Geely E5 (68 kWh): Gut und günstig?

19.08.2026 16:28 Uhr | Lesezeit: 4 min
Das Heck ist eventuell die optische Sahneseite des Geely E5. 
© Foto: Michael Blumenstein

E5 heißt das Elektro-SUV der Marke Geely. Wir haben den Kompakt-Stromer Geely E5 zu einer ersten Ausfahrt zwischen Wiesbaden und Frankfurt überredet.

Es gibt Autohersteller und: Automobilgiganten. Tesla ist mit rund zwei Millionen Neuwagen pro Jahr am Ende der Top-20-Liste, irgendwo zwischen Mazda, Subaru (20 und 21) und Renault (19) angesiedelt – alles keine Giganten, aber solide Größen im Auto-Business. Bei Toyota lodert mit etwa elf Millionen Autos pro Jahr die Fackel am hellsten – Gigant. Dazwischen befinden sich Volkswagen, GM, Ford, Honda, Nissan, BMW, Mercedes-Benz und mittlerweile sechs chinesische Automobilkonzerne. BYD (Denza, Yangwang), Saic (MG, Maxus), FAW (Hongqi, produziert für den chinesischen Markt auch für Toyota, Audi, VW), Cangan (produziert u. a. für Mazda), Chery (Omoda, Jaecoo, Jetour) und: Geely. Geely rangiert am Ende der Top 10 und ist „drittstärkster“ Chinese. Das Wachstum von Geely als Konzern und seiner einzelnen Marken ist imposant – Geely fing 1998 an, Autos zu produzieren. Gut vier Millionen waren es 2025. Und dennoch ist der Autokonzern aus Hangzhou (180 Kilometer westlich von Shanghai) bei uns lediglich semi-bekannt. Dabei gehört Volvo seit 2010 zum Konzern. Außerdem an Bord des Geely-Dampfers: Zeekr, Lynk & Co, Polestar, Lotus, Smart (50-Prozent-Joint-Venture mit Mercedes), Levc, Proton und Farizon sowie Radar. Und eben auch die Marke Geely.


Geely E5 (68 kWh)

Weiß lackierter Geely E5 auf Parkhausdach in der Sonne von schräg vorn aufgenommen Bildergalerie

Geely-Marktstart: drei Modelle

Geely Starray und Geely E5 lauten die ersten beiden Modelle, die es seit einigen Monaten bei uns gibt. Im Herbst folgt der kleine Geely E2. Das E im Modellnamen kennzeichnet die batterieelektrischen Modelle, beim Starray werkelt ein Plug-in-Hybrid im Bug des Kompakt-SUVs.

Wir konzentrieren uns auf den Geely E5: Kompakt-SUV, rein elektrisch angetrieben. Mit fast 4,62 Metern klopft der seit knapp zwei Jahren bereits in China erhältliche, gefällig designte Geely E5 fast ans Mittelklasse-Segment an. 1,90 Meter Breite und 1,67 Meter Höhe versprechen Platz im Innern. Von der Formgebung gibt es kaum Details, an denen sich ein Auge länger aufhält. Der E5 sieht gefällig aus, weder spektakulär noch raffiniert. Das aber ist oft eine Erfolgsformel.

Damit ein Auto zum Erfolg wird, müssen aber weitere Parameter stimmen. Um diese zu beurteilen, steigen wir ein und staunen über die hochwertige Anmutung im Geely E5. Klar, Chinesen können mittlerweile Qualität. Das ist bei sämtlichen Produktgruppen so.  Was etwas ins Hintertreffen gerät, ist auch innen ein eigenständiges Erscheinungsbild, ein individuelles Bedienkonzept und, nennen wir es: ein autarkes Automobil-Erlebnis.

Gute Materialien und Verarbeitung im Geely E5

Auch im Geely E5 wirkt alles wie aus einem konzernübergreifenden Bauteile-Topf. 15-Zoll-Display, Doppelladeschale fürs Smartphone, 0815-Kombiinstrument mit zu kleiner Schrift? All das hat auch der Geely E5. Etwas schöner als die meisten Konkurrenten aus dem Reich der Mitte ist indes seine Mittelkonsole gestaltet. Ablagefach mit Deckel, Dreh-Drücksteller (mit diversen Funktionalitäten, physischen Tasten zur Klimabedienung. Gut gemacht. Auch manuell verstellbare Luftausströmer gibt es im Geely E5.

Weiche Materialien und ein Kunstleder-Sitzbezug, der sich angenehmer anfühlt als bei vielen anderen, runden das positive Bild ab. Auch exzellent gelöst: die Türgriffkonstruktion innen. Im Prinzip hat man zwei Elemente, um die Tür zuzuziehen. Einmal weit vorn und eine direkt hinter den Tasten für die Fensterheber. Da kann man sich aussuchen, welche besser passt. Bei den „digitalen Talenten“ kann der Geely E5 mithalten. Gut: Die Spracheingabe (Verständnis) ist klassenüblich und die Sprachausgabe durchaus gut. Ebenso findet man keine Übersetzungsfehler im recht benutzerfreundlich strukturierten Infotainmentmenü.

