Doppelherz im Dreifach-Check

30.04.2014 12:02 Uhr

Doppelherz im Dreifach-Check

Test-Protokolle | Drei Unternehmen gaben für 14 Tage mit dem Vollhybriden Lexus IS 300h in der F-Sport- Variante Gas. Wie hat sich der 223-PS-Mittelklässler in den einzelnen Fuhrparks bewährt?

— CHEP Deutschland, Fertigbeton Rheinland (fbr) und UCB Pharma – diese drei Unternehmen durften den Lexus IS 300h F-Sport im Rahmen des zweiwöchigen Flottenchecks, zu dem wir in der Autoflotte 1/2014 aufgerufen hatten, auf Doppelherz, Nieren und Alltagstauglichkeit prüfen.

Lexus-Neulinge | Alle Beteiligten haben vorher noch keine Erfahrungen mit einem Modell von Lexus gesammelt, was die Urteile unserer Fuhrparkleiter noch spannender macht.

Als Praxistester traten an: Sebastian Wischnewski, unter anderem für das Fleet Management bei dem Supply-Chain-Experten CHEP Deutschland zuständig, Ralf Güldenberg, Geschäftsführer bei fbr, einem Dienstleister rund um Beton und Mörtel, und Werner Beule, Fuhrparkleiter bei dem biopharmazeutischen Unternehmen UCB Pharma.

Auch Beules Kollegen Joachim Döling und Marvin Bieber setzten sich hinter das Steuer des Lexus IS 300h, der laut dem Lexus-Gewerbekunden-Verantwortlichen Ole Kylau 80 Prozent der IS-Flotten-Bestellungen ausmacht (siehe Interview Seite 61).

So fiel das Urteil der Fahrzeugtester aus:

Antrieb

Ralf Güldenberg (Fertigbeton Rheinland): Das Antriebskonzept fällt durch sehr gutes Ansprechverhalten sowie zügige und angenehme Beschleunigung auf und ist uneingeschränkt alltagstauglich. Das Zuschalten des Verbrenners ist praktisch nicht wahrnehmbar.

Sebastian Wischnewski (CHEP Deutschland): Die Kombination aus E-Motor und Benziner, gekoppelt mit dem stufenlosen CVT-Getriebe, ist von Lexus perfekt gewählt. So ergibt sich ein „gleitendes Fahren“ ohne jegliches Rucken oder Schalten. Auch der Übergang vom E-Modus zum Verbrenner funktioniert unspektakulär.

Werner Beule (UCB Pharma): Die Antriebskomponenten sind gut. Leider springt der Verbrennungsmotor zu schnell an.

Joachim Döling (UCB Pharma): Das Antriebskonzept ist überzeugend und das Zusammenspiel der Komponenten klappt sehr gut. Die Fahrleistungen bleiben jedoch hinter den Erwartungen zurück.

Marvin Bieber (UCB Pharma): Während der Full-Hybrid im Stadtverkehr überzeugt, wirkt er auf der Autobahn etwas schwerfällig.

E-Modus

Güldenberg: Die Beschleunigung und die erreichbare Geschwindigkeit sind im Stadtverkehr gerade ausreichend. Aus meiner Sicht wäre eine bessere Beschleunigung und eine Höchstgeschwindigkeit von zirka 60 km/h alltagstauglicher. In der jetzigen Konfiguration schaltet der Verbrenner zu schnell zu.

Wischnewski: Im dichten Stadtverkehr ist der E-Modus klasse und durch die Rekuperation beim Bremsen gewinnt man an Reichweite. Schade: Ab 50 km/h schaltet der Benziner dazu. 60 km/h wären im Stadtverkehr im E-Modus sinnvoller.

Beule: Angenehm, sehr leise. Reichweite: sehr gering.

Getriebe

Güldenberg: Ich bin generell kein Freund von Automatikgetrieben, aber das CVT- Getriebe arbeitet im Bereich Stadtverkehr und Überlandfahrt sauber und angenehm. Beim Abruf der vollen Motorleistung fällt es durch sehr hohe Drehzahlen und hierdurch bedingt einen hohen Geräuschpegel auf.

Wischnewski: Wie man es von CVT-Getrieben kennt, ist die Beschleunigung sehr gleichmäßig und komfortabel. Schön ist, dass man über die Schaltwippen am Lenkrad noch Einfluss nehmen kann.

Beule: Da habe ich mir mehr von versprochen: Beschleunigung und Elastizität sind für 223 PS sehr ungenügend.

