Opel Frontera 110 Mildhybrid: Es steht Opel drauf

31.01.2026 01:00 Uhr | Lesezeit: 4 min
Der Opel Frontera überzeugt vor allem mit viel Platz auf 4,39 Metern Länge und günstigen Preisen.
© Foto: Michael Blumenstein

Mit dem neuen Opel Frontera ist den Hessen vor allem eins gelungen: Ein günstiges Familienauto. Dass am Frontera so eigentlich gar nichts opelig ist, muss nicht stören – kann aber.

Es ist nichts Neues, dass Opel-Modelle und -Technik bei anderen Marken teils 1:1 zu finden waren. Im Grunde fing alles bereits 1929 an, als Opel von GM gekauft wurde. Das bedeutete auch 88 Jahre lang viel Wissens- und Technologietransfer – meistens von Ost (Rüsselsheim) nach West (Detroit). Der Chevrolet Chevette war zu großen Teilen ein Opel Kadett C, der auch als Holden Chevette, Vauxhall Chevette und Buick Opel in die Weltmärkte ging. Bis zum Ende der GM-Ära wurde das Teilen von Modellen vollzogen – ein logischer Schritt innerhalb eines Konzerns. Um in der Kompaktklasse zu bleiben: Ein Astra G war in vielen Teilen der Welt ein Chevrolet. Und der Astra H in den USA ein Saturn Astra. Bis zum Ende wurde fröhlich umgelabelt und aus dem Astra J ein Buick Verano. Viele andere Beispiele ließen sich aufzeigen. GM kooperierte aber auch schon früh mit Isuzu. So war der oben genannte Kadett C ein Isuzu Gemini, der im Asia-Pazifikraum in vielen Ländern verkauft wurde. Bis heute, wie unschwer im Straßenverkehr Mittel- und Südamerikas zu entdecken ist, sind als Chevrolet umgelabelte Isuzu-Busse dort im Einsatz.  


Opel Frontera 110-PS-Hybrid

Stehend vor einer Wand von vorn fotografierter Opel Frontera in Kanyon Orange lackiert Bildergalerie

Als Isuzu Opel-Modelle fertigte

Isuzu ist ein gutes Stichwort. Denn der Opel Frontera A war 1:1 ein Isuzu Mu, der bereits 1989 das Licht der Welt (nicht bei uns) erblickte. Ja, merkwürdiger Name, vielleicht wurde er auch deswegen in Isuzu Rodeo umbenannt. Ein Opel Frontera wurde daraus 1991. Etwa zeitgleich kamen die Pendants von Holden (Australien) und Vauxhall (UK), beides GM-Marken, auf die jeweilige Insel (und sonst nirgends unter diesen Marken). Sie sehen, es ist kompliziert.

Nach wie vor gibt es viele Kooperationen im Automobilbau. Oder besser: mehr denn je. Ford und VW tauschen sich bei den Transportern komplett aus und verwässern die jeweilige DNA. Und auch bei den neuen Elektro-Pkw steckt VW-Technik unter Ford-Haut. Allerdings verzettelt sich Ford noch mehr: Aus dem Renault R5 ist nämlich nicht nur ein Nissan Micra (Renault-Nissan-Konzern) geworden, sondern es folgt demnächst auch ein neuer Ford Fiesta auf R5-Basis.

Zurück zu den Rüsselsheimern, die seit 2017 zu PSA gehörten und seit 2021 Teil des neuen Stellantis-Konzerns sind.  So verwundert es wenig, dass es vom neuen Opel Frontera einen Zwilling gibt, nicht nur technisch, sondern auch optisch. Der Citroën C3 Aircross ist dasselbe Auto in grün, wie man bei Opel (Laubfrosch) zu sagen pflegte. Differenzierungen der beiden 4,40-Meter-Kompakt-SUV? Technisch und optisch: gering. Benzinverbrennende Frontera-Motorsierungen gibt es ausschließlich mit 48-Volt-Zusatz und Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe. Ganz neu ist die Basisversion mit 110-PS-Mildhybridisierung. Genau diese haben wir zum Test gebeten.

Der C3 Aircross ist in der Basis 5.300 Euro günstiger als der Opel Frontera

Der Opel Frontera Hybrid 110 startet bei 24.190 Euro brutto. Damit ist er 5.300 Euro (brutto) teurer als der Citroën C3 Aircross mit 100-PS-Benziner, Sechsgang-Handschaltung und ohne Mildhybridunterstützung. Beide Stellantis-Ableger gibt es in der jeweiligen Topversion mit dem 145-PS-Hybrid und Doppelkupplung sowie ähnlicher Ausstattung. Preisdifferenz dann: rund 2.000 Euro. Und wer es rein elektrisch haben will, bekommt das auch bei beiden, ebenfalls mit 2.000 Euro Preisvorteil beim „echten“ Franzosen (26.500 Euro).

