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Fahrbericht Mercedes E-Klasse W 213

Schwäbisches Multi-Talent

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Die E-Klasse gilt als Kernmodell der Marke, ist größter Umsatzbringer im gesamten Mercedes-Portfolio.
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Die E-Klasse gilt als Kernmodell der Marke, ist größter Umsatzbringer im gesamten Mercedes-Portfolio. Jetzt übertrifft die Business-Limousine in einigen Bereichen sogar die S-Klasse.

Von Michael Specht/SP-X

Viel besser hätten die Stuttgarter den Zeitpunkt nicht wählen können. Konkurrent BMW lässt sich mit dem neuen Fünfer noch ein Jahr Zeit. Audi schickt seinen nächsten A6 erst Ende 2017 an den Start. Zudem macht die neue E-Klasse - intern W 213 genannt - einen Riesensprung nach vorn, sei es im Design, bei der Technik, im Komfort, bei der Sicherheit, sei es in der Konnektivität, ja eigentlich überall. Potenziellen Kunden dürfte es somit recht schwer fallen, sich hier gegen die E-Klasse und für Fünfer, A6 oder gar Jaguar XF zu entscheiden.

Im Design folgt die 4,92 Meter lange Limousine der Linie von C- und S-Klasse, markiert sogar laut Styling-Chef Gorden Wagener einen Bestwert bei der Aerodynamik (cw-Wert 0,23). Gegenüber dem Vorgänger konnten die Entwickler aus der Karosserie über 70 Kilo herausholen, bei gleichzeitig höherer Steifigkeit, stets ein Indiz für leisere Innenraumgeräusche und präziseres Handling. Das zeigt sich schon auf den ersten Kilometern. Absolute Geschmeidigkeit, exzellenter Komfort und ein spielerisch leichter Umgang mit dem Auto. Komfortabler lässt es sich derzeit in diesem Segment nicht unterwegs sein, erst recht nicht, wenn unterm Auto eine Luftfederung steckt. Auch die Passagiere im Fond sitzen in der Business-Class und genießen üppige Beinfreiheit sowie hohen Sitzkomfort.

Debüt für neuen Dieselmotor

Maßstäbe will die mittlerweile 5. Generation der E-Klasse auch bei der Effizienz setzen. Debüt hat ein komplett neu entwickelter Zweiliter-Dieselmotor, genannt OM 654 und Nachfolger des schon älteren 2,2-Liter OM 651. Der moderne Vierzylinder leistet 143 kW / 194 PS, schickt sein maximales Drehmoment von 400 Newtonmeter bei 1600/min ins Neunganggetriebe und erfüllt bereits die künftigen Abgasvorschriften von 2017. Nicht nur Letzteres betont Mercedes wegen der gegenwärtigen Image-Situation des Selbstzünders, ausgelöst durch die Schummel-Affäre von Volkswagen, besonders. Auch was den Verbrauch angeht, trommeln sich die Schwaben stolz auf die Brust.

Der Normwert lautet 3,9 Liter oder 102 Gramm CO2, gegenüber dem Vorgänger ein gewaltiger Schritt abwärts. Jeder weiß mittlerweile, dass dies ein im Labor ermittelter Verbrauch ist. Doch sollten im Alltag bei dezent eingesetztem Gasfuß fünf Liter kein Problem sein, was immer noch beachtlich für ein Auto dieser Größe wäre. Zudem läuft der Vierzylinder ausgesprochen ruhig, spricht spontan aufs Gas an, dreht geschmeidig hoch und passt insgesamt sehr gut zum Komfort-Charakter der E-Klasse. Da fällt es schwer, sich für weitere Motoren zu entscheiden, wie beispielsweise für den Einstiegsbenziner E 200 mit 135 kW / 184 PS oder den E 300 mit 245 PS. Die Business-Limousine wird es zudem als E 350 e mit einem Plug-in-Benzin-Hybrid geben, mit einer elektrischen Reichweite von 32 Kilometern. Beim Händler steht dieses Modell allerdings erst im Herbst. Ebenso der E 400 mit Allradantrieb.

Bewährte Motoren

Weiter oben bleibt zunächst alles beim Alten. Denn neue Sechszylinder-Reihenmotoren befinden sich bei Mercedes derzeit in der Endphase ihrer Entwicklung. Daher muss sich der Kunde noch ein bis zwei Jahre gedulden und vorerst mit den älteren V6-Aggregaten Vorlieb nehmen. Was nichts Schlechtes bedeuten muss. Im Gegenteil, sowohl der 3,5-Liter-Benziner (333 PS) als auch der 3,0-Liter-Diesel (258 PS) erledigen ihre Sache äußerst souverän.

Den gefühlt größten Fortschritt erfährt der E-Klasse-Kunde, sobald er sich hinter das Lenkrad setzt. Wow! Das hätte man den Schwaben so schnell und dieser Ausprägung nicht zugetraut. Vorsprung durch Hightech. Willkommen in der neuen Welt der Digitalisierung. Über mehr als die Hälfte des Armaturenbretts erstrecken sich unter einem Glas zwei riesige hoch auflösende Displays. Deren Farben sind brillant und schaffen eine Wertanmutung, wie sie bislang kein anderer Hersteller in dieser Klasse bietet. Allerdings: Serienmäßig ist das nicht. Es kostet happige 4.383 Euro, weil zusätzlich das Comand-Onlinesystem geordert werden muss.

Auch bei Bedienung fährt Mercedes einen neuen Kurs. Im Lenkrad sitzen berührungsempfindliche Pads. Die Menüpunkte auf den beiden Bildschirmen können somit intuitiv nur über eine Bewegung mit dem Daumen angesteuert werden. Mercedes ist bislang der einzige Hersteller, der sich für diese Art der Menüsteuerung entschieden hat.

Diverse Fahrerassistenzsysteme

Mit "Drive Pilot" läuten die Schwaben die nächste Stufe des teilautonomen Fahrens ein, bei der das Auto nicht nur bis Tempo 210 dem Vordermann folgen und sich bis 130 km/h am übrigen Verkehrsfluss orientieren, sondern auch selbstständig überholen kann. Daimler-Boss Dieter Zetsche bezeichnet die neue E-Klasse gar als "Masterpiece of Intelligence". Warum? Sie bremst automatisch vor einem Stauende, erkennt Fußgänger und Querverkehr und löst, falls nötig, eine Notbremsung aus. Sie lässt sich von außerhalb per Handy einparken (sinnvoll bei engen Parklücken oder zu Hause bei einer engen Garage), sie registriert Fahrradfahrer, die man beim Abbiegen gefährden würde, sie hält automatisch an, falls der Fahrer sein Bewusstsein verliert. Die E-Klasse ist zudem das erste Serienauto mit sogenannter Car-to-X-Kommunikation. Heißt: Das Auto liefert anderen und erhält von Verkehrsteilnehmern Informationen (zum Beispiel Glatteiswarnung), aber auch von der Infrastruktur (zum Beispiel Wanderbaustellen).

Es dürfte klar sein, dass sich Mercedes seinen zeitlichen und technischen Vorsprung gegenüber den Wettbewerbern gut bezahlen lässt. Die Welt der neuen E-Klasse beginnt bei 45.303 Euro (E 200), der Basis-Diesel E 220 d kostet 47.124 Euro, der große V6-Diesel (E 350 d) ist ab 55.603 Euro zu haben. Nach oben sind die Grenzen weit gesteckt. Die Preisliste ist 64 Seiten dick. 30 davon befassen sich allein mit Design und Dekor.

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