Ende Mai hat Xavier Chardon, der Chef von Citroën, überraschend angekündigt: Im Jahr 2028 kommt eine Neuauflage des legendären 2CV auf den Markt. Damit kehrt eine der bekanntesten Automobilikonen Europas genau 80 Jahre nach ihrem Debüt zurück. Im Gespräch mit SP-X erläutert Chardon, was dahintersteckt.
Citroën bringt den 2CV zurück. Was können wir von dem Auto erwarten?
Xavier Chardon: Wir werden in Paris eine Studie präsentieren, die bereits sehr nah am späteren Serienmodell ist. Der neue 2CV wird auf unserer künftigen eCar-Plattform basieren und zwei Jahre nach der Premiere und damit exakt 80 Jahre nach der Vorstellung des ursprünglichen 2CV auf den Markt kommen.
Uns geht es dabei nicht um Nostalgie. Wir wollen die ursprüngliche Idee des 2CV neu interpretieren: erschwingliche, einfache und emotionale Mobilität für möglichst viele Menschen. Deshalb planen wir ein rein elektrisches Fahrzeug, das in Europa gebaut wird und ohne staatliche Förderungen weniger als 15.000 Euro kosten soll. Das Ziel ist, Elektromobilität wieder für eine breite Kundschaft zugänglich zu machen.
Was macht den neuen 2CV zu einem echten Nachfolger des Originals?
Chardon: Der ursprüngliche 2CV sollte Mobilität demokratisieren. Genau diesen Ansatz greifen wir wieder auf. Natürlich richten wir uns heute nicht mehr an die Bauern der Nachkriegszeit. Ich denke eher an Menschen wie Pflegekräfte oder andere Berufsgruppen, die täglich viele Wege zurücklegen und zu Hause oder bei der Arbeit laden können. Gleichzeitig wird der neue 2CV ein echter Citroën sein. Komfort bleibt ein zentrales Element der Marke und wird auch dieses Modell prägen.
Der neue 2CV nutzt eine Konzernplattform. Wie stellen Sie sicher, dass er trotzdem ein typischer Citroën bleibt?
Chardon: Entscheidend ist eine klare Markenidentität. Citroën steht für Komfort und Wohlbefinden aller Insassen. Das unterscheidet uns beispielsweise von Peugeot, das stärker fahrerorientiert ausgerichtet ist. Diese Philosophie wird auch im neuen 2CV erlebbar sein.
Gleichzeitig müssen wir bei einem Auto dieser Preisklasse klare Prioritäten setzen. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche und darauf, was für unsere Kunden wirklich wichtig ist. Der neue 2CV soll bewusst nicht übertechnisiert werden. Wir werden nicht dem Trend folgen, überall Bildschirme einzubauen, wie es manche chinesischen Hersteller tun. Stattdessen setzen wir auf einfache, intelligente und nützliche Lösungen. Technologie soll einen konkreten Nutzen haben und nicht zum Selbstzweck werden.
Viele klassische Citroën-Modelle galten als technisch avantgardistisch. Droht der Marke mit ihrem Fokus auf Einfachheit der Verlust dieses Anspruchs?
Chardon: Nein. Citroën war schon immer dann besonders stark, wenn die Marke Innovationen für viele Menschen zugänglich gemacht hat. Das gilt für den 2CV genauso wie später für den Berlingo oder heute für den Ami. Auch künftig wollen wir neue Ideen auf die Straße bringen, aber nur dann, wenn sie für Kunden sinnvoll, bezahlbar und alltagstauglich sind.
Wenn jemand von einem Citroën erwartet, 250 km/h auf der deutschen Autobahn zu fahren oder in fünf Sekunden von null auf 100 km/h zu beschleunigen, dann ist das nicht unser Anspruch. Wir setzen auf Technologien, die den Menschen einen konkreten Nutzen bieten. Komfort, Raumangebot, einfache Bedienung und ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis bleiben für uns wichtiger als technische Höchstleistungen um ihrer selbst willen. Innovation um der Innovation willen ist nicht unser Ziel.
Citroën Elo 1
Mit dem Ami und künftig dem 2CV beleben Sie zwei Ikonen der Citroën-Geschichte neu, die eng mit erschwinglicher Mobilität verbunden sind. Werden wir in Zukunft möglicherweise weitere bekannte Namen wie Fourgonnette oder Dyane wiedersehen?
Chardon: Zunächst konzentrieren wir uns ganz auf den 2CV. Citroën verfügt über eine außergewöhnlich reiche Geschichte und viele ikonische Modelle. Das eröffnet uns grundsätzlich zahlreiche Möglichkeiten. Aber heute ist es noch zu früh, über weitere Projekte oder Namen zu sprechen.