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Rolls-Royce Designer: Der exklusivste Job der Autowelt

Der Designer Alex Innes ist bei Rolls Royce für die exklusiven Einzelanfertiungen zuständig.
© Foto: Rolls-Royce

Vier Autos in einem knappen Jahrzehnt: Als Coachbuilding-Designer für die exklusivsten Fahrzeuge von Rolls-Royce hat Alex Innes den außergewöhnlichsten Job seiner Zunft – und einen mit Zukunft.


Datum:
16.01.2023
Autor:
Peter Weißenberg/SP-X
Lesezeit:
6 min
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Wer in diesen Tagen auf einem der großen Job-Portale nach einer Anstellung als Auto-Designer sucht, der findet gleich ein paar Dutzend Offerten, meist von Zulieferfirmen der Branche. Infotainment-Oberflächen, Tasten und Schalter oder Frunk-Abdeckungen: Das sind so die Inhalte, mit denen sich die aufstrebenden Gestalter in den kommenden Jahren befassen dürfen. Als einziger Hersteller im Portal sucht BMW zudem eine Kreativkraft, die Display-Grafiken aufhübschen soll. Aller Anfang ist eben schwer – und manchmal auch lange, lange, langweilig, bis es irgendwann ans Gestalten eines Autos geht.

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Außer für Alex Innes: Der Brite kann auch heute, 14 Jahre nach Antritt des ersten Jobs, sein Glück nicht so recht fassen: "Ich war einfach zur rechten Zeit am rechten Ort." Und dieser Ort, er heißt Rolls-Royce. Noch als Auto-Design-Student an der Uni Coventry konnte der Anfang-Zwanziger in mehreren Gesprächen die Partner von seinen Ideen überzeugen. "Die Marke sollte mutiger, jünger, emotionaler werden", sagt Innes – und sicher auch ein paar mehr als die damals 500 Fahrzeuge im Jahr verkaufen.

Der jungenhafte Bewerber verkörperte da offenbar als Mensch genau das, was die Autos selbst noch werden sollten. Anzugjacke aus edlem Stoff, aber auch Leder-Armband, Smartwatch, T-Shirt und Dreitagebart: Das war nicht die Welt der ehrfurchteinflößenden Kathedralen vom Schlag eines Phantom im Jahr 2008 – aber genau die Welt der neuen Kundengeneration in Kalifornien, China oder Arabien. Und für die brauchte die Marke aus dem BMW-Konzern ein Gesicht.


Rolls-Royce Designer Spezialkarossen

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Rolls-Royce: Verzehnfachung der Verkaufszahlen

 Zu dem Rolls-Royce von heute mit dem sportlichen Zweitürer Wraith, dem Cabrio Dawn oder dem SUV Cullinan passt der drahtige Designer Innes schon eher; erst recht zu Statements wie den tiefschwarzen "Black Badge"-Ausführungen. An all diesen neuen Rolls hat der 37-Jährige an der ein oder anderen Stelle mitgearbeitet – und fast schon ironischerweise zeitgleich zur damit verbundenen Verzehnfachung der Verkaufszahlen bei den exklusivsten Fahrzeugen der ganzen Palette: den Einzelanfertigungen. Bei denen wird sogar die Karosse neugestaltet. Made by Alex Innes, dem Head of Coachbuilding. In den kommenden Jahren sollen viele solcher Unikate entstehen.

Es gibt einen "Sweptail" und drei "Boattail": Nur vier Fahrzeuge sind bisher mit diesem höchsten Aufwand für besondere Kunden von Grund auf entworfen worden. Weniger wegen der zweistelligen Millionensumme, die ein solches Unikat den Besitzer kostet. Geld ist ja meist kein Problem bei der edlen Kundschaft, die einen Rolls will – und für Mahagoni-Wurzelholz, Echtgold-Applikationen, eingebaute Bars, Porzellan-Intarsien, Waffenschränke oder rollende Kinosäle auch im Serien-Rolls locker noch mal Hunderttausend Euro auf die Kaufpreise drauflegt.


Rolls-Royce Spectre

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Designergebnis muss Kunden und Rolls-Royce gefallen

Ein völlig neues Blechkleid ist dagegen ein Wunsch, den auch Rolls-Royce nicht jedem erfüllen mag: "Alle Autodesigner müssen ja antizipieren, was die Verbraucher in vier oder fünf Jahren wollen werden. Ich kann es nur eben Hand in Hand mit dem Auftraggeber machen; fast wie ein Architekt beim Bau einer Villa." Das Ergebnis soll aber dann eben genauso zum Kunden wie auch zum Zukunftsbild von Rolls-Royce passen. "Wir suchen daher Menschen, die tief verbunden sind mit der Marke", erklärt Innes den besonderen Aufwand, den jeder andere Hersteller bisher meidet.