Foto des gesamten Armaturenbretts im Geely E5
Die Materialauswahl im Geely E5 ist durchweg gelungen.
© Foto: Michael Blumenstein

Rudimentäre Sitzverstellung im Geely E5

Weniger gelungen sind die Einstellmöglichkeiten der vorderen Sitze und die Sitzposition an sich. In chinesischen Autos wird oft Wert auf Vollausstattung gelegt. Bei den fürs Autofahren originären Angelegenheiten wie einer tollen Sitzposition und langstreckentauglichen Sitzen hapert es indes oft. So auch beim Geely E5. Das Lenkrad lässt sich nicht weit genug verstellen, eine Lordosenstütze fehlt ebenso wie die Höhenverstellung des Beifahrersitzes – aber Hauptsache, diese Basisverstellung lässt sich elektrisch justieren … Bestenfalls gewöhnungsbedürftig ist das merkwürdig geformte Lenkrad. Es liegt weder besser in der Hand, noch lässt es sich damit einfacher lenken. Es ist einfach anders, aber nicht besser.

Auch recht einig sind sich mittlerweile viele Autohersteller aus dem Osten, dass in der Mitte des Tachos ein virtuelles Auto mitfahren „muss“. Manchmal leuchten beim Bremsen sogar die simulierten Bremslichter im Display auf. Zudem wird angezeigt, dass man rechts ein Motorrad überholt, während man selbst links von einem Auto überholt wird. Völlig sinnbefreite Einblendung. Dafür sind dann die Anzeigen für Restreichweite, Akkustand, Schildererkennung, Laufleistung, Uhrzeit und Außentemperatur so klein, dass man seine Lesebrille aufziehen möchte – obwohl der Platz für größere Schriften vorhanden ist. Die Geschwindigkeitsanzeige rutscht in einem solchen Szenario übrigens unweigerlich an den linken Rand des Kombiinstruments und wird, je nach Handposition am eckigen Lenkrad, von dieser verdeckt.

Ausstattungszwang beim Geely E5

Ein Head-up-Display gibt es nur für die Topausstattung Max+. Wir sitzen in der mittleren Version Pro+ und haben somit keine Heizmöglichkeit fürs Lenkrad, beim E-Auto häufig ein Detail, das zum Wohlfühlen beiträgt. Freundlicherweise bekommt man bei Geely nicht immer ein Glasdach „kostenfrei“, ob man es nun möchte oder nicht. Das hat lediglich die Topversion. Ob man möchte oder nicht.

So oder so wird es mit der Kopffreiheit nicht knapp werden – oft ein Argument, warum ein Glasdach besser sei. Denn das Raumangebot im E5 ist toll. Und zwar vorn, hinten und im Kofferraum. Auch China-typisch: Befestigungsösen oder andere geeignete Einrichtungen zum Verzurren von Gepäck und Gegenständen im Kofferraum gibt es nicht. Das sollte in China-Speed nachgeholt werden. Es ist für viele Fuhrparks ein essenzielles Detail, um überhaupt in die Car Policy aufgenommen zu werden.

Immer öfter sind dort auch nur noch rein elektrisch angetriebene Autos möglich. Da hat der Geely E5 per se gute Karten. Das SUV gibt es ausschließlich elektrisch über die Vorderachse angetrieben. 68 kWh kann der Akku speichern, vermutlich rund 65 davon können genutzt werden (es gibt keinen offiziellen Nettowert). Der LFP-Akku speichert in der Basisversion (ab 38.000 Euro brutto) acht kWh weniger. Bei der Leistung ist man sich bei allen Versionen einig: 160 kW oder 218 PS leistet der permanenterregte Elektromotor im Bug. 320 Newtonmeter stemmt er auf die imaginäre Kurbelwelle und beschleunigt die mittlere, lediglich rund 1,80 Tonnen leichte Variante in flotten 7,4 Sekunden auf Landstraßentempo. Abgeriegelt wird bei 175 km/h. Dass man dort angekommen ist, merkt man nur beim Blick auf die von der Hand verdeckte km/h-Anzeige. Anders als viele andere E-Autos fährt der Geely E5 supersanft und stabil in den Begrenzer und verharrt dort konstant.

