Weg vom Nutzfahrzeug, hin zum Pkw-Komfort, war die Devise beim aktuellen Daily. Dass das von den Dimensionen her nicht klappt, liegt in der Natur der Sache. Trotz "kurzem" Radstand des Testfahrzeugs misst der Dreieinhalbtonner knapp sechs Meter in der Länge und ragt mit der zweithöchsten Dachhöhe fast 2,70 Meter auf. Immerhin macht er sich schmal, was in Autobahn-Baustellen zum Vorteil gereicht. Trotzdem bleiben innen noch lichte 1,74 Meter an Ladebreite und 10,8 Kubikmeter Ladevolumen.
Iveco Daily ist robust konstruiert
Noch immer ist die Rahmenkonstruktion sein Markenzeichen. Das kostet Nutzlast - der Testwagen darf 1.300 Kilogramm zuladen, bringt aber Stabilität und eine Anhängelast von 3,5 Tonnen. Neu ist die Quad-Leaf-Querblattfeder an der Vorderachse aus Kunststoff. Vorab schon die Feststellung, dass die Kombination mit der konventionellen Blattfederung hinten gut gelungen ist. Der Daily federt auch leer noch komfortabel und liegt beladen sicher und wie ein Brett auf der Straße. Mit seinem einem Wendekreis von fast 13 Meter nicht ganz so wendig .
Viel vom Pkw hat der Neue, wenn es um die Fahrassistenzsysteme geht und damit den Kritikpunkt Verkehrszeichenerkennung sowie Geschwindigkeitsregelung. So regelt der Tempomat vielfach Limits ein, die es überhaupt nicht gibt. Die Kamera hat außerdem große Schwierigkeiten, Tempolimits in Schilderbrücken zu erkennen. So ist man oft zu schnell oder wird vom Gebimmel des Warnsignals wegen eines längst nicht mehr existierenden Tempolimits genervt.
Zudem arbeitet die Anzeige des Geschwindigkeitsmessers ungenau. Bei Tacho 50 fährt man in Wirklichkeit 42, bei Anzeige 130 sind es echte 120. Dann noch eine Kritik am Tempomaten: Beschleunigt der Fahrer im Tempomat-Betrieb, um etwa einen Überholvorgang schneller durchführen zu können, fliegt die gesetzte Geschwindigkeit raus. Der Lenkungseingriff beim Spurbindungsassistenten passiert ziemlich abrupt, der reißt regelrecht an der Lenkung.
Das Infotainment-System hat Iveco ebenfalls überarbeitet und Apple CarPlay sowie Android Auto integriert. Die automatische Kopplung mit dem Smartphone - in dem Fall einem iPhone - klappt nicht immer. Trotz Hinterlegung im Speicher musste man die Verbindung immer wieder manuell herstellen.
Kommen wir zum erfreulichen Punkt Antriebsstrang. Während andere Hersteller ihre 3,5-Tonner mit um die zwei Liter Hubraum ins Rennen schicken, schenkt Iveco gut ein: mit drei Litern. Die Kombination mit der im Testwagen installierten ZF-Achtgang-Automatik passt nahezu perfekt. Einzig, wenn man abbremst und gleich wieder beschleunigt, braucht das Räderwerk eine Sekunde, um sich zu sortieren. Ansonsten steht passend zur Verkehrs- und Beladesituation immer der richtige Gang zur Verfügung.