Mehr Statement als Lösung

01.03.2021 06:00 Uhr

Wie weit kommt der denn? Wer ein E-Auto fährt, muss mit Fragen rechnen. Gerade, wenn der Stromer von einer kultigen Marke wie Mini stammt.

Der E-Brite, genauer gesagt Mr. Cooper SE - und das als positiven Punkt vorweg - bleibt seinem angeborenen Gokart- Feeling treu, welches mit dem stets vorwärtsdrängenden Elektromotor sogar auf die Spitze getrieben wird. Mit dieser Antwort können jene Fragesteller sicher sehr gut leben. Mit dem Nachsatz wohl weniger: Mit der Reichweite müssen Sie halt mal schauen. Denn im Sport-Modus, der dem weiß-blauen Sportpaket sehr taugt, geht es maximal 150 Kilometer. Wer auf "Green+" wechselt, gewinnt pro forma deutlich an Bewegungsradius dazu (gut 210 km in Summe), merkt dann aber schnell, dass eine Klimaanlage doch eine gute Idee sein kann. Der Verzicht auf Stromfresser speist eben den Aktionsradius. So eignet sich der bayerische Brite allein schon aufgrund dieses Limits im Grunde nur als Poolwagen für Wege von maximal 100 Kilometern oder als ausgewiesenes Pendler-Mobil. Beides funktioniert aber nur dann sorgenfrei, wenn - und das Lied kann jeder, der im öffentlichen Raum mit dem Ladekabel nach Anschluss sucht, singen - die eigene Ladekarte, die Ladesäule und der Mini im Dreiklang harmonisch zu surren beginnen. Allzu oft blieben wir auf unseren Test-Kilometern leider stumm zurück. Aber diese Leere wurde ja stets durch interessierte Passanten oder wirklich engagierte Mitarbeiter von Ladeparks gefüllt. Denn allein ist man selten mit einem E-Mobil im Schlepptau.

Allein ist man auch nicht an Bord. Die zahlreichen Helferlein agieren im Hintergrund auf angenehm dezente, aber effektive Art und Weise. Wie viele helfende Hände an Bord dürfen, richtet sich nach der Wahl eines von vier Niveaus (ab 27.311 Euro). Wer das Kreuz bei "L" (32.353 Euro) setzt, erhält unter anderem Geschwindigkeitsregelung mit Bremsfunktion, Fernlichtassistent, Verkehrszeichenerkennung und Personen- und Auffahrwarnung mit City-Anbremsfunktion. Zudem sind adaptive LED-Scheinwerfer, Parkpiepser vorn und hinten, Park-Assist, das Head-up-Display, großes Zentraldisplay (8,8 Zoll statt 6,5 Zoll) und die Harman/Kardon-Soundanlage mit einem Dutzend Lautsprechern dabei. Im Top-Trim XL (34.034 Euro) kommt das Schiebedach dazu. Das bringt Licht und damit Tiefe ins Renncockpit des Viersitzers und lässt sich in der vorderen Hälfte etwas öffnen. Nicht orderbar ist der adaptive Tempomat, was ein Zeichen ist, dass die Autobahn (Top-Speed: 150 km/h) nicht der Tummelplatz des Scooters ist.

Den Luxus eines Head-up-Displays, das alle notwendigen Infos gut aufbereitet, erkauft man sich mit der typischen, aber unschönen Plastikscheibe, welche sich vertikal ausrichtet. Was an dieser Stelle an Bauraum fehlt, um eine Projektion direkt auf die Windschutzscheibe zu ermöglichen, wird im Interieur mittlerweile Mini-typisch bewusst verbaut. Klobiges Lenkrad, klobiges Rundinstrument, klobige Klickschalter. Die Flug- oder Rennpiloten-Geschichte dahinter kann man mögen, vorbeischauen kann man an ihr aber definitiv nicht. Nach der Analogie sitzt man platztechnisch wie im Flieger: vorn in der Business- und im Fond in der Economy-Class. Handgepäck dürften allerdings nur die vorderen Zwei mitbringen. Dass reine E-Modelle mittlerweile mit einer Handvoll nicht digitalen Bedienelementen auskommen, klingt im E-Mini wie eine Vision, aber gut. Anders sein hat hier Tradition. Zur modernen Selbstverständlichkeit gehört das induktive (Handy-)Laden, hier im Fach unter der Armlehne.

Klobig passt eigentlich auch gut für das Gestühl. Rallye-eng geschnittene Sitze, die aber maximales Gewicht aufsatteln, da sie sehr fein justiert werden können. Wie schwer das Ganze dann wiegt, spürt man beim erstmaligen Umlegen der Rücksitze (60:40). Dadurch entstehen zwei Ladeebenen, denn von plan kann da keine Rede sein. Dass dies öfters notwendig ist, liegt am arg beengten Platzangebot im Kofferraum mit 211 Litern; maximal können 731 Liter befüllt werden.

Rekuperiert wird in zwei Stufen, wobei die erste zum Eingewöhnen und die zweite - deutlich stärkere - dann die dauerhafte sein sollte. Das One-Pedal-Drive-Gefühl ist hier nicht mehr weit entfernt. Positiv ist, dass ab Serie bereits die Wärmepumpe dabei ist. Als Ladekabel liegen im engen Stauraum dann die Version Schuko (230V) sowie ein Mode-3-Kabel von fünf Metern Länge, was in dem Fall nicht immer in der Länge nötig wäre, da die Ladebuchse an der Beifahrerseite angeschlagen ist. Reine E-Autos sind bei BMW/Mini noch kompakte Modelle. So stammt die Technik im SE aus dem i3. Der E-Motor mit 135 kW wird mit der 32,6- kWh-Batterie (28,9 kWh netto) kombiniert. Die Leistung von 184 PS wird allein über die Vorderräder aktiviert, ein Allradler ist der Cooper SE nicht. Sportlich sind die 17-Zöller dank der 205er Breite und den optisch schicken Kappen. In unserem Testzeitraum setzte der E-Motor im Schnitt eine Leistung von 15 Kilowattstunden pro 100 Kilometer um. Was dem Bewegungsprofil im Modus "Green+" entspricht. Also im Sommer gut, im Winter geht das gar nicht. Realistisch sind deshalb Distanzen von 150 bis 180 Kilometern. Geladen wird an der Wallbox mit 11 kW oder im Schnellladebereich mit 50 kW maximal. So bleibt der bullige Zwerg mehr ein markentypisches Statement als die Lösung für E-Mobilisten. Aber im rasant wachsenden Markt wird der Ableger der Kultmarke seine Käufer finden.

Von Autoflotte getestet

+- Agilität- Serienausstattung- Assistenzsysteme-- Preis- Reichweite- Stauraum

Mini Cooper SE XL

Testwagenpreis: 34.034 Euro135 kW/184 PS | 270 Nm | 7,3 s | 150 km/hAkkukapazität: 32,6 kWh WLTP: 14,8 - 16,8 kWh/100 km Reichweite: 225 bis 234 km Ladezeit 11 kW: 3,5 Std.CCS 50 kW: ca. 1,5 Std.3.845 x 1.727 x 1.414 mm | 211 - 731KH: 15 | TK: 18 | VK: 16Wartung: nach AnzeigeGarantie: 8 Jahre/160.000 km BatterieEmpfehlung:Mini Copper SE Trim L 32.353 EuroAlle Preise netto zzgl. Umsatzsteuer

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