Leasingrückgabe: Wie Zahnarzt, aber schmerzfrei

16.01.2026 05:31 Uhr | Lesezeit: 5 min
Der Cupra Born der Tecvia Media GmbH wurde von 17 Menschen innerhalb der drei Jahre Leasingzeit bewegt.
© Foto: Michael Blumenstein

Am Ende der Leasingzeit steht er an, die Fahrt zum Gutachter. Sie ist ähnlich beliebt wie die zum Zahnarzt. Doch bei beiden lässt sich im Vorfeld einiges „regeln“.

Beim Zahnarzt ist es einfach: Wer putzt, gewinnt. Allerdings regelmäßig und gründlich – Zahnseide hilft angeblich zusätzlich. Beim Leasingauto ist es ähnlich: Wer pflegt, gewinnt – oder zahlt am Ende nicht drauf. Kleine Kratzer und Macken lassen sich nach drei Jahren und 75.000 Kilometern meist nicht vermeiden. Dafür gibt es dann im Leasingvertrag auch den Begriff „altersgerechter Zustand“. Kleine Kratzer, ein paar Steinschläge an der Front, Abnutzungen an den Türeinstiegsleisten und andere Gebrauchsspuren gehören dann einfach dazu und sind „inkludiert“.


Leasingrückgabe-Tipps

Leasingrueckgabe_Cupra_Born Foto des Fahrzeugs in Heckjansicht Bildergalerie

Leasingrückgabe wird mit Spezial-Equipment gemacht

Doch welche Macken sind bei der Leasingrückgabe monetär relevant? Ein Blick in den Schadenkatalog des Leasinganbieters gibt darüber Auskunft. Wer es genau wissen will, liest diesen – machen viele Leasingnehmer aber nicht. Das merkt dann der eine oder andere bei der Rückgabe. Dann, wenn der Gutachter, der von den Leasingfirmen beauftragt wird, mit Spezialequipment den Leasingrückläufer inspiziert. Mit speziellem Deckenlicht, Zebra-Reflektor, Unterbodenfotografie, Lackdichtemessgerät und anderen technischen Utensilien, die jede Kleinigkeit aufzeigen, die man selbst zuvor nicht einmal erahnt hätte. Selbstverständlich wird das meiste davon nicht als wertmindernd eingestuft.

Wie genau so eine Rückgabe aussieht, wollte Autoflotte wissen und auch miterleben. Wir haben daher beim Tüv Süd angefragt, ob wir nicht mit unserem Leasingfahrzeug, dem Cupra Born (hier geht es zum Dauertest des Cupra Born), am Ende seiner Laufzeit nach drei Jahren, eine „Abrechnung“ zusammen machen können. Eine von mehr als 500.000, die der Tüv Süd jedes Jahr an rund 50 eigenen Standorten in Deutschland durchführt und zusätzlich in Autohäusern und an anderen Rückgabestellen.

Unkompliziert wurde ein Termin in Schöneck, nahe Frankfurt, abgestimmt. Mit dabei sind Benjamin Schilling, Head of Business Line Remarketing Deutschland, Daniel Schnitzler, Teamleiter Zentrale Produktion Region West, und der wichtigste Mann, Julian Kubik, Teamverantwortlicher Business Line Remarketing, alles sind vom TÜV Süd. Julian Kubik ist der, der sich unseren Poolwagen ganz genau ansieht und die Liste der Mängel erstellt. Und das sind auch drei der Herren, die sich mit rund 200 weiteren Kollegen um das Thema Leasingrückläufer oder, vollumfänglicher, Remarketing, kümmern. Damit tragen sie einen niedrigen einstelligen Prozentbetrag zum Gesamtumsatz des Tüv Süd bei. 2024 lag der bei etwas mehr als 3,4 Milliarden Euro. Insgesamt arbeiten beim Tüv Süd knapp 30.000 Menschen.

