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Lynk & Co: Der Chef. Der Club. Das Auto.

Lynk & Co-CEO Alain Visser (l.) im Gespräch mit Autoflotte-Chefredakteur Michael Blumenstein
© Foto: Lynk & Co.

Alain Visser ist ein Mann der offenen Worte. Im Lynk & Co-Club in München erzählte der Belgier, was ihn dazu bewegte, eine neue Marke aus der Taufe zu heben und wieso Lynk & Co grüner sei als andere.


Datum:
08.04.2022
Autor:
mb
Lesezeit:
4 min
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Alain Visser ist ein automobiles Urgestein. Ende der 1980er Jahre startete seine Karriere bei Ford in Belgien, um bald in der Europazentrale in Köln Fuß zu fassen. 2004 wechselte er zu GM, unter anderem als Marketingchef für Opel. 2012 rief Volvo - man zählte bereits zweieinhalb Jahre zum chinesischen Automobilkonzern Geely - ihn nach Göteborg.

Geely ist seitdem unaufhörlich weitergewachsen. Neben den Marken Geely Auto (derzeit 22 Modelle im Portfolio) und Volvo Cars gehören auch Polestar, Proton, Lotus, LEVC ("Londontaxi") sowie weitere hierzulande (noch) gänzlich unbekannte Marken zum Konzern - und eben Lynk & Co. Übrigens übernahm Geely auch die Entwicklung und Produktion der dieses Jahr startenden neuen Ära von Smart. Mercedes-Benz verantwortet bei Smart lediglich noch das Design. Geely gehört also längst zu den ganz Großen.

Einen ganz kleinen Teil zum Großen trägt Lynk & Co bei. Erst im Oktober 2015 gegründet, startete die Marke 2017 mit dem Modell 01 (der zuvor ein Geely CX11 war) in China. Mittlerweile können die Kunden in China aus sechs Modellen wählen - in Europa sind seit rund einem Jahr der Lynk & Co 01 als Plug-in-Hybrid (siehe Fahrbericht in Autoflotte 5/2021) und der Hybrid ohne Stecker erhältlich.

Mittendrin

Direkt neben dem Viktualienmarkt in München hat Lynk & Co seinen dritten Club in Deutschland nach Berlin und Hamburg eröffnet. Visser verrät, dass Lynk mittlerweile in Belgien, Schweden, Italien, den Niederlanden, Frankreich und Spanien zuhause ist und dass neben den deutschen Clubs welche in Amsterdam (der erste), Antwerpen, Stockholm und Göteborg existieren. Barcelona, Mailand, Paris, Brüssel und Marseille sollen dieses Jahr folgen.

Die Idee von Lynk & Co: Auto-Abo und Auto-Teilen. Das ist laut CEO Visser eine (nahe) Entwicklung der Mobilität und der erfahrene Manager sieht sich mit Lynk & Co in der Vorreiterrolle. Entstanden ist die Marke durch und wegen Visser. Etwas zögerlich lässt der immer freundlich wirkende End-50er verlauten, dass Lynk & Co seine Idee war. "Ich wurde gefragt, eine neue Automarke zu kreieren. Ich sagte, dass das keinen Sinn ergebe, da es schon zu viele Automarken gibt. Ich schlug nach 35 Jahren Autoindustrie das Lynk-Konzept vor." Das war 2015. "Dematerialisierung" nennt Visser die Idee hinter Lynk & Co. Der Begriff beschreibt den Weg weg vom Besitzen, hin zum Benutzen. "Wir wollen die Dinge extrem einfach und transparent halten", sagt er und meint dabei die digitalisierte Abwicklung des Aboprozesses genauso wie die nicht vorhandene Auswahl an Optionen beim Fahrzeug selbst. Das Modell 01 ist schwarz oder blau. Einzige Option ist die Anhängekupplung. Diese Einfachheit erlaubt einen schlanken Prozess in der Fertigung. Denn die Fahrzeuge werden nicht bestellt, sie werden nach Abschluss des Abos in drei bis vier Wochen geliefert oder es wird ein "frisches" Gebrauchtes genutzt. Produziert wird in China. Yuyao heißt die Region im Südosten, in der das Lynk-Werk entstand. Entwickelt wurde der 01 von CEVT (China Euro Vehicle Technology), die in Schweden sitzen und ebenfalls zum Geely-Reich gehören.

Das wilde Pferd

Visser sieht sich und sein Team so ein bisschen als das wilde Pferd."Am Anfang fragten viele, was das soll und meinten, dass es nicht klappen würde. Und trotzdem haben alle eingeschlagen und gesagt: Lasst es uns versuchen. So habe ich am 1. Oktober 2015 in Schweden mit null Mitarbeitern angefangen. Ich habe mir in einem Interieurladen in Göteborg vier Tische und Stühle gekauft und vier Leute eingestellt. Das war ein merkwürdiges Gefühl. Bei Opel hatte ich ein Team von 4.000 Mitarbeitern. Mittlerweile sind wir bei Lynk & Co bei rund 670. Etwa 80 Prozent davon haben nie in der Automobilindustrie gearbeitet, 50 Prozent sind Männer und unsere VP Marketing hat keinen Führerschein", lacht Visser."Dass all das in einem Konzern möglich war, war für mich ein Wow-Effekt", sagt er noch immer beeindruckt.

