Die meteorologischen Bedingungen könnten nicht besser sein: Minus 20 Grad zeigt das Thermometer bei der Anfahrt zur Eis- und Schneepiste in der Nähe von St. Moritz an. So muss es bei der Wintererprobung sein. Das Auftauen des vor Ort abgestellten Testwagens geht zügig vonstatten, die Scheiben sind im Handumdrehen frei. Zur Wohlfühl-Innenraumtemperierung gesellen sich flankierend noch die Segnungen von Sitz- und Lenkradheizung. Völlig klar: Bei tiefem Frost weiß man diese Auftauhilfen ganz besonders zu schätzen.
Die Profis vom Driving Center Schweiz haben das Gelände eines Golfplatzes präzise für die winterliche Zweitnutzung vorbereitet. Die Schnee- und Eisschicht zeigt sich wegen des tiefen Frosts wie aus einem Guss. Es geht leicht abschüssig dahin, dazu kommen einige langgezogene Bodenwellen, die bei den Brems- und Slalomfahrten für zusätzliche Dynamik sorgen. Die entscheidende Frage vor den ersten Runden: Kann der i C10 auch abseits des Asphalts mit den "normalen" C10 AWD mithalten, oder ist er zu eindeutig auf Straßen-Performance ausgelegt? Der Blick in die technischen Daten sorgt für Beruhigung.
"Nicht gleich Vollgas geben auf diesem Untergrund"
Denn das vom Individualisierungsteam des deutschen Tuningunternehmens Irmscher präparierte SUV unterscheidet sich in technischer Hinsicht nur durch das etwas tiefergelegte, straffere Sportfahrwerk von den Serienfahrzeugen. Dazu kommen noch einige Zierstreifen, ein Heckspoiler und 20-Zoll-Alus im Irmscher-Design.
"Nicht gleich Vollgas geben auf diesem Untergrund", erklärt der Instruktor vor dem ersten Bremstest. Denn sonst kann der wie das Serienpendant muntere 440 kW/598 PS starke Allradler seine viele Kraft (maximales Drehmoment: 720 Nm) nicht optimal in Vortrieb umsetzen. Also vorsichtig Strom geben und erst nach 10 bis 20 Metern das Kraftpedal bis zum Bodenblech pressen. Der i C10 beschleunigt unter Hinterlassen einer gewaltigen Schneestaub-Wolke mit allen Vieren bis auf rund 70 km/h, dann kommt per Walkie-Talkie das Kommando für die Vollbremsung bis zum Stillstand. Trotz seines Kampfgewichts von knapp 2,3 Tonnen verzögert der schwarze Muskelprotz nachdrücklich und bleibt dabei trotz des niedrigen Reibwerts der Piste problemlos lenkbar. Was auch für die Performance der P Zero Winter-Pneus von Pirelli spricht.
Leapmotor iC10
Nächste Disziplin: Schnee-Tango. Die Instruktoren haben mit Plastikhütchen eine Art waagrechte Riesenslalom-Strecke ausgesteckt. Wie lassen sich wohl die üppigen Pfunde, die vor allem der dicken, 81,9 kWh fassenden LFP-Batterie im Wagenboden geschuldet sind, um die Pylonen schwingen? Die ersten Versuche im Komfort-Modus stimmen zuversichtlich. Das China-SUV aus dem Stellantis-Kosmos gibt sich willig und kooperativ, ermöglicht trotz des Schleuderhemmers ESP eine ordentliche Portion Spaß auf Eis, ohne dass dabei die Kontrolle ganz abgegeben werden muss.
Wer's wilder mag, kann sich über den Sportmodus bis hin zum Slalom mit deaktiviertem Sicherheitsnetz durcharbeiten. Die dabei auftretenden Effekte stehen in direktem Zusammenhang mit der verfügbaren Kraft aus zwei E-Motoren: Es geht wirklich sehr dynamisch zu. Das Herantasten ans Limit und an den kontrollierten Drift ist auch in diesem dicken Brummer ein Vergnügen. Und nicht nur das: Die Erfahrungen vom Schnee-Parcours sind auch im Alltag hilfreich, wenn es mal kritisch wird.