Neuwagen standen lange für Sicherheit und Planbarkeit – dieses Versprechen bröckelt. "Rückrufe gehören inzwischen zum Alltag. Gleichzeitig können verkürzte Gewährleistungsfristen einzelner Anbieter das Risiko unbemerkt auf Unternehmen verlagern", warnt Axel Schäfer, Geschäftsführer des Bundesverband Betriebliche Mobilität e. V. (BBM).
Wer Verkaufsbedingungen und AGB nicht sorgfältig prüft, riskiert nicht nur Einschränkungen bei Sicherheit und Verfügbarkeit, sondern auch erhebliche Mehrkosten – insbesondere dann, wenn Hersteller oder Händler Gewährleistung für gewerbliche Kunden deutlich kürzen.
Immer mehr Rückrufe
Dass Rückrufe heute keine Ausnahme mehr sind, zeigen aktuelle Zahlen: Eine Untersuchung des ADAC weist seit Jahren einen starken Anstieg der Rückrufaktionen aus. Im Jahr 2025 wurden 532 Rückrufe registriert – nahezu dreimal so viele wie 2010 (185).
Auch die Zahl der betroffenen Fahrzeuge steigt deutlich: 2024 mussten rund 2,84 Millionen Autos in die Werkstatt, das waren 48 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor allem volumenstarke Baureihen und technisch komplex ausgestattete Modelle sind anfällig – ein einzelner Fehler kann schnell hunderttausende Fahrzeuge betreffen.
Parallel dazu berichten Flottenverantwortliche, dass einzelne Hersteller die Gewährleistungsfristen für Unternehmerkunden vertraglich auf ein Minimum reduzieren – unter anderem bei Mercedes-Benz und Volkswagen. "Sollte das so zutreffen, tragen Fuhrparks das technische und finanzielle Risiko womöglich deutlich früher allein – wenn sie nicht genau hinschauen", so Schäfer.
Fehlerrisiko steigt ständig
Mit der wachsenden technischen Komplexität moderner Fahrzeuge steigt auch das Fehlerrisiko. Für Flotten bedeutet das: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Dienstwagen von einem Rückruf betroffen ist, war selten so hoch. Positiv ist, dass Mängel konsequent adressiert werden und die Sicherheit steigt. Gleichzeitig verschärfen Rückrufe die Diskussion um Standzeiten, Fahrzeugverfügbarkeit, Ersatzmobilität und Haftungsfragen.
Skandale wie manipulierte Abgassysteme oder fehlerhafte Takata-Airbags haben die Zahlen zusätzlich befeuert. Doch auch unabhängig davon gilt: Rückrufe sind heute fester Bestandteil des Produktlebenszyklus. Hersteller rufen inzwischen auch kleinere Abweichungen zurück, um Qualitäts- und Sicherheitsstandards einzuhalten.
Kritisch sieht der BBM zudem die Kommunikation mancher Rückrufschreiben. Wenn etwa bei Batterieproblemen – wie bei einem Rückruf von Mercedes EQA/EQB – von einem Softwareupdate die Rede ist, das Probleme "mitigieren" soll, könne das laut Schäfer darauf hindeuten, dass gravierende Mängel sprachlich abgeschwächt werden. "Mitigieren" bedeutet lediglich abmildern – nicht zwingend vollständig beheben.