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Ausgabe 05/2016

Kompakt gestreckt

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© AUTOFLOTTE

Der Mini verlässt seine Klasse. Mit 4,25 Metern wird der Clubman ein Golf-Rivale und zeigt auch in puncto Verarbeitung und vor allem Fahrdynamik eine Klasseleistung. Aber das Konzept hat auch Schwächen.

_ An vier Türen haben sich die Mini-Nostalgiker in den vergangenen anderthalb Jahren bereits gewöhnen können - nun folgt der nächste Bruch mit der Tradition. Die BMW-Tochter schiebt nicht nur in puncto Türenanzahl den klassisch-englischen Geschmack beiseite, sondern bugsiert gleich das ganze Auto ( Clubman Cooper D 2.0) aus der angestammten Mini- in die nächsthöhere Kompaktklasse. Ob das gut geht?

Interieur

Dieser rassige Mini-Kombi ist die zweite Generation des Clubman. Der XXL-Brite passt mit seinen 4,25 Meter exakt in die Parklücke eines VW Golf, denn der Längenzuwachs beträgt satte 27 Zentimeter. Entsprechend großzügig (aus Sicht der Mini-Klasse) oder ausreichend (aus Sicht der Kompaktklasse) sind die Innendimensionen. Auch wenn es dem ein oder anderen Passagier etwas beengt vorkommen wird, bietet der Clubman doch reichlich Freiraum. Den beschneiden die ausgezeichneten Ledersitze zwar leicht, da sie passgenau und rennwageneng geschnitten sind. Aber auf langen Reisen lernt man sie schätzen. Elektrisch einstellbar und mit einer justierbaren Unterschenkelauflage findet jeder seine ideale Sitzposition - und diese ist Mini-typisch nah am Asphalt gelegen. Bei dieser Länge erwartet man zunächst zwar kein reines Gokart-Feeling, was bei vielen Mini-Käufern sicherlich immer noch mitschwingt, aber weit gefehlt: Da das Interieur weniger verspielt wirkt als beispielsweise im Countryman und Drehzahlmesser sowie Tacho wieder dorthin zurückgewandert sind, wo sie hingehören - nämlich ins direkte Blickfeld des Fahrers -, wirkt der Engländer sehr aufgeräumt. Zudem schwebt das Dashboard ein wenig im Raum und lässt die typischen "Piloten"-Schalter noch markanter erscheinen.

Fahrverhalten

Apropos markant: Es gibt wenige Fahrzeugmodelle, bei denen Schaltwippen wirklich sinnvoll sind. Der dynamische Brite verdient sich aber zweifelsohne ein solches Duo am Lenkrad. Leider kommen nur die Käufer der Achtgang-Sport-Automatik im Cooper S und SD in den Genuss, in den automatisierten Handbetrieb zu wippen.

Beim Cooper D regelt allein der Automat (in dem Fall der achtstufige), aber das geschieht absolut verzögerungsfrei. Das sportlich-kräftige Drängen des 150 PS starken Münchners bringt das exzellente Fahrwerk exakt auf die Straße. Um auf dieser gefahrenfrei unterwegs sein zu können, helfen Active Cruise Control und der Tempomat, die nahezu auf Mittelklasse-Niveau harmonieren.

Besonderheiten

Der Clou sitzt aber im Heck. Die Flügeltüren öffnen zwar extrem leicht (wahlweise auch per Fernbedienung), aber den längsseitigen Extra-Meter für die Schwingtüren muss man sich in den urban engen Parkbuchten erstmal gönnen. Wer die 360 bis 1.250 Liter Ladevolumen (VW Golf: 380 bis 1.270 Liter) nutzen will, braucht eh Platz zum Einräumen. Das nötige Umlegen der Rücksitze funktioniert kinderleicht wie auch das Zurückkippen. Der Gag der zweigeteilten gegenläufig öffnenden Seitentür des Vorgängers wurde nicht wiederholt, da nun vier klassische Türen die Außenwelt vom edlen Inneren des Kompaktklässlers trennen. Der Blick raus auf diese Welt fällt indes nicht aus jedem Winkel optimal aus, allein die Mittelstreben der Hecktüren sind eher ungewöhnliche Blickfänger.

Verbrauch

Im XXL-Gokart tourt man gern im roten Drehzahlbereich, was sich der Kleine dank seiner sehr guten Straßenlage aber wenig anmerken lässt. Also zeigt sich erst beim Tanken, wie flott man wirklich den Clubman bewegt hat: 7,7 Liter waren es im Schnitt, laut Normverbrauch sollten es 4,1 Liter sein. Die Augenbrauen können gleich oben bleiben, denn der Einstiegspreis von 22.605 Euro zuzüglich 1.640 Euro für die Achtgang-Automatik ist eine deutliche Hausnummer und zeigt, dass der Bayer eben nicht mehr auf der Straßenseite der Minis, sondern gegenüber bei den Kompakten parkt. Trost spendet der Blick auf die Restwertanalyse von DAT. Als 36-monatiges Leasingfahrzeug ist der Münchner als Rückläufer mit 20.000 Jahreskilometer auf dem Tacho noch beachtliche 50,7 Prozent wert, so die Prognose. Bei doppelter Jahresfahrleistung sind es immer noch gute 40,3 Prozent. Details

Stärken & Schwächen

- Hoher Fahrspaß dank Top-Automatik und perfektem Fahrwerk- Gut Platz für die Passagiere und noch mehr fürs Gepäck- Gute Verarbeitung und gute Restwerte- Der Renn-Kombi verleitet zur schnellen Fahrweise (Verbrauch)- Hoher Grundpreis, üppige Aufschläge- Die Hecktüren sind nur praktisch, wenn Platz zum Öffnen ist

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