Allianz-Experte im Gespräch: Mehr Schäden, höhere Kosten

10.06.2026 12:43 Uhr | Lesezeit: 3 min
Thomas Behl, Allianz
Thomas Behl leitet die Reparaturtechnik im Allianz Zentrum für Technik und blickt auf die Fortschritte in dem Bereich.
© Foto: Allianz

Die Statistiken der Versicherer zeigen, warum die Beiträge stetig steigen. Ein genauer Blick auf die Schäden hilft, unnötige Reparaturen zu verhindern. Dazu braucht es die Forschung.

Der Gesamtverband der Versicherer (GDV) trägt jährlich die Veränderungen zusammen. Was das für einen Versicherer bedeutet, darüber sprachen wir mit Thomas Behl, Leiter Reparaturtechnik im Allianz Zentrum für Technik (AZT).

Herr Behl, welche Reparaturmethoden sind aus Sicht der Allianz, also als Versicherer, möglich, um Steinschläge zu reparieren?

Thomas Behl: Welche Reparaturen technisch möglich sind, können auf Glasschadenreparatur spezialisierte Unternehmen wie Wintec, Carglass etc. besser erläutern. Aus Versicherersicht sind wir für alle Methoden offen, die technisch machbar und sinnvoll, gesetzeskonform und nachhaltig sind und die im Idealfall dazu beitragen, Schadenkosten zu senken und damit langfristig positiv für die Beiträge der Versicherten sind.

Teilkasko-Schadenarten 2024
Teilkasko-Schadenarten 2024
© Foto: GDV

Die Allianz ist selbst in der Forschung zur Verkehrssicherheit aktiv. Spielt Autoglas hierbei eine Rolle?

T. Behl: Das Thema Fahrzeugverglasung spielt in unserer Forschung zu Reparierbarkeit und Unterhaltskosten von Fahrzeugen eine Rolle. So stehen wir regelmäßig im Austausch mit anderen internationalen Forschungsinstituten und diskutieren mit Fahrzeugherstellern und weiteren Playern auf dem Markt, zum Beispiel Scheibenherstellern, die Entwicklung von Glasschäden und deren Ursachen. Ein konkretes Beispiel für ein Forschungsprojekt ist eine Untersuchung des AZT vor ein paar Jahren, in der in praktischen Versuchen der Einfluss von Hagelkörnern auf Fahrzeugmaterialien untersucht wurde.

Könnten Sie das etwas genauer ausführen?

T. Behl: Hier diente die Beschädigung von Windschutzscheiben durch Hagelkörner als Indikator für die Beschädigung von CFK-Bauteilen (carbonfaserverstärkter Kunststoff). Ein Ergebnis war hier, dass nach einem Hagelereignis Beschädigungen an CFK-Bauteilen ausgeschlossen werden können, wenn keine Beschädigung an der Windschutzscheibe des betroffenen Fahrzeugs aufgetreten ist. Dies wiederum hilft den in die Schadenbewertung involvierten Experten, den korrekten Schadenumfang zu ermitteln und unnötige Reparaturen zu vermeiden.

Werden Schäden an den Seitenscheiben anders über die Versicherung abgerechnet als jene an der Frontscheibe?

T. Behl: Nein. Ein Glasschaden ist ein Glasschaden, egal ob an Seitenscheibe, Frontscheibe, Panoramadach oder anderweitig am Fahrzeug. Der wesentliche Unterschied bei Seitenscheiben im Hinblick auf die Instandsetzung ist, dass diese als Einscheibensicherheitsglas nicht repariert werden können und es deswegen hier immer zum Austausch kommt.

Mit welchen Schadensszenarien rechnet die Allianz etwa bei Naturgewalten wie den eben erwähnten Hagelschäden?

T. Behl: Die steigende Anzahl von Fahrzeugen auf den Straßen bedeutet, dass auch die Schäden durch Hagelereignisse weiter steigen werden. Die Auswirkung des Klimawandels auf Hagelereignisse ist noch nicht eindeutig belegt.

Herzlichen Dank, Herr Behl, für das Gespräch.

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