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Pflegesektor: Auf dem Prüfstand

Nadine Scheeff ist Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens PQM.
© Foto: PQM

Werden die Möglichkeiten einer Qualitätsprüfung in Pflegeeinrichtungen wirklich vollends ausgeschöpft? Eine kritische Betrachtung von Nadine Scheeff, diplomierte Pflegewirtin.


Datum:
02.03.2022
Autor:
AF
Lesezeit: 
5 min
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Dieser Artikel ist Teil des Autoflotte-Themenspezial "Pflegedienste 2022" - mit freundlicher Unterstützung von Raiffeisen IMPULS Leasing.

Nicht nur aufgrund der jährlich stattfindenden gesetzlichen Qualitätsprüfungen in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen - durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen oder den Verband der Privaten Krankenversicherung - müssen sich die Verantwortlichen in Pflegeeinrichtungen die Frage stellen: Möchten wir ein geschöntes Ergebnis oder nutzen wir die Chance für eine wirkliche Verbesserung unserer Qualität?

Für jeden Auditierer muss sich hingegen die gleiche Frage stellen: Wie erhalte ich ein möglichst wirklichkeitsnahes Bild von der Realität, welches dann zu einer fundierten Bewertung führt?

Chance für die Verantwortlichen

Der aktuell vorgegebene Ablauf der oben genannten gesetzlich verpflichtenden, externen Auditierungen stellt sich im Augenblick häufig wie folgt dar: Die bevorstehende Prüfung wird in der Regel einen Tag im Voraus angemeldet. Für einige genügend Zeit, um in Panik zu verfallen und kosmetische Verbesserungen über Nacht vorzunehmen oder dem externen Qualitätsmanager eine schlaflose Nacht zu verschaffen - der in den vorangegangenen 364 Tagen nicht kontaktiert wurde. In solch einem Fall spielt Qualität eine untergeordnete Rolle. Sie wird irgendwie noch umgesetzt, um im Idealfall den rechtlichen Vorgaben zu entsprechen. Sie dient aber keineswegs positiven Effekten, wie der Erhöhung einer Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit sowie verbesserten Arbeitsbedingungen.

Andere Unternehmen lassen die Qualitätsprüfungen auf sich zukommen und erhalten so eine realistische Abbildung beziehungsweise ein wirklichkeitsgetreues Ergebnis für Ihr Unternehmen. Für sie ist das Gesamtergebnis eine Chance der weiteren Entwicklung und Verbesserung. Hier ist Qualitätssicherung aber höchstwahrscheinlich immer im Fokus und ein fester Bestandteil im Alltag. Dies führt bei solchen Checks nicht zu Überraschungseffekten und Verantwortliche können der Prüfung entspannt entgegensehen.

Führungskräfte betonen hier die positive Einstellung zur Qualitätssicherung auch gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und stärken so die Selbstsicherheit im Team und es finden Maßnahmen weit über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus statt. Ziel muss es sein, Fehler zu erkennen und Optimierungen zeitnah anzugehen.

Werfen wir mal einen kritischen Blick auf die derzeitigen Vorgaben und Praktiken der Überprüfungen auf Basis von Qualitätsprüfungsrichtlinien (siehe auch § 114 SGB XI) in Pflegeeinrichtungen:

Kann eine kurze Betrachtung auf maximal acht bis neun Patienten oder Bewohner von circa zehn Minuten wirklich ausreichend sein, um sich einen Eindruck von der Pflegequalität zu machen?

Ist es möglich mit einem Zeitaufwand von circa einer Stunde, für die Pflegedokumentation und Abrechnung, ein Abbild von der Prozessqualität zu schaffen?

Praxistipps für Einrichtungen

Der Weg zu einem sehr guten Prüfungsergebnis beginnt mit der Schulung der Führungskräfte und den Mitarbeitern zu den Prüfkriterien und möglichen Abläufen. Wichtig ist die Reflexion der eigenen Einstellung zu den Themen Qualität, Schulung und Führung. Die gegebenenfalls extern geforderten Gesamtrichtlinien sollten in ein auf das Unternehmen zugeschnittenes Qualitätsmanagementsystem integriert werden. Der Aufbau einer nachhaltigen Struktur- und Prozessqualität macht bei einer Prüfung deutlich, dass die einzelnen Inhalte (Prozessabläufe, Dokumente, Checklisten, Standards, Protokolle ...) umgesetzt werden.

Für das Erreichen eines sehr guten Prüfungsergebnisses ist dies entscheidend, da es weitreichende Auswirkungen auf eine beständige Ergebnisqualität hat. Jede Form von Qualitätsprüfungen kann und sollte als Chance gesehen werden, frei nach dem Motto: "Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein." (Philip Rosenthal, Unternehmer, 1916). Gerade für Unternehmen im Gesundheitswesen kann ein Qualitätsdefizit Auswirkungen auf die Gesundheit und Lebensqualität von Menschen haben. Das wiederkehrende Hinterfragen der eigenen Abläufe - auch durch Externe - kann der Betriebsblindheit entgegenwirken und zur Entlastung und Unterstützung der Führungsebene führen.

Fazit für prüfende Personen

Es wäre wünschenswert, wenn auditierende Personen Mitarbeiter im realen Alltag begleiten, Strukturen und Prozesse dabei praxisnah kritisch hinterfragen und direkt Empfehlungen geben. Dieses Vorgehen ist aus anderen Branchen bekannt und ist dort Standard wie in der Autoindustrie. Die prüfende Person kann so die tatsächliche und ungeschönte Arbeitsweise und Qualität der einzelnen Mitarbeiter im Umgang mit den Kunden beurteilen. Der in der Pflege vorgeschriebene Maßnahmenplan, der alle notwendigen pflegerischen und betreuerischen Tätigkeiten aufzeigt, kann so unter realen Bedingungen in der Umsetzung geprüft werden. Für die schwarzen Schafe der Branche dienen diese leider nur der Fassade, haben aber im Alltag keine Relevanz und die scheinbare Ergebnisqualität ist oft ein Zufallsprodukt. Die Guten wiederum, die sich rund um die Uhr mit einer sehr guten Versorgungsqualität aufmerksam kümmern, aber wegen einer unzureichenden Dokumentation bei einer externen Prüfung negativ auffallen, erhielten eine positive Bestätigung für ihre sehr gute Arbeit.


Nadine Scheeff ...

... ist Diplom-Pflegewirtin mit 24 Jahren Erfahrung im Pflegesektor. Seit 2004 ist sie Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens PQM. Sie schult mit Herz und Verstand Führungskräfte sowie deren Mitarbeiter zu den Themen Qualitätsmanagement, Qualitätsprüfungen, Pflege, Mitarbeiterführung und allen Fragen rund um das Gesundheitsmanagement.
www.pqm.li




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