Great Wall Motor, kurz GWM, wurde 1984 gegründet. Seit knapp drei Jahren will das Unternehmen auch bei uns Fuß fassen. Der Wey 05 war einer der ersten. Das große Plug-in-Hybrid-SUV strahlt eine gewisse Ruhe, Souveränität und Gelassenheit aus.
Unterstützt wird das Gefühl beim Blick in die technischen Daten: Die Systemleistung: 476 PS (2-Liter-Turbobenziner plus E-Maschinen vorn und hinten) und ein maximales Drehmoment von 847 Newtonmetern. Da bleiben keine Fragen offen.
Die Straßenlage ist satt, der Geradeauslauf überzeugend, die Lenkung angenehm direkt. Selbst bei höherem Tempo dringen nur wenige Windgeräusche in den Innenraum. Dazu passt auch das eher straff abgestimmte Fahrwerk, während die mächtigen 21-Zöller den selbstbewussten Auftritt unterstreichen. Nur die 9-Gang-Automatik wirkt beim Sortieren der Gänge etwas unentschlossen und beim Kickdown gönnt sich der Antrieb eine Gedenksekunde. Zudem wirkt der Vierzylinder beim Beschleunigen etwas angestrengt.
Wey 05 (2026)
Wey 05 macht sich breit
Einen spürbaren Unterschied zwischen den Fahrmodi "Sport" und "Normal" registriert das Popometer kaum. Die drei anwählbaren Lenkmodi dagegen sind gelungen abgestimmt; mit der Einstellung "Standard" ist man in den meisten Situationen gut unterwegs. Der Wey 05 ist weniger als sportlich zugespitztes SUV positioniert, sondern vielmehr als komfortorientierter Langstrecken-gleiter mit viel Platz, viel Ausstattung und großer elektrischer Reichweite.
Gute Nerven (und noch bessere Kalkulationsfähigkeiten) braucht es allerdings in engen Passagen. Vor allem bei schmalen Toreinfahrten zeigt sich, dass man dem Wey seine fast zwei Meter Breite optisch weniger ansieht, als man sie akustisch von den eifrig anspringenden Warnsystemen eingebläut bekommt. Das lässt sich zwar alles deaktivieren - und das sollte man im Zweifel auch tun. Hilfreich sind die beiden in der gefahrenen "Luxury"-Variante verbauten Park- und Rangierassistenten dennoch.
Wey 05 ist Recht durstig
Weniger zeitgemäß fällt der Verbrauch des Allradlers aus. Rund 15 Liter auf 100 Kilometer fließen bei leerer Batterie durch die Leitungen, zumindest bei zügig gefahrenen Autobahnetappen. Mit vollem Akku sinkt der Wert auf etwa zwölf Liter. Entsprechend überschaubar ist die Reichweite dieses fast fünf Meter langen Kolosses: Gerade einmal 400 Kilometer zeigt der Bordcomputer bei randvollem 55-Liter-Tank an.
Auch beim Stromkonsum gibt sich der 05 angesichts von 2,4 Tonnen Gewicht und großer Stirnfläche nicht gerade bescheiden. 24,4 kWh stehen laut WLTP im Datenblatt, in der Praxis - vor allem bei niedrigen Temperaturen - steht schnell eine 30 vor dem Komma. Mit fast 40 kWh brutto sind im Alltag aber rund 120 elektrische Kilometer drin. Geladen wird der Plug-in-Hybrid entweder dreiphasig per AC oder am Schnelllader. Auf dem Papier sind dort 50 kW möglich, in der Praxis nähert sich der Wey 05 diesem Wert mit gut 40 kW an.
Platz in Hülle und Fülle
Damit setzt er einen interessanten Schwerpunkt: Er bietet für einen Plug-in-Hybrid außergewöhnlich viel elektrische Reichweite, erkauft sich diesen Vorteil aber mit üppigem Durst und stattlichem Gewicht. Wer vor allem lokal emissionsarm pendeln will und regelmäßig laden kann, dürfte das anders bewerten als Vielfahrer, die häufig langen Strecken im Hybridmodus absolvieren.
Der Wey 05 bietet Platz in Hülle und Fülle. Vorn erfreut ein komfortabler Sitz mit ausziehbarer Oberschenkelauflage, Ventilation, Heizung und vielen Einstellmöglichkeiten. Schon in Reihe eins ist das Raumgefühl großzügig, in Reihe zwei üppig. Hinten reist man noch kommoder, auch wenn dort eine klassische Sitzbank alle drei möglichen Insassen vereint. Die Skidurchreiche ist praktisch.
Ein USB-C- und ein klassischer USB-A-Anschluss genügen im Fond für die Stromversorgung. Beim Aussteigen aus den tief montierten Rücksitzen helfen praktische Haltegriffe. Viel Licht bringt das serienmäßige, zweigeteilte Panoramadach in den Innenraum, das sich zudem öffnen lässt.
Zusätzliche Helligkeit fällt durch die großen Fenster zwischen C- und D-Säule - das kommt auch der Übersichtlichkeit zugute. Im Kofferraum stehen mindestens 500 Liter Ladevolumen zur Verfügung. Immerhin gibt es zwei Verzurrösen, an denen sich Gepäck sichern lässt. Die elektrische Heckklappe öffnet langsam und schwingt nicht weit genug nach oben: Bei etwa 1,80 Meter ist Schluss.
Insgesamt hinterlässt das Interieur einen hochwertigen Eindruck. Weiche Materialien, die sich angenehm anfühlen, prägen den Innenraum. Praktisch und originell: Das Smartphone kann vertikal in einen Schlitz gestellt und dort geladen werden.
Vieles in punkto Bedienung läuft über die Menüs im Zentraldisplay. Das kennt man; auch seltsame Worttrennungen dürften inzwischen kaum irritieren. Das schräg platzierte dritte Display auf der Mittelkonsole spiegelt stark und lässt sich nicht optimal bedienen. Zudem berührt man es unbeabsichtigt mit dem Handballen, beim Touchen des Zentraldisplays.