Seine ersten Dialogpartner auf der Suche nach der besonderen Gestalt sind die Teilnehmer des "Whisper"-Programmes. Die weltweit rund 120 Rolls-Flüsterer bekommen ohnehin schon regelmäßig früher zu sehen, wohin die gestalterische Reise bei den Briten gehen soll. Und nicht wenige der Menschen, die oft schon ein paar Produkte aus Goodwood in den eigenen Parkhäusern haben, bringen dabei ganz eigene Ideen ein. Vom Karbon-Klapphocker im Heck bis zum Schwung der Kotflügel.


Rolls-Royce Phantom (2022)

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Weniger Protz, mehr "post-opulent" gibt Innes da die Linie der Marke vor, greift solche Ideen auf, setzt sie in Zeichnungen am Whiteboard oder auf dem Tablet und Modellen in Ton um – und schließlich in eine ganz eigene Gestalt des Traum-Fahrzeugs. "Da inspiriert mich sicher auch meine Begeisterung für Architektur und Schiffsbau", sagt der Designer.

Etwa beim Boattail: Das klassische Heck einer edlen Segelyacht der J-Klasse spiegelt die Vorlieben der typischen Rolls-Kundschaft wider – aber erinnert auch an Fahrzeuge des Herstellers aus den Goldenen Zwanzigern. "Es ist uns ja wichtig, an solche Autos aus unserer Historie anzuknüpfen", sagt Innes. Die Marken-Geschichte ist schließlich ein Wert, den neue Wettbewerber aus Asien oder den USA nicht kopieren können.

Aber natürlich ist der Erfolg der Zukunft ohne Elektrifizierung und digital vernetzte, autonom fahrende Autos auch bei Rolls-Royce nicht denkbar. Die Tage des Zwölfzylinder-Gebirges unter der Motorhaube sind gezählt, mit dem Spectre steht auch in Goodwood das erste Elektro-Auto vor der Serienproduktion. Karosseriedesigner Innes freut sich auf "deutlich weniger Beschränkungen für uns Designer."


Rolls-Royce Ghost Extended (2021)

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Rolls-Royce kehrt zu seinen Wurzeln zurück 

Gewissermaßen könne die Marke damit zu ihren Wurzeln zurückkehren. Denn 1903 begann Henry Royce zunächst nur damit, Rahmen, Motor, Getriebe, Achsen, Bremsen und Rädern herzustellen – und den tempelartigen Kühlergrill nebst "Spirit of Ecstasy"-Figur obendrauf. Die Chassis brachten die Kunden dann zu Karosseriebauern, die darauf das Blechkleid, Sitze, Innenverkleidung, oder Armaturenbrett aufsetzten. Innes sagt, dass die skateboardartigen Elektro-Aufbauten nun ähnliche Arbeitsverteilung wieder möglich machen. Und seine Mannschaft soll dabei die Aufgaben des externen Karosseriers der Vergangenheit übernehmen.

Die neuen Zeiten verlangen allerdings bei aller Individualisierung weiterhin die üblichen Freigaben durch Zulassungsstellen rund um die Welt – und damit eine enge Verbindung zu den Ingenieuren im Mutterkonzern BMW. Wohl auch ein Grund, warum Innes gerade mit der Frau und den beiden Töchtern nach München umgezogen ist.

Denn die Grundlagen wie Crash-Strukturen, Software oder Antriebsstrang sind selbst für den kreativsten Designer und seine Edel-Kunden Tabu. Da hat es für ein technisches Basis-Modell seiner Kreationen wie gegenwärtig etwa dem Phantom bereits einmal eine weltweite Freigabe bei den Behörden gegeben – und an dieser Konfiguration darf nicht gerüttelt werden. Mit der auch räumlich engeren Anbindung an die Entwickler im Konzern kann Innes sein Verständnis für die Rahmenbedingungen noch erhöhen. Leidet da die kreative Freiheit? "Das werden schon die Kunden verhindern", sagt Innes – und strahlt dabei wie ein Glückskind im Schlaraffenland. "Das ist eines der erfreulichsten Dinge am Karosseriebau – wir können alles verwirklichen." Also fast.

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