Die Leasingrücknahme dauert selten länger als 30 Minuten

Wir legen also los. Unser Cupra Born (Dauertest siehe im Anschluss) summt lautlos in die Prüfhalle, in der eine Menge weiterer Rückläufer stehen. Auf die Frage, wie lange das dauert, sagt Julian Kubik entspannt: „Selten länger als 30 Minuten“, und fängt direkt an. Sämtliche Fahrzeugdaten sind bereits in der Tablet-Anwendung hinterlegt, also Kennzeichen, Fahrgestellnummer und beispielsweise Ausstattung. Jetzt wird vermerkt, ob der Wagen trocken oder nass ist, und sein allgemeiner Zustand. Einige Leasinganbieter verlangen eine kurze Testfahrt auf dem Gelände, bei uns ist diese nicht vorgesehen. Wichtig ist jedoch immer: Stimmt der Fahrzeugschein mit der Fahrgestellnummer des Fahrzeugs überein und auch mit der hinterlegten im Tablet. Das Tablet ist Universalwerkzeug für Kubik und seine Kollegen und damit auch Fotoapparat. Klick, Foto, Fahrzeugschein und Serviceheft (digitaler Servicenachweis) werden zusammen mit den beiden Schlüsseln fotografiert, von denen einer aufgrund einer leeren Batterie nicht mehr tut.

Sanft streicht Julian Kubik übers Lenkrad. Was für Außenstehende nach Liebe zum Auto aussieht, hat einen profanen Hintergrund: Ist das Leder oder der Kunststoff am Volant verschlissen oder gerissen? „Das spürt man sofort mit der Hand, ohne hingucken zu müssen“, erklärt Kubik seinen Handstreich. Beim Born ist alles paletti. Apropos „veganes Leder“, wie der Kunststoff ebenso liebevoll von den Marketingabteilungen der Autohersteller benannt wurde. Hier gibt es keinerlei Verschleiß-Vor- oder -Nachteile im Vergleich zum echten Leder, bestätigt der Profi. Jetzt noch kurz die Restlaufzeit bis zum nächsten Service im Infotainmentsystem checken und gut ist. Hat bei uns kaum einer der knapp 20 Fahrer den versteckten Kilometerstand im Born auf Anhieb finden können (für den Fahrtenbucheintrag), flippern die Finger von Kubik über den Touchscreen und es werden 399 Tage angezeigt, passt also. Ebenso wichtig: Ist die HU frisch? Nach drei Jahren ist die erste HU fällig. Diese sollte vor der Rückgabe gemacht werden, denn sonst kostet das (verständlicherweise) extra. Unser Bapperl ist gelb, damit neu und bis Oktober 2027 gültig.

Kleinste Schäden am Leasingauto sieht der Profi sofort

Julian Kubik ist etwas festgefahren. Eine Eigenschaft, die bei den meisten Jobs zum Nachteil gereicht, wird beim Gutachter zum wahren Vorteil. Er kümmert sich nämlich primär um die Marken Seat, Škoda, VW, … Früher hätte man VAG gesagt. Somit kennt er die typischen Schwachstellen der Fahrzeuge und die Ecken, die stärker beansprucht werden, und entscheidet mit geschultem Blick zwischen regulärer Abnutzung und Wertminderung.

Der Passagierraum sieht bei unserem Cupra Born tadellos aus. Innenraum, Sitze und Türverkleidung sind frisch. Doch Kubik weiß eben, wo er genauer hinsehen muss. Schwachstelle des Born: Der kratzempfindliche Kunststoff an der Innenseite der Heckklappe. Alles, was daran „schubbert“, hinterlässt nachhaltige Spuren – ja, auch ganz profane Reisekoffer. Katsching, macht bei uns 128 Euro plus 4 AW (Arbeitswerte). Die Zeitwerte und Ersatzteilpreise werden direkt im Tablet angezeigt und mit ins Protokoll übertragen. Beispielwese Audatex liefert die entsprechenden Informationen.