Gerade bei höherem Tempo ist der Komforteindruck prima. Der E5 federt bequem und gekonnt. Hörbares Fahrwerkspoltern von der Vorderachse gibt es nur innerstädtisch, wenngleich Querfugen auszubügeln nicht als Priorität im Lastenheft des Geely E5 stand. Sportliches Fahren auf der Landstraße ebenfalls nicht. Hier wankt er stark und eiert etwas durch die Kurven. Das ESP greift früh und lang anhaltend ein. Beim starken Bremsen aus hohen Geschwindigkeiten wird das Heck zu leicht und gibt kein gutes Gefühl, ohne Böses auslösen zu wollen. Ab 140 nehmen die Reifen- und Windgeräusche zu. Aber wie so oft: Wer sich an die Richtgeschwindigkeit hält, wird kaum etwas merken. Anders bei Nässe. Da beweist auch der Geely E5 mit scharrenden Vorderhufen, dass die Paarung aus starkem E-Motor und Frontantrieb schnell an die Grenzen kommt und der Heckantrieb nicht unbegründet eine Renaissance erlebt.


Geely E5 Pro+ (68 kWh) Geely E5 Pro+ (68 kWh)

Testwagenpreis: ab 39.990 € (brutto)
PSM-E-Motor | Front
160kW/218 PS | 320 Nm
7,4 s | 175 km/h | 1-Gang-AT
WLTP: 16 kWh
Reichweite: 475 km
LFP-Akku: 68,4 kWh (brutto)
Laden: AC 11 kW | DC 135 kW
Maße: 4.615 x 1.901 x 1.670 mm
Kofferraum: 461–1.877 Liter
Versicherung: KH 16 | TK 21 | VK 28
Service: 1 Jahre/20.000 km
Garantie: 8 Jahre/200.000 km
Akku: 8 Jahre/200.000 km



Geely E5: Durchschnitt bei Verbrauch, Reichweite, Ladeleistung und Preis

Als Verbrauch gibt Geely beim E5 rund 16 kWh an und eine Reichweite mit großem Akku von bis zu 475 Kilometern. Nachgeladen wird dreiphasig mit 11 kW an der Wallbox. Wer oft DC laden muss, sollte nicht allzu viel Eile mitbringen. Maximal 135 kW lautet die Ladeleistung am DC-Anschluss. Der für die Praxis wichtigere Durchschnittswert ist nicht bekannt. 28 Minuten gibt die chinesische Geely-Website für den 10-80-Ladevorgang an.

Und somit kommen wir zur preislichen Einordnung des Geely E5. Bei diesem Aspekt gelten chinesische Autos oft als überzeugend. Wie dieser Eindruck entstand, lässt sich mit neutraler Brille betrachtet nicht erklären. Der Geely E5 beginnt bei 38.000 Euro brutto. An Bord des E5 Pro sind dann fast alle nötigen Details wie Wärmepumpe, automatisch abblendbarer Innenspiegel, schlüsselloser Zugang, 360-Grad-Kamera und Smartphone-Spiegelung. Was fehlt, ist eventuell der größere Akku (ab Pro+), die Lenkradheizung (nur beim Max+), Matrixlicht (gar nicht) und ein Navigationssystem mit Ladeplanung (auch nicht). Das mutet für ein 4,60-Meter-Auto auf den ersten Blick fair an.

Doch wir bringen den Skoda Elroq ins Spiel. Der Elroq ist zwar 13 Zentimeter kürzer als der Geely E5, platzmäßig aber ebenbürtig. Mit seinen 58 kWh (nutzbar) ist der Akku identisch groß (zur Basisversion des E5), weist aber einen geringeren Verbrauch aus. Geladen wird der Tscheche mit maximal 105 kW mit einer guten Ladekurve. Die Ladezeit beträgt nach Herstellerangaben 26 Minuten (10-80) – also pari mit dem E5. Der Startpreis des Elroq Essence liegt bei 38.670 Euro (brutto). Ja, richtig, dann ist nicht viel an Bord. Wer öfter längere Strecken fahren will, sollte 1.110 Euro für die Wärmepumpe opfern (Serie beim E5) und landet bei 40.000 Euro. Was fehlt? Auch hier die Lenkradheizung, zusätzlich die Sitzheizung. Beides, und noch mehr, gibt es im Elroq Selection ab 42.390 Euro. So schrumpft der oft beschworene Preisvorteil auf vielleicht fünf Prozent. Der Elroq wird im Skoda-Stammwerk in Mlada Boleslav produziert. Alternativ gibt es den Renault Scenic, ähnliche Daten, bessere Ausstattung für rund 43.000 Euro.

Wer es objektiv betrachtet, muss die Argumente pro Geely E5 suchen. Denn die zuletzt genannten Konkurrenten fahren ziemlich perfekt für diese Preisklasse und lassen sich zudem spürbar günstiger versichern (Vollkaskoklasse 18/20 vs. 28). Pluspunkt Geely E5: acht Jahre Garantie bis 200.000 Kilometer.

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