Döling: Beschleunigung und Elastizität sind nicht wirklich überzeugend. Der sportliche Eindruck steht hierzu im Gegensatz. Das Getriebe und die Schaltvorgänge arbeiten einwandfrei und sind angenehm.

Bieber: Im Stadtverkehr völlig ausreichend. Dass es sich um eine Sportausführung handelt, spiegelt sich nur bedingt im Fahrgefühl wider.

Innenraum

Güldenberg: Das Platzangebot ist sowohl vorne als auch hinten absolut ausreichend und insbesondere hinten besser als in anderen Fahrzeugen dieser Klasse. Das Kofferraumvolumen ist trotz der größeren Batterie in jedem Fall alltagstauglich. Es sind genügend Ablagemöglichkeiten vorhanden. Das Cockpit macht einen hochwertigen Eindruck. Die Bedienelemente sind sehr gut angeordnet und lassen sich intuitiv bedienen. Die Klimaanlage arbeitet leise, effektiv und ohne spürbaren Luftzug.

Wischnewski: Die Sitzposition ist recht sportlich. Das heißt, man sitzt tief im Wagen, was ich angenehm finde. Die schräge Mittelkonsole ist gut zu bedienen und klar gestaltet. Nicht optimal war die Bedienung des Infotainment. Hier brauchte man schon ein wenig Übung.

Beule: Das Platzangebot ist ausreichend. Wenn man nur „konventionelle Fahrzeuge“ kennt, ist das Cockpit gewöhnungsbedürftig. Wenn man länger im Fahrzeug sitzt, kommt man aber damit klar.

Döling: Das Platzangebot ist ausreichend und der Kofferraum groß genug. Ebenso ist die Variabilität gut. Ein klassischer Tacho fehlt. Die Anzeige der Geschwindigkeit ist jedoch groß genug. Die Funktionalität ist in Ordnung, jedoch leicht gewöhnungsbedürftig. Ergonomie ist aus meiner Sicht gut.

Bieber: Der optische Eindruck ist durchwachsen: Das Lenkrad und die Tachoanzeigen gefallen mir gut. Allerdings wirken die Verblendungen bei vielen Plastikteilen nicht sehr hochwertig – das ist nur beim Lenkrad anders. Sehr gut sind die beiden USB- Anschlüsse. So kann man problemlos sein Handy während der Fahrt aufladen.

Komfort

Güldenberg: Die Sitze sind ausgezeichnet. Sie bieten genügend Seitenhalt – auch bei sportlicher Fahrweise – und ausreichend Kopffreiheit (selbst bei einer Körpergröße von 1,89 Metern). Die Oberschenkel liegen gut auf und die Schultern finden ebenfalls genügend Unterstützung. Der Abrollkomfort ist gut, obwohl er aufgrund der montierten Winterreifen sicherlich gelitten hat. Der Federungskomfort lässt sich dank der unterschiedlich wählbaren Fahrmodi optimal anpassen.

Wischnewski: Die Leder-Sportsitze sind sehr gut geschnitten und bequem. Auch der Verstellbereich ist ausreichend. Das Fahrwerk schafft einen guten Spagat zwischen sportlich und komfortabel. Zudem ist der Wagen gut gedämmt, was einen hochwertigen Eindruck hinterlässt.

Beule: Die Sitze sind mangelhaft; nach einer Stunde Fahrzeit hatte ich Rückenschmerzen, ebenso mein Beifahrer. Der Rest ist okay.

Döling: Ein sehr angenehmes Fahrgefühl. Keine Geräusche, hoher Fahrkomfort.

Bieber: Der Fahrersitz ist komfortabel – nur der Sitzteil im unteren Rücken ist etwas zu weit vorne. Das Vor- und Zurückfahren beim Ein- und Ausstieg trägt zum positiven Eindruck bei und gefällt.

Optik

Güldenberg: Das Fahrzeug macht einen sportlich-eleganten Eindruck, wenngleich die Fahrleistungen hinter dem optischen Eindruck zurückbleiben. Mir persönlich gefällt der Heckdiffusor nicht.

Wischnewski: Der Lexus hat (zum Glück) kein Allerweltsdesign. Ich finde gerade die Front sehr mutig gestaltet. Insgesamt sieht der Wagen sehr dynamisch aus.

Beule: Für mich ist der IS 300h zu eckig und sportlich.

Döling: Sehr schön und sportlich. Gut gelungen.

Bieber: Entweder gefällt es sehr oder gar nicht.

Verarbeitung

Güldenberg: Sowohl die Materialien als auch die Verarbeitung vermitteln einen sehr hochwertigen Eindruck. Sehr angenehm sind die Aufpolsterungen der Armauflagen in den Türen und auf der Mittelkonsole sowie im Kniebereich der Mittelkonsole.

