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Fahrbericht Mercedes Vito/eVito

Neue Diesel, neuer E-Antrieb

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Mercedes hat seinen Kastenwagen Vito aufgefrischt.
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Mercedes hat seinen Kastenwagen Vito aufgefrischt. Der Transporter bekommt neue Dieselmotoren und eine Luftfederung. Der Elektro-Variante spendieren die Stuttgarter mehr Reichweite.

Von Michael Gebhardt

Was dem Mercedes-Pkw-Kunden die V-Klasse, ist dem Nutzfahrzeugler der Vito: Mit dem praktischen Kasten wildert Mercedes im Revier von VW Transporter und Ford Transit Custom. Nach gut sechs Jahren bringt ein Facelift das Großraum-Modell jetzt auf den neuesten Stand – zumindest teilweise: Das Fahrwerk wurde optimiert, die Motoren überarbeitet und die Elektro-Version bekommt mehr Reichweite. Das Infotainment-Update dagegen fiel ziemlich überschaubar aus. Erhältlich ist der aufgefrischte Vito ab sofort für mindestens 18.990 Euro – wie bei allen Nutzfahrzeugen üblich ohne Mehrwertsteuer.

Wie die Mitbewerber, bietet auch Mercedes seinen Vito mit zwei Radständen und drei Längen (4,90, 5,14 und 5,37 Meter) an; beim Kastenwagen schwankt der Stauraum so zwischen 5,5 und 6,6 Kubikmetern. Serienmäßig verwendet Mercedes einen Metallboden, alternativ gibt’s einen leichten Kunststoff- oder einen hochwertigen Holzbelag. Außerdem stehen verschiedene Tür-und-Fenster-Kombinationen zur Wahl. Neben dem reinen Lastesel mit nur einer Sitzreihe und viel Stauraum dahinter gibt es mit dem Vito Tourer (ab 29.910 Euro netto) auch einen Personentransporter; der ist zwar nicht ganz so komfortabel und hochwertig eingerichtet wie die V-Klasse, dafür aber günstiger. Das erst ab der C-Säule verblechte Zwischending firmiert unter dem Namen Vito Mixto.

Klare Sicht nach hinten

Dass es sich um den überarbeiteten Vito handelt, wird auf den ersten Blick nicht unbedingt deutlich. Optische Unterschiede zum Vorgänger gibt’s nur, wenn man den neu eingeführten Abstandstempomat, den aktiven Bremsassistenten oder das Optik-Paket mit lackierten Stoßfängern bestellt – dann montiert Mercedes einen leicht modifizierten Kühlergrill. Auch innen muss man zwei Mal hinschauen, um den Vito anhand der neuen Stoffe, ein wenige Chrom- und Klavierlack-Dekor und den runden Lüftungsdüsen als neu zu erkennen. Neu ist auch das überarbeitete Infotainment-System, das mit seinem Sieben-Zoll-Touchscreen aber dennoch ein wenig nach Mäusekino aussieht und auch in Sachen Bedienung etwas hinterherhinkt. Das Hightech-System MBUX mit riesigem Bildschirm, digitalen Instrumenten und Sprachassistent hat zwar inzwischen in der V-Klasse Einzug gehalten, bleibt dem Vito aber verwehrt. Eine nette Spielerei gibt es trotzdem: Der digitale Rückspiegel gewährt dank Kamerabild auch im Kastenwagen klare Sicht nach hinten.  

Auch bei den Triebwerken bietet der Vito moderne Technik: Die beiden stets handgeschalteten Einstiegs-Varianten mit Vorderradantrieb setzen jetzt auf einen 1,7-Liter-Diesel mit 75 kW / 100 PS (Vito 109 CDI) und 100 kW / 136 PS (Vito 111). Die eigentliche Neuerung aber ist der intern OM654 genannte Zweiliter-Diesel mit wahlweise Hinterrad- oder Allradantrieb, der fast immer an eine Neungang-Automatik gekoppelt ist.

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Los geht’s im Vito 114 mit überraschenderweise ebenfalls 110 kW / 136 PS, der auf unserer ersten Testrunde im mit nur 300 Kilogramm moderat beladenen Kastenwagen eine gute Figur machte. Zwar knurrt das Aggregat beim Anfahren kräftig und wird unter Volllast kernig laut, doch fühlt sich der Vito weit weniger angestrengt an als er klingt. Schließlich schieben die 330 Newtonmeter schon bei 1.250 Umdrehungen ordentlich an. Wer sich am rauen Klang stört, kann mit einem speziellen Akustikpaket, das etwas mehr Dämmmaterial mitbringt, für Ruhe sorgen. Oberhalb des 114ers rangieren der Vito 116 CDI (120 kW / 163 PS) und der Vito 119 CDI (140 kW / 190 PS). Ausschließlich für die Personen-Variante Vito Tourer hält Mercedes zudem noch die Top-Ausbaustufe 124 CDI mit 176 kW / 239 PS bereit (ab 38.926 Euro netto), mit der die Urlaubsreise ziemlich kurzweilig wird. Hier sorgen 500 Newtonmeter Drehmoment für Durchzug. Der Verbrauch liegt über die gesamte Palette bei circa sieben bis acht Litern.

Gemeinsam mit dem neuen Dieselmotor hält ab November 2020 auch die Luftfederung Einzug in den Vito, die den Transporter wahlweise 3,5 Zentimeter höher legt oder ihn um einen Zentimeter gegenüber dem Standard-Niveau absenkt – je nachdem, ob gerade mehr Bodenfreiheit oder eine sportlichere Straßenlage gefragt sind.

Jetzt mit E-Technik des EQV

Ebenfalls erhältlich ist die Luftfederung für den neuen eVito Tourer, der in kürze bestellbar sein soll. Während der elektrisch angetriebene Kastenwagen wie bisher mit rund 150 Kilometern Reichweite und einem 85 kW / 116 PS-Motor vor allem für den innerstädtischen Lieferverkehr ausgelegt ist, setzt Mercedes beim eVito Tourer jetzt auf die Elektro-Technik des EQV und montiert eine 90-kWh-Batterie. Damit kommt der in der mittleren und langen Länge erhältliche Stromer auf bis zu 421 Kilometer Reichweite. Gleichzeitig erhöht Mercedes für das Personen-Modell die Ladeleistung: Mit 110 kW Gleichstrom lässt sich der Akku in 45 Minuten zu 80 Prozent füllen. Vor allem für Taxifahrer oder Hotel- und Firmen-Shuttles wird der eVito damit zu einer grünen Alternative. Der Fahrkomfort überzeugt: Vor allem, wenn man vom knurrigen Diesel umsteigt, erscheint der eVito Tourer flüsterleise. Der Antritt ist E-Auto-typisch flott, der neue, 150 kW / 204 PS starke Motor legt sich ordentlich ins Zeug und der tiefe Schwerpunkt sorgt für eine gute Straßenlage. Praktisch: Über die Schaltwippen am Lenkrad lässt sich die Rekuperation nicht nur händisch beeinflussen, sondern auch ein Auto-Modus auswählen. Dann passt der eVito die Verzögerung an vorausfahrende Autos an und nutzt umgekehrt den freien Platz zum Ausrollen. Was der neue eVito Tourer kostet, ist noch offen; mit der deutlich kleineren Batterie wurden bislang gut 46.000 Euro netto fällig.

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