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Fahrbericht Range Rover Sport SVR

Der Name ist Programm

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Als Premiere für das Werkstuning der Special Vehicle Operations pumpen die Briten den V8-Kompressor auf 550 PS auf.
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Jetzt bekommt der Range Rover Sport endgültig den passenden Motor. Denn als Premiere für das Werkstuning der Special Vehicle Operations pumpen die Briten den V8-Kompressor auf 550 PS auf.

Von Benjamin Bessinger/SP-X

Der Platz für die Premiere ist mit Bedacht gewählt. Denn auch wenn Geländewagen auf einer Rennstrecke per se nicht so richtig viel zu suchen haben, zeigt Land Rover den neuen Range Rover SVR aus gutem Grund zum ersten Mal am Nürburgring. Schließlich gibt es kein anderes SUV, das die „Grüne Hölle“ während der Entwicklung so schnell durchfahren hat wie der eilige Engländer. Zwar hat Porsche die 8 Minuten und 14 Sekunden mit dem Cayenne bereits wieder kassiert und sich den Rekord zurückgeholt, räumen die Briten kleinlaut ein. Doch bleiben zwei Superlative des SVR ungefährdet: Kein anderer Land Rover in der über 60jährigen Geschichte der Marke ist stärker und schneller als das sportliche Spitzenmodell der Range Rover-Familie.

550 PS, 680 Nm und 260 km/h - viel weniger als die absolute Spitze hätte es allerdings auch nicht sein dürfen beim Erstlingswerk der Special Vehicles Operations, die Jaguar und Land Rover vor gut einem Jahr aus der Taufe gehoben haben. Diese neue Abteilung ist so etwas wie das Sondereinsatzkommando für alles Eilige und Exklusive und macht viel mehr als die Werkstuner AMG & Co. Denn bei SVO entstehen nicht nur Kraftmeier wie der Range Rover Sport SVR, sondern auch aufwändige Sonderserien wie der Final Edition des Defender, der besonders aufwändige Range Rover SV Autobiography, die Jaguar-Kleinserie Project7 oder der Nachbau der fehlenden sechs Lightweight E-Types aus dem Jahr 1963.

Obwohl das Aufgabenspektrum ausgesprochen breit ist, haben sich die Briten aber nicht weniger Mühe mit dem Tuning gegeben und den Wagen gründlich heran genommen: Deshalb kitzeln sie durch den höheren Ladedruck des Kompressors nicht einfach nur mehr Leistung aus dem fünf Liter großen Achtzylinder. Es gibt zudem eine Achtgang-Automatik mit 50 Prozent kürzeren Schaltzeiten, ein spürbar strammer abgestimmtes Fahrwerk und vor allem einen neuen Auspuff mit elektronisch gesteuerten Ventilen, der im Sportmodus ähnlich stimmgewaltig ist wie beim Jaguar F-Type und fast schon allein die 25.000 Euro Aufpreis wert ist, die Land Rover für das Tuning noch einmal auf den V8 packt. Ach ja, und ein bisschen Kriegsbemalung für außen und Karbon für innen gibt es natürlich auch.

Stramm und stabil

Die 40 PS mehr Leistung und die 65 Nm mehr Drehmoment spürt man allerdings kaum. Und zwar nur deshalb, weil schon das Grundmodell so hoffnungslos unvernünftig und übermotorisiert ist. Und ob man jetzt in 4,7 oder 5,3 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigt oder am Ende 260 statt 250 km/h fährt, macht letztlich nur im Autoquartett einen Unterschied. Doch braucht es nur zwei, drei Kurven, dann lernt man die Arbeit der werkseigenen Scharfmacher sehr wohl zu schätzen. Denn so stramm wie der SVR abgestimmt ist und so stabil wie er auf seinen 22-Zöllern steht, kann man jetzt endlich nicht nur die Längs- sondern auch die Querdynamik des potenten Großkalibers gefahrlos genießen: Zum Hochgefühl beim Kickdown auf der Autobahn gesellt sich so der Nervenkitzel, wenn man über eine kurvige Landstraße fliegt oder in engen Serpentinen einen Pass erklimmt. Selbst die stark konturierten Sportsitze ergeben da plötzlich einen Sinn und wirken nicht mehr nur wie ein billiger Showeffekt. Nur die Geschichte mit dem Karbonzierrat im Cockpit ist ein Lacher. Das sieht zwar alles ganz ansehnlich aus und zaubert ein sportliches Ambiente. Aber bei 2.333 Kilo Leergewicht kann es hier ja nun wirklich nicht um die paar Gramm Leichtbau gegangen sein.

Aber so knackig der Range Rover Sport auch um die  Ecken pfeilt, so tief er sich auf die Straße duckt und so tapfer die Elektronik gegen Schwer- und Fliehkraft kämpft, machen die Briten auch im Gelände keine Kompromisse: Von der zugunsten des Anfahrdrehmoments ein wenig reduzierten Anhängelast einmal abgesehen, schlägt sich der SVR im Alltagseinsatz und abseits der Straße genauso tapfer wie jeder andere Range Rover Sport. Selbst Watttiefe und Böschungswinkel sind unverändert, prahlen die Ingenieure: Auch als Sportler bleibe ein Land Rover schließlich zu allererst einmal en Geländewagen.

Zwar ist der Range Rover Sport VSR der stärkste und schnellste Land Rover aller Zeiten und sticht mit seiner feinen Ausstattung, dem modifizierten Design, den imposanten 22-Zöllern und vor allem mit seinem Preis von 126.400 Euro auch aus dem Baureihen-Prospekt deutlich hervor. Doch müssen die Tuner deshalb um ihr Geschäft nicht fürchten. Denn mehr Leistung geht natürlich immer. Solange man Porsche Cayenne oder BMW X6 deutlich schneller fahren kann, wird die Frage nach einem neuen Steuerchip mit einem höheren Tempolimit nicht versiegen. Und nachdem die Designer innen wie außen eine höfliche Zurückhaltung geübt haben, bleibt den Nachrüstern genügend Raum für ihre Geschmacklosigkeiten. In Moskau jedenfalls, in Dubai oder in Peking würde der SVR auch als Bodybuilder viel zu wenig auffallen.

Aber für die meisten Kunden stellt sich diese Frage ohnehin nicht. Oder zumindest nicht so schnell. Denn so eilig man mit dem Auto unterwegs sein kann, so viel Geduld braucht man, bis es soweit ist: Nachdem zwar schon 1.600 SVR-Modelle bestellt aber gerade einmal 60 gebaut worden sind, liegt die Lieferzeit im Augenblick bis sechs bis acht Monaten.

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