Wischnewski: Klasse Verarbeitung. Das macht sich gerade im E-Modus bemerkbar. Hier gibt es kein Knarzen oder Klappern. Alle Materialien fühlen sich wertig an und hinterlassen einen penibel zusammengesetzten Eindruck.

Beule: Das Fahrzeug wirkt sportlich aggressiv. Es hat nichts geklappert, auch nicht auf den schlechten belgischen Straßen.

Welche Sonderausstattung haben Sie als besonders hilfreich erlebt?

Güldenberg: Automatisches Licht, Fernlichtassistent, Abstandsradar in Verbindung mit Geschwindigkeitsregelanlage und Toter-Winkel-Assistent.

Wischnewski: Sehr gute Rückfahrkamera, aktiver Tempomat, Ein-/Ausstiegshilfe (elektrisches Zurückfahren von Fahrersitz und Lenkrad). Den Komfortzugang mit Keyless go möchte man auch nicht mehr missen. Toller Effekt bei Dunkelheit: Nähert man sich dem Wagen, wird schon die Innenbeleuchtung eingeschaltet.

Bieber: Toter-Winkel-Anzeige im Außenspiegel.

Welche Sonderausstattung würden Sie zusätzlich für sinnvoll halten?

Güldenberg: Automatisches Abbremsen bis zum Stillstand und eigenständiges Anfahren und Abbremsen bei Stop-and-go.

Beule: Park-Distance-Control vorne.

Fahrverhalten

Güldenberg: Das Fahrzeug macht insgesamt einen leichtfüßigen Eindruck. Der Geradeauslauf ist gut. Im entsprechenden Fahrmodus fühlt man sich auf kurvenreichen Landstraßen wie zuhause. Das Fahrzeug lenkt direkt und präzise ein, ist im Grenzbereich gutmütig und untersteuert leicht bei zu ambitionierter Fahrweise. Die montierten Winterreifen stoßen leider schnell an ihre Grenzen, wodurch die Fahrfreude etwas getrübt wird. Ebenfalls ist die Bereifung mit der guten Bremsleistung schnell überfordert. Dies sollte sich mit den serienmäßigen Sommerreifen noch spürbar verbessern.

Wischnewski: Sehr präzise und direkte Lenkung. Federung sportlich mit genügend Komfort. Kleiner Wendekreis.

Bieber: Innerorts okay, auf der Autobahn ab Tempo 160 etwas unsicherer.

Stärken

Güldenberg: Sehr ansprechender und werthaltiger Innenraum – insbesondere die hohe Mittelkonsole und die dadurch bedingte „Einbettung“ des Fahrers. Tolle Sitze. Das Lenkrad liegt gut in der Hand. Sehr gutes Handling und niedriger Verbrauch.

Wischnewski: Top-Antrieb, agiles Fahrverhalten, hochwertige Verarbeitung, eigenständiges Design.

Schwächen

Güldenberg: Im reinen Elektrobetrieb wären eine bessere Beschleunigung und eine höhere fahrbare Geschwindigkeit wünschenswert. Bei Abruf der vollen Leistung ist der Motor zu laut und das Motorgeräusch zu blechern. Hier würde ich mir eine Kombination mit dem vorhandenen Sechs-Zylinder-Motor wünschen.

Wischnewski: Bedienung des Infotainment; Kofferraumboden ist nicht eben.

Beule: Die Sitze.

Wäre dieses Fahrzeug für Sie beziehungsweise Ihren Fuhrpark interessant?

Güldenberg: Ja, wegen des sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnisses.

Wischnewski: Ja. Wer aber 50.000 Kilometer im Jahr unterwegs ist, kommt meiner Meinung nach nicht am Diesel vorbei. Die Stärken des IS 300h sehe ich eher im guten Mix von Autobahn und Stadtverkehr.

Beule: Nein, da wir zu 100 Prozent Dieselfahrzeuge haben.

Reaktionen

Wischnewski: Ich wurde auf dem Supermarkt-Parkplatz gefragt, was das für ein Wagen sei. Gerade wenn man im E-Modus über den Parkplatz „gleitet“, hat man die Blicke auf seiner Seite.