Außen geht es weiter. Bekannt sind uns die hässlichen Kratzer in zwei Felgen. Wer glanzgedrehte 20-Zöller bestellt, braucht sich am Ende nicht zu wundern, wenn die nicht nur beim Neukauf horrend teuer sind, sondern auch im Unterhalt (Reifen) und im Nachgang (Wertminderung oder Ersatz) Extrakosten verursachen. So auch bei uns. Zwei Felgen werden moniert (Foto), zudem der Reifen vorn links mit passender Schnittverletzung. Der Bordstein war schuld, nie der Fahrer. Der Pneu muss vor dem Verkauf getauscht werden. Da die Sommerreifen mit jeweils fünf Millimetern (oder sogar etwas mehr) Profiltiefe gesegnet sind, muss nicht gleich achsweise erneuert werden. Dennoch kosten uns die 20-Zöller am Ende 615 Euro extra.  Die Abnutzung unserer Pneus entsprach übrigens in etwa der bei Verbrennern. Dass E-Autos einen höheren Verschleiß haben, ist (fahrzeugabhängig) eine Mär. Beschleunigungsorgien an Ampeln und Autobahnauffahrten kosten Gummi, that‘s it. Wer an den Stellen „normal“ agiert, hat normalen Verschleiß. Das sehen wir hier beim Cupra Born und beim zuvor genutzten VW ID.3 (hier geht es zum Video unseres ID.3-Dauertests)und Hyundai Ioniq 5 (hier geht es zum Video unseres Ioniq 5-Dauertests), die alle die Redaktions-Poolfahrzeug-Hölle durchfahren mussten.

Prüfung der Lackdichte auf dem Dach des Cupra Born mit speziellem Messgerät
Mit einem speziellen Lackdichte-Messgerät prüft Julian Kubik, ob am Cupra Born an der Karosserie "rumgearbeitet" wurde.
© Foto: Michael Blumenstein

Lackdichtemessgerät, Zebra-Reflektor, Unterbodenkameras: Die Leasingrücknahme ist Hightech

Weiter geht es mit der Karosserie und den Anbauteilen. An der Ladekante zum Kofferraum ist ein dicker Kratzer, für uns normale Abnutzung vom „Einladevorgang“, für den Schadenkatalog unseres Leasinggebers nicht. Auslegen, lackieren, 6 AW, macht rund 70 Euro – Schwamm drüber. 1 AW sind übrigens sechs Minuten, alles ganz klar geregelt. Wen es interessiert, der sollte mal in den jeweiligen Schadenkatalog des Leasinganbieters schauen – das ist interessant und es gibt durchaus Abweichungen. Am Ende kommt aber oft ein ähnlicher Wert heraus.

Weiter geht es an der Front. Hier sandstrahlt das Leben, sprich: die Autobahn, den Lack. Bei einem nicht schnell fahrenden Elektroauto naturgemäß weniger als bei einem „roten Hilti-Passat“. Gehört aber dazu und wird meist nicht angekreidet. Parallel drückt Kubik immer mal wieder das Lackdichte-Messgerät auf den „Vapor Grey“ lackierten Born. Die Messwerte? „Zwischen 100 und 130 μm, typisch im Volkswagen-Konzern, alles im grünen Bereich“, bestätigt er die Unversehrtheit der lackierten Flächen. Nichts wurde fachmännisch oder unfachmännisch repariert und vertuscht. So sind sich die Tüv-Süd-Spezialisten auch einig: Smart Repair ergibt selten Sinn bei einem Leasingfahrzeug. Gerade bei glanzgedrehten Alufelgen sollte man nichts reparieren. „Wir erkennen das und dann ist eine neue Felge fällig.“ Warum? Weil man nicht in die Felge „hineingucken“ kann und nicht sieht, wie massiv der Schaden war und wie dieser repariert wurde. Das Risiko ist zu groß.

