Peugeot Polygon Concept: Das Runde wird zum Eckigen

10.07.2026 14:53 Uhr | Lesezeit: 2 min
Die Steer-by-Wire-Technologie ließ sich in der Kartbahn mit einem umgerüsteten 2008 erfahren.
© Foto: Peugeot

Mit der Studie Polygon zeigt Peugeot, wie die Zukunft der Baureihe 208 aussehen soll. Das Kompakt-Gefährt steckt voller neuer Technik – und es kann sogar fahren. Wir haben seine wichtigste neue Eigenschaft auf einer Kartbahn ausprobiert.

Wer genauer hinschaut, erkennt schnell die Familienähnlichkeit. Der Peugeot Polygon (Vieleck) bringt eine ordentliche Portion e-208 mit. Natürlich deutlich weiterentwickelt und mit frischen Design-Details wie der Pixel-Beleuchtung für die drei Lichtbänder aus Mikro-LEDs an der Front und die Heckbeleuchtung versehen. Die riesigen Flügeltüren dürften nächstes Jahr zum Marktstart des neuen 208 in der zweiten Jahreshälfte 2027 eher wenig Chancen auf eine Serien-Umsetzung haben.

Aber sie sind wie immer bei diesem Türkonzept ein attraktiver Hingucker und ermöglichen einen einigermaßen bequemen Zugang zu den Fondsitzen. Insgesamt bezeichnet Peugeot das Design als „katzenhaft“ – darüber kann man geteilter Meinung sein. Aber ziemlich cool und futuristisch kommt der knackige Kleine mit seinen klaren geometrischen Formen schon rüber.


Peugeot Polygon Concept

Ein Hingucker: Der Polygon zeigt viele Details des künftigen 208 – die Flügeltüre schaffen es aber nicht in die Serie. Bildergalerie

Auch das Interieur sprengt gewohnte Vorstellungen. Die Sitze bestehen - inklusive der recyclebaren Polsterung aus einteiligem Formschaum - aus nur wenigen Teilen. Die Windschutzscheibe wird per Mikro-LED-Projektion zum riesigen Bildschirm im 31-Zoll-Format, Displays auf dem Armaturenbrett gibt es nicht mehr. Viele Einzelteile innen und außen lassen sich leicht austauschen, um schnell mal einen frischen Look zu schaffen.

Das gilt auch für das wichtigste Detail im Innenraum: Das gewohnte Runde wird im Polygon Concept zum Eckigen, das Lenkrad mutiert zum sogenannten Hypersquare. Zusammen mit dem neuen i-Cockpit bereitet sein Anblick schon im Stand auf ein ganz spezielles Lenk- und Fahrerlebnis vor.

Peugeot bringt Steer by Wire

Denn Peugeot bringt in seiner Studie und nächstes Jahr im neuen 208 die Lenktechnologie Steer by Wire an den Start. Die ist bislang im Automobilsektor noch sehr dünn gesät. Der jüngst überarbeitete Mercedes EQS ist optional damit zu haben, der Tesla Cybertruck und der Lexus RZ haben sie.

Auch der Infiniti Q50 nutzte diese Technik, bei der die gewohnte mechanische Verbindung zwischen Lenkung und Rädern wegfällt. Die Drehbewegungen am gut zur Hand liegenden Hypersquare werden von Sensoren in elektrische Signale umgewandelt. Die wiederum landen per Kabel (Wire) am Lenkgetriebe.

Das klingt jetzt nicht gerade revolutionär, ist aber in der Praxis durchaus gewöhnungsbedürftig. Denn das Lenkverhältnis hängt von der gefahrenen Geschwindigkeit ab. Der Mensch am Viereck-Lenker konstatiert bei den ersten Runden auf der Cartbahn, dass das übliche Kurbeln auch bei engen Kurven passé ist: Minimale Einschläge reichen, um die Fuhre ums Eck zu zirkeln.

Auch beim Ein- und Ausparken ist Umgreifen kein Thema. Zum Vergleich: Mit Steer by Wire entspricht ein voller Lenkeinschlag gerade mal einer Lenkraddrehung von 170 Grad. Einmal von ganz links nach ganz rechts einzuschlagen erfordert also nur 340 Grad, das erspart das Umgreifen. Bei herkömmlichen Lenksystemen sind drei volle Umdrehungen nötig – also ein Gekurbel von 1.080 Grad.

Peugeot Polygon: Erster Fahreindruck

Studien wie der Polygon sind manchmal etwas sensibel. Und so verweigerte das handgebaute Einzelstück in einer Frankfurter Kartbahn konsequenz den Dienst: Blackout, nichts zu machen. Deshalb musste für erste praktische Fahreindrücke ein mit Steer by Wire ausgestatteter 2008 einspringen.

Auf den ersten Metern damit neigt man aus alter Gewohnheit dazu, viel zu stark einzuschlagen und damit den Stromer munter auf Kollisionskurs mit Hindernissen aller Art zu bringen. Aber nach kurzer Zeit hat man im wahrsten Wortsinn den Dreh raus und bewegt ihn sicher durch den mit reichlich engen Kurven gespickten Kurs. Bei höherem Tempo soll sich das Fahrzeug mit noch deutlich kleineren Bewegungen steuern lassen. Diese Erfahrung ließ sich mit dem teuren 2008-Prototypen allerdings noch nicht machen.

Die Runden auf der Cartpiste hinterließen jedenfalls einen zwiespältigen Eindruck: Muss denn die gute alte Lenkstange wirklich aufs Altenteil geschickt werden? Wir haben uns doch eigentlich über die Jahre je nach Ausführung und Abstimmung ganz gut damit arrangiert. Peugeot setzt aber große Stücke auf die neue Technik, will sozusagen den Markt von unten aufrollen.

Auch, weil die typische junge 208-Kundschaft Neuheiten gegenüber recht aufgeschlossen ist. Man verspricht sich von der Steer-by-Wire-Technologie eine außergewöhnliche Reaktionsschnelligkeit und Präzision bei hohem Tempo, mehr Komfort bei Lenkmanövern und „ein einzigartiges Gefühl von Hyperagilität“. Ob Letzteres bei allen 208-Interessen ganz oben in der Wunschliste steht, muss sich aber erst noch herausstellen. Zur Sicherheit wird deshalb der noch aktuelle 208 mit „normaler“ Lenkung zunächst parallel weiter gebaut.


Peugeot E-208 GTi (2026)

Peugeot 208 GTi Bildergalerie

Klar ist schon jetzt, dass die Studie über die Lenkanlage hinaus einige spannende Zukunftsthemen aufgreift und etwa bei der Materialauswahl, der Zahl der fürs Fahrzeug benötigten Einzelteile, bei Recycling-Anteil und -Möglichkeiten und beim Produktionsaufwand einen großen Schritt macht. Die Individualisierungsmöglichkeiten sind enorm vielfältig, die vielen kleinen Helfer etwa zum Verstauen oder Fixieren von Kleinkram am Armaturenbrett und im Wageninneren sind wirklich praktisch.

Je nach Fahrmodus – „Cruise“, „Fun“ oder „Hyper“ – verändert sich Beleuchtung und Animationen und Animationen. Und mal ganz unabhängig vom ungewohnten Lenkgefühl: Dass die wichtigsten Bedienelemente in vier kreisrunden „Pods“ an den vier Ecken des neuartigen Lenkrads untergebracht sind, dient erkennbar der Fahrsicherheit. Die Hände können zur Bedienung der Funktionen an Ort und Stelle bleiben – und nach kurzer Eingewöhnung damit auch die Augen auf der Straße.

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