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Fahrbericht Kia Ceed Sportswagon PHEV

Kompakt-Kombi unter Strom

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Optisch unterscheidet er sich vor allem durch den geschlossenen Kühlergrill von seinen Brüdern.
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Als erster Hersteller bringt Kia einen Plug-in-Kombi in der Kompaktklasse. Der Ceed SW PHEV stromert knapp 60 Kilometer weit, vom elektrotypisch flotten Fahrspaß ist er allerdings weit entfernt.

Von Michael Gebhardt

Wer an Hybrid denkt, der hat häufig als erstes noch immer Toyota im Kopf. Doch Schritt für Schritt mausern sich auch Kia und die Schwestermarke Hyundai zu Elektro-Vorreitern. Neben dem rein elektrischen Soul, dem Steckdosen-Stromer Optima und dem Öko-SUV Niro, das sogar als Batterieauto, Hybrid und Plug-in vorfährt, bittet Kia nun auch noch den Kompakt-Kombi Ceed Sportswagen an die Ladesäule. Zusammen mit dem Crossover XCeed PHEV, mit dem er gemeinsam am 7. März seinen Einstand bei den Händlern gibt, ist er der zweite Teilzeit-Stromer der Ceed-Familie – und sogar der erste Plug-in-Kombi in der Golf-Klasse überhaupt. Ein Vorteil, den sich der mindestens 34.990 Euro teure PHEV-Sportswagon natürlich zu Nutze machen will.

Vor allem für gewerbliche Kunden ist der Sportswagon interessant: Weil sein 8,9-Kilowattstunden-Akku genug Strom für bis zu 60 rein elektrische Kilometer bereithält, profitiert er nicht nur von fast 5.000 Euro Umweltprämie. Dienstwagenfahrer brauchen darüber hinaus den Plug-in auch nur mit einem halben Prozent des Listenpreises versteuern und profitieren von reduzierten Kilometersätzen für die Pendelstrecke zur Arbeit. Um das elektrische Potenzial des Sportwagon, der sich den Antriebsstrang mit Xceed und PHEV-Niro teilt, voll auszuschöpfen, braucht man allerdings eine Lademöglichkeit zuhause oder am Arbeitsplatz. Denn auch mit der in der Realität recht gut zu erreichenden, versprochenen E-Reichweite kommt man zwar in der Regel durch den Tag, am Abend aber dürfte der Akku doch recht leer sein. Der On-Board-Lader kann allerdings maximal 3,3 Kilowatt Leistung aufnehmen, vom Schnellladen ist der Ceed SW also weit entfernt. An der Haushaltssteckdose dauert das Volltanken rund fünf Stunden, an einer für rund 800 Euro erhältlichen Wallbox oder öffentlichen Stromsäulen knapp drei Stunden. Voraussetzung dafür ist, dass man auch das circa 260 Euro teure Typ-2-Kabel dazu kauft, serienmäßig ist lediglich ein Schuko-Stecker dabei.   

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Wer den Kia brav jeden Tag oder noch besser jede Nacht an die Steckdose hängt, dürfte eigentlich nur selten den Benziner hören, der leise knurrend auf sich aufmerksam macht. Wenn, ja wenn der Vierzylinder-Otto im Hybrid-Modus nicht erstaunlich oft einspringen würde und dem E-Motor schon bei etwas stärkerer Leistungsabfrage unter die Arme griffe. Mehr noch: Sogar im EV-Modus mischt sich der Verbrenner mitunter ein. Das widerspricht zwar dem grünen Ansatz, ist aber verständlich. Von einem elektrotypisch flottem Antritt ist der Ceed SW im Strom-Modus nämlich weit entfernt. Gleichmäßig und eher gemütlich schiebt der nur 45 kW / 61 PS starke E-Motor den rund 1,6 Tonnen schweren Kombi an und beim Kavalierstart wird niemand in die Sitze gedrückt. Und selbst wenn der 77 kW / 105 PS starke Vierzylinder seine Kraft beisteuert und in Summe 104 kW / 141 PS und 265 Newtonmeter bereit stehen, wirkt der Ceed nicht wirklich sportlich. Das lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: 10,8 Sekunden dauert der Standardsprint, maximal läuft der Kombi 195 km/h – rein elektrisch ist höchstens Tempo 120 drin.

Für eilige Handelsreisende ist der Plug-in also wohl nicht die erste Wahl, wobei die sich immerhin über ein nahezu unverändertes Platzangebot gegenüber der Verbrenner-Version freuen können: Die Batterie wurde unter der Rückbank und im Kofferraum verstaut. Während im Innenraum überhaupt keine Platz-Einbußen zu verzeichnen sind, muss man im Gepäckabteil zwar auf 188 Liter Stauraum verzichten, allerdings nur unterhalb des Ladebodens. Das normale Kofferabteil ist so groß wie gehabt.  

Solide, gut verarbeitet, und unaufgeregt

Wie gehabt ist auch der Gesamtauftritt des Plug-in-Ceeds: Solide, gut verarbeitet, und unaufgeregt. Optisch unterscheidet er sich vor allem durch den geschlossenen Kühlergrill von seinen Brüdern und tritt ansonsten schick, aber zurückhaltend auf. Und auch innen ist alles beim Alten: Das Kombiinstrument wurde um eine Akkustands-Anzeige erweitert und gibt Auskunft über die Leistungsabfrage beziehungsweise die beim Bremsen und Ausrollen zurückgewonnene Energie, außerdem zeigt der Bordcomputer den aktuellen Kraftfluss der beiden Motoren an.   

Der wohl größte Unterschied zum Nur-Benziner ist der Preis: Mindestens 29.403 Euro netto ruft Kia für den unter anderem mit LED-Licht, Lenkassistent, 8-Zoll-Touchscreen, Rückfahrkamera und Smartphone-Integration ausgestatteten Ceed Sportswagon Plug-in-Hybrid auf – das sind 8.400 Euro mehr als für den etwa gleichstarken Ceed 1.4 T-GDI. Darüber rangieren zwei bessere Ausstattungsvarianten, abgesehen vom erwähnten Typ-2-Kabel und der Wallbox stehen ansonsten lediglich fünf Optionspakete zur Wahl. Die sind in der Top-Version Platinum bereits an Bord, neben einer induktiven Ladeschale gibt es dann auch eine sensorgesteuerte Heckklappe, elektrische Sitzeinstellung für den Fahrer, ein Infotainmentsystem mit 10,25-Zoll-Bildschirm, Navigation und Online-Diensten und eine dreigeteilt umklappbare Rückbank. Dann allerdings werden auch 34.613 Euro fällig. 

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