 95-kW-Brennstoffzelle identisch: Der hergestellte Strom wird zusammen mit der Rekuperationsenergie in einer 1,56-kWh-Batterie zwischengelagert, ein bis zu 120 kW starker Elektromotor treibt die Vorderräder an. Dass macht er mit 395 Newtonmeter E-Auto-üblich kraftvoll, auch bei kurzen Zwischensprints zieht der 1,9 Tonnen schwere Nexo flott durch. Auf Tempo 100 spurtet der Hyundai in unter zehn Sekunden, maximal läuft der Koreaner 179 km/h – und surrt dabei nur leise vor sich hin.

Selbst über grobe Asphaltschnitzer federt das SUV komfortabel hinweg, die Lenkung arbeitet deutlich präziser als bei manch anderem Hyundai-Hochbeiner und der dank Batterie und Tanks recht tiefe Schwerpunkt erlaubt auch flottere Richtungswechsel, ohne dass das SUV aus der Ruhe gerät.

Neue Maßstäbe setzt der Nexo bei den Assistenzsystemen: Der Koreaner lenkt und bremst nicht nur im erlaubten Rahmen von alleine und überwacht rundum die Umgebung. Er lässt sich sogar per Fernbedienung von außen ein- und ausparken – was eigentlich deutlich futuristischer ist als der Wasserstoffantrieb.

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