Es ist nichts Neues, dass Opel-Modelle und -Technik bei anderen Marken teils 1:1 zu finden waren. Im Grunde fing alles bereits 1929 an, als Opel von GM gekauft wurde. Das bedeutete auch 88 Jahre lang viel Wissens- und Technologietransfer – meistens von Ost (Rüsselsheim) nach West (Detroit). Der Chevrolet Chevette war zu großen Teilen ein Opel Kadett C, der auch als Holden Chevette, Vauxhall Chevette und Buick Opel in die Weltmärkte ging. Bis zum Ende der GM-Ära wurde das Teilen von Modellen vollzogen – ein logischer Schritt innerhalb eines Konzerns. Um in der Kompaktklasse zu bleiben: Ein Astra G war in vielen Teilen der Welt ein Chevrolet. Und der Astra H in den USA ein Saturn Astra. Bis zum Ende wurde fröhlich umgelabelt und aus dem Astra J ein Buick Verano. Viele andere Beispiele ließen sich aufzeigen. GM kooperierte aber auch schon früh mit Isuzu. So war der oben genannte Kadett C ein Isuzu Gemini, der im Asia-Pazifikraum in vielen Ländern verkauft wurde. Bis heute, wie unschwer im Straßenverkehr Mittel- und Südamerikas zu entdecken ist, sind als Chevrolet umgelabelte Isuzu-Busse dort im Einsatz.
Opel Frontera 110-PS-Hybrid
Als Isuzu Opel-Modelle fertigte
Isuzu ist ein gutes Stichwort. Denn der Opel Frontera A war 1:1 ein Isuzu Mu, der bereits 1989 das Licht der Welt (nicht bei uns) erblickte. Ja, merkwürdiger Name, vielleicht wurde er auch deswegen in Isuzu Rodeo umbenannt. Ein Opel Frontera wurde daraus 1991. Etwa zeitgleich kamen die Pendants von Holden (Australien) und Vauxhall (UK), beides GM-Marken, auf die jeweilige Insel (und sonst nirgends unter diesen Marken). Sie sehen, es ist kompliziert.
Nach wie vor gibt es viele Kooperationen im Automobilbau. Oder besser: mehr denn je. Ford und VW tauschen sich bei den Transportern komplett aus und verwässern die jeweilige DNA. Und auch bei den neuen Elektro-Pkw steckt VW-Technik unter Ford-Haut. Allerdings verzettelt sich Ford noch mehr: Aus dem Renault R5 ist nämlich nicht nur ein Nissan Micra (Renault-Nissan-Konzern) geworden, sondern es folgt demnächst auch ein neuer Ford Fiesta auf R5-Basis.
Zurück zu den Rüsselsheimern, die seit 2017 zu PSA gehörten und seit 2021 Teil des neuen Stellantis-Konzerns sind. So verwundert es wenig, dass es vom neuen Opel Frontera einen Zwilling gibt, nicht nur technisch, sondern auch optisch. Der Citroën C3 Aircross ist dasselbe Auto in grün, wie man bei Opel (Laubfrosch) zu sagen pflegte. Differenzierungen der beiden 4,40-Meter-Kompakt-SUV? Technisch und optisch: gering. Benzinverbrennende Frontera-Motorsierungen gibt es ausschließlich mit 48-Volt-Zusatz und Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe. Ganz neu ist die Basisversion mit 110-PS-Mildhybridisierung. Genau diese haben wir zum Test gebeten.
Der C3 Aircross ist in der Basis 5.300 Euro günstiger als der Opel Frontera
Der Opel Frontera Hybrid 110 startet bei 24.190 Euro brutto. Damit ist er 5.300 Euro (brutto) teurer als der Citroën C3 Aircross mit 100-PS-Benziner, Sechsgang-Handschaltung und ohne Mildhybridunterstützung. Beide Stellantis-Ableger gibt es in der jeweiligen Topversion mit dem 145-PS-Hybrid und Doppelkupplung sowie ähnlicher Ausstattung. Preisdifferenz dann: rund 2.000 Euro. Und wer es rein elektrisch haben will, bekommt das auch bei beiden, ebenfalls mit 2.000 Euro Preisvorteil beim „echten“ Franzosen (26.500 Euro).
Warum echter Franzose? Nun, dem C3 Aircross nimmt man eher ab, ein Citroën zu sein, als dem Frontera, dass er ein Opel ist. Denn am Frontera ist so gar nichts wie sonst bei Opel. Das beinhaltet keine Wertung, denn es ist eine Chance für Käufer, die sich bislang mit einem Opel – warum auch immer – nicht anfreunden konnten und die für letztendlich etwa 25.000 Euro ein Familienauto haben möchten, das man ohne Bedenken „abnutzen“ kann. Zudem ist einer der etwa 1.000 Händler vermutlich gleich nebenan. Kurze Wege sind zudem sinnvoll, denn nach dem zweiten Jahr „muss“ der Frontera jährlich oder alle 12.500 Kilometer in die Werkstatt – das riecht auch nach 90er-Jahren. Liebe zum Automobil wird beim aktuellen Opel Frontera kaum aufkommen – weder heute noch in 30 Jahren. Anders beim Frontera A, der seine Fans (zurecht) gefunden hat.