Leasingrücknahme: Oft müssen rund 1.000 Euro nachgezahlt werden

Weiter geht es außen: Kleiner Harz-Rest auf der Motorhaube: Macht nichts, Gebrauchsspur. Besser so lassen, als mit dem falschen Schwamm oder ätzender Reinigungsflüssigkeit die Motorhaube zu malträtieren. Die feinen Kratzer am Dach des Cupra Born kommen vom Kollegen, der den Stromer netterweise zuletzt leasingrückgabetauglich ausgesaugt hat. Doch der Schlauch vom öffentlichen Staubsauger hat auf dem Dach nichts zu suchen. Zum Glück ist das so sanft, dass die Aufbereitung es vermutlich spurlos entfernt. Nicht spurlos entfernbar – ohne Kosten zu verursachen – ist die kleine Delle am hinteren linken Radlauf, verursacht durch die Tür eines Parknachbarn. Mit 44 Euro aber überschaubar. Zu guter Letzt ist noch am Dachholm rechts hinten ein Kratzer: Auslegen, polieren, abermals 44 Euro. Das war es außen. Die kleine Macke am Diffusor (Foto oben) geht als Gebrauchsspur durch und wird wohl keinem der potenziellen Gebrauchtwagenkunden auffallen.

Weiter geht es im Motorraum. Warum? Weil auch da einiges passieren kann. So hatte sich während unserer Leasingzeit mal ein Marder in den Cupra Born verliebt und ihn angeknabbert. Kühlmittelverlust war die Folge und 800 Euro Reparaturkosten. Eventuell war es derselbe, der die Dämmelemente an der Stirnwand weggefressen hat. Das Thema kennt auch Benjamin Schilling und weiß, warum Marder daran herumknabbern. „In den Dämmmaterialien und manchmal auch in Kühlmittelschläuchen wird ein Kunststoff verwendet, der wohl einen „fischähnlichen“ Geruch für die kleinen Tiere hat.“ Eine 30 Euro teure Mahlzeit, die eventuell gut geschmeckt hat, aber vermutlich schwer- verdaulich und nicht nahrhaft war.

Julian Kubik, Benjamin Schilling und Daniel Schnitzler sind sich unisono einig, dass unser Cupra Born in einem überdurchschnittlich guten Zustand ist. Gerade unter dem Gesichtspunkt, dass der Kompakt-Stromer von knapp 20 unterschiedlichen Menschen bewegt wurde. Und dennoch beläuft sich die Tüv-Süd-Berechnung am Ende auf eine Nachzahlung von rund 900 Euro (alles Nettopreise). Jedoch sind wir damit wieder ziemlich exakt bei dem Wert, der unseren Erfahrungen nach bei einer Leasingrückgabe „im Schnitt“ fällig wird. Nicht positiv angerechnet sind hierbei die 18.000 Minder-Kilometer, die der Born „zu wenig“ gefahren wurde. Warum so verschätzt? Lesen Sie auf den kommenden Seiten. So ist das Ende irgendwie auch wie beim Zahnarzt: Im Nachgang betrachtet war es gar nicht so schlimm.


(Leasingrückgabe-)Tipps

  • Nicht rauchen (grundsätzlich und speziell im Leasingauto)
  • Alle Fahrzeugschlüssel, Laderaumabdeckung, Trennnetz, Borddokumente und Ladekabel ins Auto
  • HU/AU vor Rückgabe durchführen
  • Inspektion zuvor erledigen (wenn sehr bald fällig)
  • Eventuell Reifen frühzeitig ersetzen, wenn Restprofil gering
  • Auto gründlich waschen
  • Innenraum saugen und Flecken entfernen
  • Scheiben innen und außen mit Glasreiniger säubern
  • Fahrzeug (je nach Alter und Zustand) polieren
  • Akku/Kraftstoff auffüllen (Vertragsdetails lesen)
  • Unter Umständen „Leasingrückgabe-Vorabbegutachtung“ anfertigen lassen
  • Gegebenenfalls fachmännische Vorabreparatur von Schäden durchführen lassen



(Leasingrückgabe-)Flops

  • Alufelgen reparieren lassen
  • Reifenbeschädigungen reparieren lassen
  • Größere Macken (nicht fachmännisch) ausbessern (smart repair)
  • Jede Kleinigkeit mit Lackreiniger und Politur „vertuschen“
  • Generell: Beim Saugen nicht den Schlauch übers Dach ziehen
  • Generell: Ladekabel bei Steckerautos nicht über Motorhaube oder Dach zum Ladeanschluss legen (Kratzergefahr)


HASHTAG


#Leasing

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