Der Mazda CX-30 ist ein CUV, also ein Crossover-Vehicle, was irgendwas zwischen Kombi-Van-SUV-Stufenheck-Coupé sein soll. Böse Zungen behaupten: nichts Halbes und nichts Ganzes.
Vor allem bei den kompakteren CUV, zu denen der Mazda CX-30 mit knapp 4,40 Metern auch gehört, verzichten viele Hersteller daher auf den Allradantrieb - anders bei Mazda. Sie erwarten sogar einen Allradanteil von 32 Prozent - in Deutschland. Und das, obwohl es den 4x4-Wegbereiter nicht einmal für den Diesel gibt - einem der drei angebotenen Motoren. 116 PS leistet der 1.8D. Hört sich nach wenig an, fährt sich aber sehr souverän. Dennoch sind die Prognosen der Japaner für den Selbstzünder niedrig. Mehr als zehn Prozent werden es wohl nicht werden. Klar, der CX-30 ist kein Kilometerfresser für den typischen Außendienstler. Eher freuen sich User-Chooser über das etwas andere Auto.
Genau die könnten wohl oft auch zum 180-PS-Topmotor greifen. Dieses Aggregat ist zwar ein echtes Technikschmankerl, jedoch merkt man nichts davon. Mit seiner extrem hohen Verdichtung von 16,3:1, also einem sehr mageren Gemisch aus Luft und Benzin, soll der Vierzylinder sparsam wie ein Diesel und laufruhig wie ein Ottomotor sein. Die Mixtur aus Luft und Benzin entzündet sich in vielen Fällen selbst - beim Diesel immer -, eine Zündkerze hilft lediglich, wenn die Sensoren merken, dass doch noch Bedarf für Feuer unterm Hintern besteht. Das ist meist bei hohen Drehzahlen der Fall.
Diesel und Benziner in einem
Bemerkbar macht sich der "Dieselbenziner" im Stand durch einen im Innenraum zwar nicht, außen aber durchaus wahrzunehmenden "nagelnden" Motorlauf. Beim Fahren im niedrigen Drehzahlbereich ist er sehr laufruhig und hebt erst ab zirka 3.500 Touren seine Stimme. Die 180 PS verhelfen zu flotten Fahrleistungen, wenn man die Gänge voll ausfährt. Dann wird das Spektakel von einer etwas anstrengenden Akustik begleitet. Mit 5,9 Litern nach WLTP-Verbrauch gibt er sich zurückhaltender als der schwächere Benziner, der ebenfalls auf einen Zweiliter-Ottomotor ohne Turbounterstützung vertraut, aber zudem eine Zylinderabschaltung besitzt.
Und hier die Preisfrage: Wann gab es zuletzt 122 PS aus zwei Litern Hubraum? Wahrscheinlich vor der Jahrtausendwende. Schade, denn Mazda beweist, dass Turbo kein Muss ist. Zwar ist das Papier-Drehmoment von 213 Newtonmetern ab 4.000 Umdrehungen der Kurbelwelle schmal und der Antritt von unten heraus verhalten, aber es fährt sich herrlich entspannt ohne Gedanken an Leistungsmangel. Wer möchte, nimmt den kurzen Schalthebel in die Hand und arretiert perfekt geführt die passende Übersetzung und es geht sauber nach vorne. Kein Turboloch, kein ungleichmäßiges Drehzahlband-Hochklettern - wie beruhigend.
Zylinderabschaltung
Hingegen bekommt die für 1.681 Euro erhältliche Sechsgang-Automatik von uns keine Empfehlung. Sie bringt Hektik in den CX-30, schraubt den Verbrauch in die Höhe - sofern man sparsames Fahren mit einem Handschalter beherrscht - und macht den Benziner lauter, als er sein muss. Mit 6,2 Litern liegt der 60 PS schwächere Benziner übrigens auf dem Niveau des "Dieselbenziners" - jeweils als Handschalter, versteht sich. Bei den Benzinern hilft zudem ein Startergenerator, Energie zu bündeln, via 0,216-kWh-Akku zu speichern und bei Bedarf an die Verbraucher abzugeben.
Am Fahrwerk ändert der installierte Motor nichts. Der CX-30 ist auf der straffen Seite, was vielleicht von einem CUV gefordert wird, aber keine Wohltat ist. Zwar zirkelt er bereits als Fronttriebler flink um die Ecken, stößt im Wortsinn aber bei kurzen Anregungen in der Stadt und auf Landstraßen schnell an seine Grenzen. Die montierten 18-Zoll-Reifen mit 55er-Querschnitt tragen ihren Teil dazu bei. 16 Zoll gibt es serienmäßig ab Werk - sicherlich die komfortablere Variante.
Edel und fein
Zum Wohlfühlen trägt dafür der Innenraum bei, der optisch entschlackt ist, aber auf Finessen nicht verzichtet. Gerade in dieser Klasse markiert der CX-30 mit ein paar wenigen Fahrzeugen das obere Ende von dem, was erwartet werden darf. Schöne Materialien und gute Verarbeitung schmeicheln Händen und Augen. Haltegriffe helfen beim Ein- und Aussteigen und bequeme Ledersitze taugen für die Langstrecke. Hier und da entdeckt man Kleinigkeiten, die Qualitätsfetischisten ankreiden würden - halb so wild.
Wenn man jedoch bedenkt, dass der CX-30 bereits bei 20.411 Euro startet, relativiert sich auch das. Denn dann sind bereits LED-Scheinwerfer, Digitalradio, Navi und ACC-Tempomat mit an Bord. Was leider auch gegen Aufpreis nicht zu haben ist, sind aktuelle Staudaten, USB-Anschlüsse im Fond, Variabilität bei der Sitzkonfiguration oder einfach: Übersicht nach hinten. Wie bei Mazda üblich, werden die wenigen Optionen in Pakete gepackt. So kostet Matrixlicht, das hier mit 20 Segmenten pro Seite leuchtet, 1.500 Euro im "Designpaket" samt Dingen, die nicht jeder benötigt.
20.000 CX-30 möchte Mazda ab sofort bis Ende 2020 vom in Hiroshima produzierten CUV in Deutschland verkaufen. Knapp 60 Prozent der Kunden werden sich voraussichtlich für den kleinen Benziner entscheiden und damit alles richtigmachen.
Wer lieber tiefer sitzen und noch eleganter fahren möchte, sollte sich die nächste Autoflotte vormerken. Dann fahren wir den Mazda 3, auf dem der CX-30 basiert. Der ist rund 840 Euro günstiger und mindestens ebenso besonders.
Mazda CX-30 Skyactiv-G 122 FWD
Preis: 20.411 EuroR4/1.998 cm³ | 90 kW/122 PS | 213 Nm/ 4.000 U/min | 6-Gang-Schalter | 10,6 s 186 km/h | WLTP 6,2 B | 141 g/kmEffizienzklasse: A | Euro 6d
CX-30 Skyactiv-X 180 FWD
Preis: 22.512 EuroR4/1.998 cm³ | 132 kW/180 PS | 224 Nm/ 3.000 U/min | 6-Gang-Schalter | 8,5 s 204 km/h | WLTP 5,9 B | 133 g/kmEffizienzklasse: A+ | Euro 6d