Beule: Der IS 300h fällt optisch natürlich auf.

| Protokoll: Susanne Löw

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Lexus IS 300h | Bewertung der Teilnehmer in Schulnoten (Durchschnitt)

äußeres Design 2,00

inneres Design 2,25

Qualitätsanmutung insgesamt 2,50

Qualität der Materialien/Verarbeitung 2,00

Ausstattungsniveau 1,75

Bedienerfreundlichkeit 2,75

Sicherheitsgefühl 2,38

Sitzkomfort 3,00

Einstiegskomfort 1,75

Kraftstoffverbrauch 2,75

Übersichtlichkeit innen 2,50

Übersichtlichkeit außen 2,50

Ablagemöglichkeiten 2,50

Stauraum 2,50

Ladevolumen/Variabilität 2,50

Heizung/Klimaanlage/Lüftung 2,50

Beschleunigungsverhalten 3,50

Bremsverhalten 2,00

Schaltung 2,00

Fahrverhalten 2,50

Federung 2,00

Fahrgeräusche 2,25

Preis-Leistungs-Verhältnis 3,00

Gesamteindruck 2,50

Lexus IS 300h F-Sport ab 38.571 Euro

R4/2.494 cm3 | 133 kW/181 PS | 221 Nm/4.200 U/min.

E-Motor: 650 V | 105 kW/143 PS | NiMH-Batterie | E-CVT

Gesamt: 164 kW/223 PS | 8,3 s | 200 km/h | 4,3 S 99 g/km

4.665 x 1.810 x 1.430 mm | 450 Liter

Service-Check: alle zwei Jahre bzw. alle 30.000 km

Fitness-Check: jährlich bzw. alle 15.000 km (inkl. Ölwechsel)

Nachgefragt bei Ole Kylau | Lexus-Gewerbekunden-Verantwortlicher

– Wie hoch ist der Anteil der IS 300h innerhalb der IS-Linie im gewerblichen Bereich?

Knapp 40 Prozent aller IS-Zulassungen finden im Flottenmarkt statt. Davon haben 80 Prozent einen Vollhybridantrieb.

– Wie viele davon werden als F-Sport geordert?

Etwa 40 Prozent.

– Die Leser urteilen im Flottencheck teils sehr unterschiedlich, der IS 300h polarisiert offenbar. Was heißt das für die Chancen in Flotten?

Unsere Fahrzeuge sind für Menschen, die das Besondere lieben und nicht nach dem Mainstream im Premiummarkenbereich suchen. Damit polarisieren wir zwangsläufig.

– Welche Fuhrparks bzw. Dienstwagenfahrer sprechen Sie mit dem Full-Hybriden an?

Mit einem Lexus IS als Vollhybrid setzt man ein Zeichen. Sie sind umweltschonend unterwegs und gehen gleichzeitig keine Kompromisse in Bezug auf Komfort, Design und Fahrspaß ein. Wir sprechen von „Genuss ohne Reue“. Ein weiterer Vorteil: die Lärmreduzierung. Auch hier können Sie mit dem IS 300h punkten. Es ist doch ein schöner Luxus, nachts die letzten Meter nahezu lautlos nach Hause zu „stromern“ – und der Nachbar wird nicht gestört.

Um den Einstieg für Gewerbekunden noch einfacher zu gestalten, gibt es den IS 300h auch als Business Edition. Die Ausstattung ist maßgeschneidert für Fuhrparks und Dienstwagenfahrer. Die Business Edition ist für unter 33.613 Euro Listenpreis erhältlich – und das bei einer CO2-Emission von nur 99 g/km. Das macht den IS besonders spannend für Fuhrparks mit CO2-Policy. 20 Prozent unserer Flottenkunden entscheiden sich bereits heute für die Business Edition. Um zudem Fuhrparkleitern die Befürchtung von unwägbaren Kosten zu nehmen, bieten wir ein attraktives Service Leasing inklusive Wartung und Verschleiß an.

– Welche Ziele haben Sie sich mit dem IS 300h für 2014 gesetzt?

Wir möchten, dass der Lexus IS als echte Alternative wahrgenommen wird. Mit Vollhybridantrieb, Business Edition und Service Leasing haben wir eine gute Basis dafür geschaffen.

| Interview: Susanne Löw

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Autoflotte ist die monatlich erscheinende Fachzeitschrift für den Flottenmarkt im deutschsprachigen Raum. Zielgruppe in diesem wachsenden Markt sind die Fuhrpark-Entscheider in Unternehmen, Behörden und anderen Organisationen mit mehr als zehn PKW/Kombi und/oder Transportern. Vorstände, Geschäftsführer, Führungskräfte und weitere Entscheider greifen auf Autoflotte zurück, um Kostensenkungspotenziale auszumachen, intelligente Problemlösungen kennen zu lernen und sich über technische und nichttechnische Innovationen zu informieren.