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Torsus: Dieser Typ kommt wirklich überall hin (und durch)

© Foto: Torsus

Echte Geländefahrzeuge, die auch echte Transportaufgaben erledigen können, gibt es wenige. Torsus ist ein Hersteller, dessen zwei Modelle auch da noch weiterfahren, wo deren Piloten in den Streik treten.


Datum:
14.11.2022
Autor:
Michael Blumenstein/Autoflotte
Lesezeit:
4 min
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The world’s toughest, heavy duty busses. So begrüßt einen die Website von torsus.eu. Wir surfen aber nicht nur auf der Website von Torsus, sondern treffen uns mit dem Chef, Vakhtang Dzhukashvili, live. Wir befinden uns in Prag, dem Firmensitz von Torsus, und wollen ein bisschen mehr über die Marke herausfinden, die Fahrzeuge für Transportaufgaben in den härtesten Regionen der Erde herstellt und bei uns noch weitgehend unbekannt ist.


Torsus Geländefahrzeuge

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Torsus: Spezialfahrzeuge für NGO

Vakhtang Dzhukashvili stammt aus der  Ukraine. Der nicht einmal Vierzigjährige hat an der Kiewer Uni seinen Abschluss in BWL gemacht und begann seine berufliche Laufbahn bei Aerosvit Airlines, einer ukrainischen Luftfahrgesellschaft. 2008 gründete Dzhukashvili mit Yuliya Khomych Pulsar Expo. Heute würde man Mobilitätsanbieter sagen, denn gestartet ist Pulsar Expo unter anderem mit dem Flottenverkauf von Automobilen der Marken Skoda, Honda, VW, Renault und Kia. 2012 begannen sie mit dem Umbau von Fahrzeugen, zugeschnitten auf die Spezialanforderungen beispielsweise von Behörden und NGO.

Da laut Dzhukashvili dieses Geschäft immer größer wurde und immer speziellere Fahrzeuge nachgefragt wurden, entstand in seinem Kopf bereits im Jahr 2014 die Idee von Torsus. Denn neben den Fahrzeugen für Polizei, Krankentransport und Militär wurde von Kunden oft auch die Möglichkeit von Fahrzeugen für den Personentransport in unwegsamem Gelände gewünscht. Klar gab und gibt es Hersteller, die das bereits machen, aber aus Sicht von Dzhukashvili werden die Anforderungen nicht immer perfekt erfüllt. Es dauerte noch fast drei Jahre, bis aus der Idee die Submarke Torsus entstand, ein Hersteller von Spezialbussen- und transportern für den wirklich harten Geländeeinsatz.


Ineos Grenadier (2022)

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Torsus: MAN als Basis

Einfach war es nicht, eine geeignete Basis für die Fahrzeuge zu finden. Denn klar war, dass eine komplette Eigenkonstruktion keinen (wirtschaftlichen) Sinn ergeben würde. Man suchte also nach Partnern, die nicht nur eine solide Basis bieten, sondern auch ein Händlernetz besitzen, das die Region „Welt“ in etwa abdeckt – denn das war und ist der Zielmarkt. Schnell kristallisierte sich heraus, dass zwei Anbieter dafür infrage kommen würden. Beide aus dem süddeutschen Raum. Jedoch waren die des weiter westlich ansässigen Herstellers preislich fernab der Realität, weshalb man sich bei Torsus für MAN entschied. Und damit bis heute glücklich ist.

Torsus hat die Geschäfte mittlerweile in die Tschechische Republik verlegt, allerdings bereits lange vor Februar 2022. Produziert werden die Spezialteile in vielen Ländern, alle Torsus entstehen jedoch in der Nähe von Bratislava, in der Slowakei. Mittlerweile arbeiten rund 100 Personen für Torsus.


VW Amarok (2. Generation)

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Torsus Terrastorm

Zwei Modelle bietet Torsus an. Den kleinen Terrastorm, der auf dem MAN TGE basiert, gibt es in drei Grundausführungen: „Peo-ple Transportation“ ist, wie der Name vermittelt, ein Offroad-Bus, der bis zu 16 Passagiere befördert. Im „Rescue“ spiegeln sich hingegen all die Vorteile eines modernen Krankenwagens wider und zusätzlich die Offroad-Fähigkeit, um auch dort retten zu können, wo Fahrzeuge sonst nicht hinkommen. „Cargo“ nennt sich die Variante, deren Ausbaupotenzial schier grenzenlos ist. Preislich der Einsteiger, deckt diese Version vom klassischen Kastenwagen bis hin zum Offroad-Camper alles ab, was benötigt oder gewünscht wird.

Der Terrastorm ist serienmäßig als sechs Meter lange Hochdach-Version (2,68 Meter) mit 4-Motion-Allradantrieb und 2-Liter-Diesel mit 177 PS zu haben und startet bei 74.350 Euro. Eine Langversion mit einem Plus von 84 Zentimetern bietet Torsus ebenfalls an. Neben dem Handschaltgetriebe gibt es für 2.000 Euro Aufpreis eine Achtstufenautomatik.
25 Zentimeter Bodenfreiheit sind ebenso selbstverständlich wie ein an die Anforderungen angepasstes Fahrwerk mit Edelstahlunterfahrschutz-Elementen unter Motor, Getriebe und Hinterachs-Differenzial. Spezielle Felgen und All-Terrain-Reifen sowie verbreiterte Radhausverkleidungen aus Kunststoff runden das Robust-Paket ab und geben dem Terrastorm einen schier unverwüstlichen Look. Die Luftansaugung erfolgt in jedem Fall über einen Schnorchel. Torsus gibt eine Garantie von 500.000 Kilometern oder fünf Jahre auf den Antriebsstrang – egal, wo der Wagen bewegt wird.