Warum echter Franzose? Nun, dem C3 Aircross nimmt man eher ab, ein Citroën zu sein, als dem Frontera, dass er ein Opel ist. Denn am Frontera ist so gar nichts wie sonst bei Opel. Das beinhaltet keine Wertung, denn es ist eine Chance für Käufer, die sich bislang mit einem Opel – warum auch immer – nicht anfreunden konnten und die für letztendlich etwa 25.000 Euro ein Familienauto haben möchten, das man ohne Bedenken „abnutzen“ kann. Zudem ist einer der etwa 1.000 Händler vermutlich gleich nebenan. Kurze Wege sind zudem sinnvoll, denn nach dem zweiten Jahr „muss“ der Frontera jährlich oder alle 12.500 Kilometer in die Werkstatt – das riecht auch nach 90er-Jahren. Liebe zum Automobil wird beim aktuellen Opel Frontera kaum aufkommen – weder heute noch in 30 Jahren. Anders beim Frontera A, der seine Fans (zurecht) gefunden hat.

Außen fällt am Kanyon orange lackierten Frontera auf, dass einige Teile hier und da nicht ganz akkurat sitzen und Feuchtigkeit die Rückleuchten beschlagen lässt. Das passiert aber auch einem Toyota. Ansonsten steht der Frontera satt auf den 17-Zoll-Options-Alus (400 Euro). Beim Einsteigen in den Innenraum erfreuen echte Türgriffe und große Türausschnitte. Die passende Sitzposition in den robust wirkenden, aber wenig schmeichelnden Sitzbezügen gibt es obendrauf. Bei den Materialien und der Verarbeitung darf man bei solch einer Fahrzeuggröße für den genannten Preis keine Wunder erwarten. Wir sind hier (abzüglich Rabatte) auf Dacia-Niveau. In die Garage rollte die Basisausstattung Edition, was wir vor allem an kalten Tagen merken sollten. Doch dazu später mehr.

Perfekt platziert und bedienbar sind die zwei Tasten zum Deaktivieren von Spurhalteassistent und Tempowarner. Der Tempoüberwacher wird vermutlich jeden nerven. Denn die Schildererkennung des Frontera gehört zu den schlechten und dementsprechend oft wird „gewarnt“, obwohl man nicht ansatzweise zu schnell fährt. Die Bedienelemente sind einfach zu drücken, zu drehen und auch mal zu touchen. Egal, ob Lenkrad oder Touchscreen, die Möglichkeiten sind zum einen überschaubar (wie angenehm) und zum anderen einleuchtend (klasse). Danke dafür und auch fürs einfache Abschalten des Bildschirms bei Nachtfahrten und weiterhin abspielbare Musik oder Naviansage.

Gesamtcockpit des Frontera auf einem Foto
Viel Platz gibt es im Opel Frontera vorn und auch hinten. Wer will, rüstet um zwei Sitze auf und macht den Opel zum (brauchbaren) Siebensitzer.
© Foto: Michael Blumenstein

Opel Frontera: sehr viel Platz auf 4,40 Metern

Danke auch für ein fantastisches Raumangebot und Raumgefühl. Der Opel Frontera fühlt sich fast eine Nummer größer an. Das hat sich wohl auch Opel gedacht und bietet ihn sogar in einer Siebensitz-Konfiguration an, in der selbst 1,75-Meter-Menschen ganz hinten 100-Kilometer-Touren überstehen können. Allerdings nur in der teuren GS-Ausstattung (plus 3.500 Euro). Zwei zusätzliche Sitze gibt es beim C3 Aircross ebenso und sie sind mit 850 Euro sogar 50 Euro teurer als beim „Hessen-Bub“ aus Trnava (Slowakei).

Auf der nicht verschiebbaren Rückbank kann man sich prinzipiell wohlfühlen und hat auf Wunsch sogar noch zwei USB-C-Anschlüsse (im empfehlenswerten Tech-Paket für 1.000 Euro) am Ende der Mittelkonsole. Gespart hat Opel bei der Fensterheber-Automatik. Die Fahrerscheibe lässt sich mit einem Knopfdruck herab, alle anderen müssen, wie bei allen beim Schließen, gehalten werden. Unüblich, aber verschmerzbar und irgendwie wie beim Frontera A.

