Wasserstoff (chemisches Symbol: H) kommt in der Natur vor allem als bindungsstarkes H2-Molekül vor, der Nährstoff für die Brennstoffzelle (F-Cell) ist. Daimler gehört zu jenen Brückenbauern, die damit die CO2-freie Mobilität angehen und bringt nun mit dem GLC-F-Cell einen ganz besonderen Mix auf die Straße. Denn das SUV hat neben der Brennstoffzelle eine 13,5 kWh speicherstarke Batterie verbaut - setzt also auf den dualen Antrieb namens Hybrid.
Der GLC F-Cell setzt das Erbe der kleinen Testflotte von rund 180 B-Klassen mit Brennstoffzelle fort, die bislang die Alltagstauglichkeit der Technik zeigen sollten.
Während der Konkurrent Hyundai seinen Nexo zum Kaufen anbietet (ab 57.983 Euro inklusive langer Lieferzeit) und Toyota den Mirai verleast, kann man den GLC F-Cell nur mieten. Stolze 799 Euro rufen die Süddeutschen als Monatsrate für das Full-Service-Paket auf, das in sieben Metropolregionen mit Tank-Infrastruktur angeboten wird. Maximal vier Jahre lang soll der F-Cell im Fuhrpark bleiben, so die Stuttgarter.
Vorn Akku, hinten Antrieb
Auf einer ersten Testfahrt zeigte sich der reine Hecktriebler antriebsstark, nur die Lenkung und die Bremsen wirkten etwas gefühllos. Vom künftigen Stromer-SUV namens EQC stammt der Heckmotor mit 155 kW Leistung. In der Front - als Gegenstück - sitzen der 13,5-kWh-Akku-Pack sowie die beiden dickwandigen H2-Tanks. Wobei der länglichere von beiden im Motortunnel platziert ist, so dass der Stuttgarter im Innenraum hochbaut wie ein Allradler. Im Mannheimer Werk, das schon die Erdgasmodelle fertigt, werden die Elemente zusammengebracht. 4,4 Kilogramm Wasserstoff sind maximal an Bord. Im Hybridmodus nutzt der Daimler die für das aktuelle Fahrprofil effektivste Stromquelle. Die Batterie (Reichweite rund 51 Kilometer) dient vor allem auf der Langstrecke, um die Reserven (rund 480 Gesamtkilometer) groß zu halten.
Plug-in-Hybride für die Diesel
Das Tanken ist einfach und vor allem schnell erledigt. Das nationale Netz wird gerade vom Konsortium H2-Mobility aufund ausgebaut, Ziel sind 100 Tankstellen bis 2019. Langfristig sollen 400 Tankstellen als Nachschuborte dienen.
Wesentlich griffiger ist der weitere Einsatz des 13,5-kWh-Energiespeichers. Er wird nämlich in der C-, E- und S-Klasse mit Benzinern und erstmals bei Daimler mit Selbstzündern kombiniert. So surrt eine Plug-in-Hybrid-Armada zur Sternfahrt - davon rund 50 Kilometer rein elektrisch.
Ab Mitte 2019 kann man beispielsweise mit dem Mercedes-Benz C300 de als Limousine oder T-Modell auf Schleichfahrt gehen. Der 306 PS starke Vierzylinder-Diesel kann bis zu 57 Kilometer (NEFZ) im Ruhezustand bleiben, da der E-Antrieb das Kommando übernimmt. Abgestimmt wird das Zusammenspiel mit Hilfe des 9G- Tronic-Hybrid-Getriebes.
Der Stromverbrauch liegt laut Datenblatt bei 18,7 bis 19,1 kWh pro 100 Kilometer, der Kraftstoffverbrauch bei 1,6 Litern (CO2-Wert: 42 g/km). Der sogenannte Eco Assistent hilft dem Fahrer der Doppelherzen beim spritsparenden vorausschauenden Fahren, indem er Hinweise gibt, wann der Fuß vom Gas zu nehmen ist. Dafür werden die Navigationsdaten mit der Verkehrszeichenerkennung und den Informationen vom Radar sowie der Kamera kombiniert, um die nächsten Fahrsituationen vorherzusehen. Mit diesen Vorausschaudaten werden auch das Segeln und die Rekuperation optimiert. Der größere Bruder, die E-Klasse, wird als E300 e Limousine und E300 de Limousine und T-Modell hybridisiert. Das Diesel-Doppelherz soll wiederum bei gut 1,6 Litern und 41 bis 44 g CO2 pro km laut Normverbrauch landen. Wichtig: Auch als Plug-in nimmt der Süddeutsche bis zu 2.100 Kilogramm an den Haken. Seit Oktober ist bereits der S-Klasse-Ableger, der Mercedes-Benz S560 e bestellbar. Der 367-PS-V6-Ottomotor läuft im Tandem mit einem 90-kW-E-Motor, was bis zu 50 CO2-freie Kilometer ermöglichen soll. Das Refresh der Batterien kann dank eines wassergekühlten On-Board-Laders mit 7,4 kW Leistung an einer 22-kw-Wallbox binnen 90 Minuten oder an einer Schuko-Steckdose innerhalb von gut fünf Stunden erfolgen. Mit seinen CO2-Werten von 57 bis 59 Gramm je Kilometer setzt die segelnde S-Klasse ein Zeichen - wie auch beim Preis. Das Doppelherz schlägt ab 96.065 Euro.
Bis 2022 sollen alle Verbrenner zumindest zum Mild-Hybrid mutieren. Das neue Portfolio aus 48-Volt-Technik, Plug-in-Hybriden und Stromern nennt Daimler Electric Intelligence, kurz EQ - auch das klingt nach starken Bindungskräften.