Ford Ranger Raptor (2023)

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Torsus Praetorian ab 230.000 Euro

Ein paar Nummern größer ist der „Prätorianer“. Was im Imperium Romanum zur kaiserlichen Leibwache gehörte, stellt heute bei Torsus das Urmodell dar, das ständig weiterentwickelt wird und bei unserem Besuch in der Kiesgrube nahe Prag vor uns stand.
Dabei wirken die schlichten Zahlen von 8,74 Meter Länge, 3,62 Meter Höhe, 40 Zentimeter Bodenfreiheit und 13,5 Tonnen Gesamtgewicht lange nicht so imposant wie das Allrad-Tier selbst, wenn man direkt davorsteht. Genau in diesem ersten Moment merkt man, dass der Praetorian auch für eine andere Welt taugen soll und oft auch taugen muss. Unwirtliche Gegenden sind tagtäglich sein Metier.

Torsus hat auch diesen Lkw in Personentransporter, Rettungswagen, Universal-Grundmodell (aus dem „alles“ gemacht werden kann) und Special Operations unterteilt. Der letztgenannte fungiert bereits als Kommandozentrale für Spezialeinheiten und einige Torsus-Modelle sind derzeit auch in der Ukraine im (humanitären) Einsatz unterwegs. Wir „begnügen“ uns mit der Bus-Version. Diesen „sandy“-beigefarbenen Praetorian pilotiert Offroad-Profi Ladislav Czukas behände durch die Kiesgrube. Das Fahrzeug ist bereits verkauft, wie jedes Modell, das die Werkshallen verlässt. Zu individuell sind die Kundenbedürfnisse. „Unser“ Praetorian ist mit ungarischem Kurzzeitkennzeichen ausgerüstet und geht nach den Fotoaufnahmen in die Emirate. Dass der Bus mit dem richtigen Piloten dort hingelangt, wo er hinsoll, und mit ihm 34 Personen, steht außer Frage. Die Idee von Dzhukashvili, der Russisch und Ukrainisch als Muttersprache angibt, war ja auch, einen Bus zu kreieren, in dem beispielsweise ein Trupp Minenarbeiter auch in entlegenste Abbaugebiete gelangen kann, ohne dass teure Helikopterflüge nötig werden.

Klar, teuer ist auch ein Praetorian, dessen Preis als Bus-Version bei 230.000 Euro startet. Zum Relativieren hat Torsus auf der Website einen TCO-Rechner installiert, bei dem die individuellen Parameter, die das Fahrzeug leisten soll, eingegeben werden können und am Ende neben den Kilometerkosten auch eine Zahl rauskommt, die die potenziellen Gesamteinnahmen während der Nutzungsdauer darstellt.

Wer die Suchmaschine im Internet bemüht, stößt recht bald auf einen Anbieter, der mit dem Praetorian den Vulkan Ätna auf Sizilien erklimmt. Der Trip kostet laut Anbieter pro Person mindestens 89 Euro. Bei einer konservativ gerechneten Auslastung von 50 Prozent über 365 Tage bedeutet das Einnahmen von 560.000 Euro im Jahr. Da amortisiert sich ein Praetorian recht schnell. Zudem gibt es Vertrauen, wenn Torsus sechs Jahre oder 900.000 Kilometer Garantie auf den Antriebsstrang des Praetorian gewährt. Die Wartung und auch eventuelle Reparaturen können – wie beim Terrastorm – bei jedem der weltweit mehr als 1.000 autorisierten MAN-Partner durchgeführt werden. Und dass obwohl rein optisch nichts mehr an einen MAN TGM erinnert.

Torsus: 300 Liter Diesel im Tank

Um das verstärkte Chassis und den serienmäßigen 6,9-Liter-Turbosechszylinder-Diesel baut sich ein ultrarobuster Kunststoff-Stahlbügel-Aufbau herum. Dieser ist dafür ausgelegt, auch bei einem Überschlag die Insassen zu schützen. Dreipunkt-gurte können auf Wunsch ebenfalls bestellt werden. Serienmäßig gibt es eine Bodenfreiheit von 40 Zentimetern (34 Zentimeter unter den Achsen), eine Wattiefe von 68 Zentimetern und eine Geländegängigkeit, die wohl nur vom Unimog übertroffen wird. 290 PS und 1.150 Newtonmeter Drehmoment sorgen in Kombination mit dem automatisierten Zwölfgang-Getriebe von ZF fürs Vorwärtskommen, bis maximal 100 km/h, dann wird elektronisch abgeregelt. Sperren stellen auch bei absurder Bodenbeschaffenheit sicher, dass der Praetorian weiterkommt.

Der 300-Liter-Dieseltank reicht – je nach Einsatzort – für deutlich mehr als 1.000 Kilometer. Abhängig von der Region, in die er ausgeliefert wird, gibt es die Version mit Adblue (35 Liter) und eine ohne, für die Gegenden, in der Abgasnormen noch nicht so wichtig sind wie das Vorwärtskommen. Geliefert wird weltweit zum nächstgelegenen Hafen.

Bislang hat Torsus etwa 50 Fahrzeuge verkauft. Und die Auftragsbücher sind voll. Und wie sich die weltpolitische Lage gerade entwickelt, wird der Bedarf an Spezialfahrzeugen wohl eher zu- als abnehmen. Rosige Zeiten also für Dzhukashvili und sein Team.

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