Kommen wir zum Thema Klimatisierung in all seinen Facetten. Wieso um Himmels willen ist es EU-seitig vorgeschrieben, Tempowarner, Spurhalteassistenten, Müdigkeitswarner etc. an Bord zu haben, beheizte Außenspiegel hingegen nicht? Ja, der Frontera hat keine in der Ausstattungslinie Edition – auch nicht gegen Aufpreis. Was das bedeutet, merkt man im Winter, wenn man die Spiegel nicht mit dem Eiskratzer freiräumt, oder beim Einfahren in deutlich wärmere Tunnels, wenn die Spiegel schlagartig beschlagen. Auch Grund zur Beanstandung gibt die Klimaautomatik. Sie wird bei schneller Fahrt auf der Autobahn automatisch wärmer und im langsamen Stadtverkehr kälter. Auf langen Strecken wird dafür die Mittelkonsole so heiß, dass sich Schokoriegel verflüssigen und die Hitzeabstrahlung zu den Seiten die Füße nach Sandalen im Winter schreien lässt. Auch das induktive Laden eines Smartphones kann man meist wegen Überhitzung vergessen. Schnell beim Heizen – und das ist positiv – sind auch Sitze und Lenkrad. Diese sind bereits nach 30 Sekunden spürbar warm (im Komfort-Paket für 1.000 Euro).

Kommen wir zum Fahrkomfort und bleiben direkt hinten. Der Opel Frontera ist straff abgestimmt. Das spüren vor allem die Hinterbänkler und im Besonderen bei kurzen Anregungen und Querfugen, die durch den (weichen) Sitzschaum bis in den Rücken durchpoltern. Bei den vermeintlich eher jüngeren Insassen im Fond mag das verschmerzbar sein – im Wortsinn.

Das Fahrwerk poltert aber auch an der Vorderachse und vielleicht ist eine Empfehlung daher, es bei den serienmäßigen 16-Zoll-Rädern zu belassen. Diese gibt es beim Edition im sogenannten „Design-Paket“ in weiß lackiert, inklusive passend eingefärbtem Dach. Das sieht wirklich frisch aus.


Opel Frontera Edition 110 Hybrid

Testwagenpreis: 26.640 € (brutto)
R3/1.199 ccm | 81 kW/110 PS | 205 Nm ab 1.750
6-Gang-DKG | 11,4 s | 176 km/h
WLTP: 5,3 S | 119 g/km
Abmessungen: 4.385 x 1.849 x 1.655 mm
Kofferraum: 460–1.600 Liter
Service: Erste 2 Jahre/25.000 km, danach jährlich/12.500 km
Garantie: 2 Jahre



Sparsam: 110-PS-Mildhybrid im Opel Frontera

Frisch ist auch das Stichwort für den Motor. Der kleine Mildhybrid im Opel Frontera ist neu im Programm und bildet den Einstieg in die Frontera-Welt. Die Systemleistung von 110 PS ist vollkommen ausreichend – auch wenn Fahrzeugschein (185 km/h), Konfigurator (180 km/h) und Preisliste (176 km/h) drei verschiedene Höchstgeschwindigkeiten ausweisen. Die sechs Gänge, die man nicht manuell beeinflussen kann, sind gut abgestuft und schalten in der Regel passend. Störend ist hingegen, dass an kalten Tagen nach dem Motorstart der erste Gang reingeschmissen wird und es im Auto beim Anfahren merklich ruckt. Begleitet wird das Erlebnis von einem rauen Nageln, das an einen Diesel erinnert. Der Dreizylinder ist wenig gedämmt, was nach dem Warmfahren jedoch kaum stört.  Ist der Verbrenner aufgewärmt, stromert das 48-Volt-System recht häufig und der Dreizylinder macht Pause. Selbst das Anfahren klappt oft bis 20 km/h rein elektrisch. Das spart spürbar Sprit und so sind 5,5 Liter pro 100 Kilometer Stadtverkehr machbar (44-Liter-Tank). Auf der Langstrecke, mitschwimmend im Verkehr, liegt er eher bei gut sechs Litern – beides gute Werte für das hochaufbauende SUV. Als störend erweist sich die durchaus heftige Rekuperation, die auch bei jedem Gaswegnehmen das Bremslicht aktiviert. Die Hinterherfahrenden denken sich ihren Teil über das Fahrkönnen des Frontera-Lenkers. Ob das viele Menschen außer dem Schreiber dieser Zeilen stört, ist nicht bekannt.

Freuen werden sich Opel-Frontera-Eigner über den vergleichsweise günstigen Preis und den ebenso einzuschätzenden Verbrauch. Das sehr gute Platzangebot gemessen an der Fahrzeuggröße ist ein weiterer Pluspunkt für diesen Gebrauchsgegenstand, den man sich nicht wegen des Opel-Blitzes kauft, sondern trotz dessen. Denn mit einem Opel hat der Frontera herzlich wenig zu tun – also irgendwie exakt so, wie vor 35 Jahren. Und rückblickend ist der erste Frontera echt cool – wir haben Hoffnung.

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