Der Wow-Effekt setzte kürzlich bei anderen ein. Denn ein Jahr nach dem Start gibt es europaweit 84.000 Abonnenten."In Deutschland haben wir momentan über 300 Fahrzeuge und in Europa etwas mehr als 3.500 auf der Straße. Und all das haben wir bislang ohne Marketing geschafft. Unser internes Ziel war es, bis Ende 2021 9.000 Mitglieder begrüßen zu dürfen." Allein in Deutschland sind es gut 11.500. Mitglied kann man kostenfrei werden und hat dann Zugriff auf Autos, die Lynk-Abonnenten stunden- und tageweise in der App anbieten - Carsharing halt.

Dass sich die Zeiten ändern, sieht Visser seit 30 Jahren. Doch am Geschäftsmodell hat sich kaum etwas geändert: so viel Autos wie möglich verkaufen. Und das liegt vor allem an den Herstellern, weniger an den Autohändlern, denn die tun das, was die Hersteller vorgeben. "Es wird nie ein Lynk-Autohaus geben. Unsere Clubs sehe ich als Marketingausgabe. Man kann ein Geschäft online abwickeln, so aber kaum eine Marke etablieren. Die Emotionen kommen in unseren Clubs rüber und wir wollen, dass Menschen die Marke spüren." Ein "Wir-Gefühl" soll sich durch das Etablieren von Events mit Künstlern und DJs sowie dem Erleben nachhaltiger Produkte einstellen. So ist alles, was in den Clubs zu sehen ist, kaufbar. Stühle, Kaffee, Seifen... und ein Auto. Und alles hat den Anspruch, nachhaltig hergestellt zu sein. "Das Auto steht bei uns nicht im Vordergrund, es steht irgendwo hinten im Club. Es geht um Mobilität."


Lynk & Co Berlin

Bildergalerie

Service übernimmt Lynk

Für den Service gibt es Verträge mit den Volvo-Händlern. Aber Kunden werden nie Kontakt mit den Händlern haben."Wir wissen, wenn eine Inspektion ansteht. Dann rufen wir den Kunden an und fragen, wann das Auto nicht benötigt wird. Wir holen es ab, stellen einen Ersatzwagen und tauschen wieder." Bei den Flottenkunden ist das Konzept gleich. Und Visser sieht den Vorteil gerade in Fuhrparks als noch größer. Steuerlich ist es je nach Land unterschiedlich. Der Wagen - wird er als Dienstwagen genutzt - wird nur einmal versteuert, vom Hauptnutzer sozusagen. "Wir sehen weltweit den Trend, dass Menschen sich immer mehr vom Autobesitzen trennen und dass ein Auto 96 Prozent der Zeit ungenutzt steht. Das ist eine extreme Zahl. Aber im Flottenbereich ist es sogar oft noch schlimmer. Die Chefs kommen mit dem Dienstwagen ins Büro, dort steht es den gesamten Tag. Der Außendienst fährt zu der Zeit mit anderen Autos los. Das ist doch absurd. Mit unserem Konzept können die Autos ganz einfach geteilt werden." Flottenmanager haben als Administrator eine Web-Anwendung sowie eine App. Das ist eine eigene Software, betont Visser. Die Nutzer erledigen alles via App. "Es gibt dann vielleicht nicht mehr zehn Fahrzeuge, sondern nur noch sechs. Und doch kommt jeder fast immer an ein Auto. Aktuell sind wir bereits bei 30 Prozent Flottenkunden. In Deutschland haben wir zwei Personen, die sich ums Flottengeschäft kümmern." Abgesichert sind die Fahrten über eine Kooperation mit der Allianz Versicherung, die speziell mit Lynk eine neue Police entwickelt hat.

Abonnieren, leasen, kaufen

Den Lynk & Co 01 abonnieren Firmen in Schwarz oder Blau für 500 Euro netto pro Monat. Wer über 48 Monate least, zahlt mindestens 327 Euro netto (über ALD) und wer kauft, bekommt den steckerlosen Hybrid ab 29.412 Euro (derzeit nicht lieferbar). Der Plug-in-Hybrid kostet 35.294 Euro. 95 Prozent entscheiden sich fürs Abo. Und Visser ist überzeugt, dass das "was ich jetzt mache, das Beste ist, was ich je getan habe. Ich habe meinen Job immer geliebt, ob das bei Ford, Opel oder bei Volvo war. Aber ich glaube, das, was ich jetzt tue, ist eine Reaktion auf das, was ich 30 Jahre lang zuvor gemacht habe."

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