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MEINUNG: Wie Firmenwagen die Umwelt retten sollen

© Foto: Getty Images / iStockphoto / photos

In einer gemeinsamen Presseerklärung des Öko-Instituts und der Agora Verkehrswende schlagen das Beratungsinstitut und der "Thinktank" vor, CO2-Emissionen durch nachhaltige Flottenstandards und Elektromobilität zu verringern. Doch wie realistisch ist der Vorschlag? Und vor allem: was ist neu?


Datum:
12.08.2022
Autor:
Michael Blumenstein/Autoflotte
Lesezeit: 
3 min
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Klar ist, dass Firmenwagen große Auswirkungen auf die Mobilität in Deutschland haben. Nach allgemeinem Konsens entfallen rund 30 Prozent der Neuzulassungen auf „relevante Flotten“ mit mehr als fünf Fahrzeugen, ohne Handel, Vermieter und Hersteller/Importeure. Schätzungen besagen, dass fast 70 Prozent aller Neuzulassungen (das werden voraussichtlich rund 2,5 Millionen in 2022) gewerblich angemeldet werden.

Meist hat ein Firmenauto im Leasing eine Laufzeit von 36 Monaten. Die Dienstwagen kommen nach dieser kurzen Haltedauer auf den Gebrauchtwagenmarkt und gehen häufig an Privatkäufer. Deswegen hat laut der Initiatoren des Vorschlags der Dienstwagen einen großen Einfluss auf die CO2-Emissionen im Straßenverkehr. Korrekt.

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Umso wichtiger sei es, dass Unternehmen ihren Einfluss nutzen und eine nachhaltige Car Policy erarbeiten. Nur so könnten die Emissionen der Flotte sinken. Bisher hätten jedoch nur wenige Unternehmen eine Dienstwagenrichtlinie, die tatsächlich pro Klimaschutz ausgerichtet ist.

Konkrete Formulierungsempfehlungen, wie so eine Car Policy aussehen könnte, haben jetzt das Öko-Institut und Agora Verkehrswende in einem 28-seitigen Leitfaden vorgelegt.


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Unumgänglich sei bei der Neubeschaffung von Fahrzeugen der Umstieg auf batterieelektrische (und kleinere) Fahrzeuge. Das Festlegen von CO2-Grenzwerten für die eigene Fahrzeugflotte sei ein Weg in die Richtung. Dabei müsse nicht der gesamte Fuhrpark umsteigen, aber – je nach Vorgabe – ein Großteil.

Ein anderes Instrument sei die Begünstigung bei der Wahl eines (kleineren) Elektroautos (oder wenigstens von der Batteriegröße her) mittels betriebsinternem Bonus-Malus-System: Je geringer die Emissionen eines Pkw, umso mehr bezuschusst der Arbeitgeber die Leasingrate, die über das Gehalt abgerechnet wird. Umgekehrt wird die Leasingrate bei Fahrzeugen mit hohen CO2-Emissionen mit einem Malus belegt. Darüber hinaus könnte bei der Wahl "CO2-sparender" Fahrzeuge eine bessere Ausstattung gewährt werden. Einige Unternehmen rechnen laut Pressemitteilung die durch CO2-Einsparung entstandenen Boni der Altersvorsorge an.

Nachhaltigere Nutzung der Dienstwagen

Laut Agora und Öko-Institut sollte ein effizienter Einsatz der Firmenwagenflotte das Ziel jeder Car Policy sein. Corporate Carsharing sei auch eine Option. Mit speziellen Effizienz-Fahrtrainings könnte zudem eine umweltschonendere Fahrweise erlernt werden, die Ressourcen schont. Ein freiwilliges, betriebsinternes Tempolimit von beispielsweise 130 km/h – kann selbstverständlich helfen, den Flottenverbrauch zu reduzieren (beim Einsatz von Elektroautos kommt dieses Tempolimit automatisch). Wettbewerbe könnten eine kosten- und umweltfreundliche Fahrweise anreizen, wenn etwa sparsame Fahrer oder solche, die dem WLTP-Verbrauch am nächsten kommen, ausgezeichnet werden. 

Kraftstoff selbst zahlen

Ein fixes Kraftstoffbudget oder gar das Ausschließen von Privatfahrten könne weiterhin dazu führen, dass der Verbrauch sinkt. Alternativ sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter die Tankkosten für private Fahrten selbst tragen lassen, was bereits beim Thema Plug-in-Hybrid in einigen Unternehmen so gehandhabt wird. Laut Agora und Öko-Institut werden Plug-ins in Deutschland nur zu rund 20 Prozent elektrisch gefahren und zu 80 Prozent mit Benzin oder Diesel. Diese Zahlen spiegeln in etwa auch die Verteilung von Prof. Dr. Roland Vogt wider, den wir hier im Interview haben.

Um den Stromanteil anzuheben, müssten die Unternehmen sicherstellen, dass das Fahrzeug regelmäßig geladen werden kann. Denn die Wallbox im Unternehmen und/oder zuhause sei die Lösung. Je nach Nutzungsmuster des Fahrzeugs sollten Unternehmen auch eine flexible Wahl des Ladeortes ermöglichen.

Neue Ideen fehlen

Laut einer in der Veröffentlichung enthaltenen Umfrage aus dem Jahr 2021 von www.baumev.de haben etwa 50 Prozent der Fuhrparks zwar eine schriftlich fixierte Car Policy, formulieren diese aber angeblich meist nicht umweltschützend aus.

Den meisten Fuhrparkverantwortlichen dürften die genannten Vorschläge kaum neu vorkommen und einige setzen es auch bereits so oder ähnlich um. Jedoch sind einige der genannten Maßnahmen gerade in der Zeit des Fachkräftemangels dem (potenziellen) Mitarbeiter nur schwierig zu vermitteln.

Neue Ideen fehlen bei dem Vorschlag des Öko-Instituts und Agora Verkehrswende. Eine Lösung sei auch die Bahncard 100 anstelle des Dienstwagens und eine Ausbezahlung der eingesparten Leasingraten. Dass sich davon viele überzeugen lassen, darf bezweifelt werden. Und dennoch sind die 28 Seiten Wert, gelesen zu werden. Anregungen lassen sich sicherlich entnehmen.

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