Außen fällt am Kanyon orange lackierten Frontera auf, dass einige Teile hier und da nicht ganz akkurat sitzen und Feuchtigkeit die Rückleuchten beschlagen lässt. Das passiert aber auch einem Toyota. Ansonsten steht der Frontera satt auf den 17-Zoll-Options-Alus (400 Euro). Beim Einsteigen in den Innenraum erfreuen echte Türgriffe und große Türausschnitte. Die passende Sitzposition in den robust wirkenden, aber wenig schmeichelnden Sitzbezügen gibt es obendrauf. Bei den Materialien und der Verarbeitung darf man bei solch einer Fahrzeuggröße für den genannten Preis keine Wunder erwarten. Wir sind hier (abzüglich Rabatte) auf Dacia-Niveau. In die Garage rollte die Basisausstattung Edition, was wir vor allem an kalten Tagen merken sollten. Doch dazu später mehr.
Perfekt platziert und bedienbar sind die zwei Tasten zum Deaktivieren von Spurhalteassistent und Tempowarner. Der Tempoüberwacher wird vermutlich jeden nerven. Denn die Schildererkennung des Frontera gehört zu den schlechten und dementsprechend oft wird „gewarnt“, obwohl man nicht ansatzweise zu schnell fährt. Die Bedienelemente sind einfach zu drücken, zu drehen und auch mal zu touchen. Egal, ob Lenkrad oder Touchscreen, die Möglichkeiten sind zum einen überschaubar (wie angenehm) und zum anderen einleuchtend (klasse). Danke dafür und auch fürs einfache Abschalten des Bildschirms bei Nachtfahrten und weiterhin abspielbare Musik oder Naviansage.
Opel Frontera: sehr viel Platz auf 4,40 Metern
Danke auch für ein fantastisches Raumangebot und Raumgefühl. Der Opel Frontera fühlt sich fast eine Nummer größer an. Das hat sich wohl auch Opel gedacht und bietet ihn sogar in einer Siebensitz-Konfiguration an, in der selbst 1,75-Meter-Menschen ganz hinten 100-Kilometer-Touren überstehen können. Allerdings nur in der teuren GS-Ausstattung (plus 3.500 Euro). Zwei zusätzliche Sitze gibt es beim C3 Aircross ebenso und sie sind mit 850 Euro sogar 50 Euro teurer als beim „Hessen-Bub“ aus Trnava (Slowakei).
Auf der nicht verschiebbaren Rückbank kann man sich prinzipiell wohlfühlen und hat auf Wunsch sogar noch zwei USB-C-Anschlüsse (im empfehlenswerten Tech-Paket für 1.000 Euro) am Ende der Mittelkonsole. Gespart hat Opel bei der Fensterheber-Automatik. Die Fahrerscheibe lässt sich mit einem Knopfdruck herab, alle anderen müssen, wie bei allen beim Schließen, gehalten werden. Unüblich, aber verschmerzbar und irgendwie wie beim Frontera A.
Kommen wir zum Thema Klimatisierung in all seinen Facetten. Wieso um Himmels willen ist es EU-seitig vorgeschrieben, Tempowarner, Spurhalteassistenten, Müdigkeitswarner etc. an Bord zu haben, beheizte Außenspiegel hingegen nicht? Ja, der Frontera hat keine in der Ausstattungslinie Edition – auch nicht gegen Aufpreis. Was das bedeutet, merkt man im Winter, wenn man die Spiegel nicht mit dem Eiskratzer freiräumt, oder beim Einfahren in deutlich wärmere Tunnels, wenn die Spiegel schlagartig beschlagen. Auch Grund zur Beanstandung gibt die Klimaautomatik. Sie wird bei schneller Fahrt auf der Autobahn automatisch wärmer und im langsamen Stadtverkehr kälter. Auf langen Strecken wird dafür die Mittelkonsole so heiß, dass sich Schokoriegel verflüssigen und die Hitzeabstrahlung zu den Seiten die Füße nach Sandalen im Winter schreien lässt. Auch das induktive Laden eines Smartphones kann man meist wegen Überhitzung vergessen. Schnell beim Heizen – und das ist positiv – sind auch Sitze und Lenkrad. Diese sind bereits nach 30 Sekunden spürbar warm (im Komfort-Paket für 1.000 Euro).
Kommen wir zum Fahrkomfort und bleiben direkt hinten. Der Opel Frontera ist straff abgestimmt. Das spüren vor allem die Hinterbänkler und im Besonderen bei kurzen Anregungen und Querfugen, die durch den (weichen) Sitzschaum bis in den Rücken durchpoltern. Bei den vermeintlich eher jüngeren Insassen im Fond mag das verschmerzbar sein – im Wortsinn.
Das Fahrwerk poltert aber auch an der Vorderachse und vielleicht ist eine Empfehlung daher, es bei den serienmäßigen 16-Zoll-Rädern zu belassen. Diese gibt es beim Edition im sogenannten „Design-Paket“ in weiß lackiert, inklusive passend eingefärbtem Dach. Das sieht wirklich frisch aus.