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Fahrbericht Porsche Taycan Cross Turismo

Hobby-Heck mit Stromanschluss

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Der Porsche Taycan überzeugt jetzt auch als Kombi. 
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Den Porsche Taycan gibt es jetzt auch als Kombi. Zumindest theoretisch. Praktisch heißt er Cross Turismo und hebt das elektrische Porsche-Fahren auf ein neues Niveau.

Die größten Streiche spielt einem oft das eigene Gehirn. Als Porsche den neuen Taycan Cross Turismo vorstellt, kommt uns unwillkürlich diese blöde Werbung mit dem Toast-Schnitzel in den Sinn. "Don´t call it Schnitzel". Eindringlich hat uns Porsche darum gebeten: Nennt ihn bloß nicht Kombi! Also gut, jetzt habt ihr es schriftlich: Das hier ist kein Kombi, nennen wir ihn Shooting-Brake. Klingt gleich viel eleganter und erinnert an die großen Zeiten eines Aston Martin DBS oder dem legendären Jaguar E-Type, der im Film "Harald and Maude" zum Leichenwagen umgebaut wurde oder eben an den genialen Transaxle-Cruiser Porsche 928.

Die Höhe wächst

Das Marketing spricht bei solchen Zwitter-Autos gerne vom Besten aus zwei Welten. Also einem Sportwagen mit - sorry Porsche - Kombi-Popo. So einen haben die Stuttgarter derzeit schon im Programm, der heißt Panamera Sport Turismo, soll aber über dem Cross Tourismo angesiedelt sein und ihn nicht etwa ersetzen.  

Jetzt wird der Shooting Brake also elektrifiziert. Basis ist die Taycan-Limousine. Baugleich bis zur B-Säule, dahinter wird es stylish. Und praktisch. Denn im Vergleich zur Limousine verlängert ein elegantes Kuppeldach den E-Sportler nach hinten. Bei nahezu identischem Radstand und gleicher Breite zieht sich der Cross Turismo um 1,1 Zentimeter mehr in die Länge, die Höhe wächst bis zu 3,1 Zentimeter.

Was vor allem hintere Passagiere interessieren dürfte, denn die haben nun fast fünf Zentimeter mehr Luft über dem Scheitel. Eine Reling ist bestellbar, auf der dann auch ein Dachtransportsystem mit Querstreben montierbar ist, zum Beispiel für eine neue Dachbox mit 480 Liter Stauraum, freigegeben bis 200 km/h. Kostet 1.151 Euro netto. Und: Porsche hat einen neuen Fahrradträger entwickelt, der es weiterhin ermöglicht die Heckklappe zu öffnen, selbst wenn zwei Bikes aufgesattelt sind. Netto-Preis: ca. 1.700 Euro.  

Platz für mehr Gepäck

Kommen wir zur Freizeit-Abteilung. Ins neue Kombiheck passen 490 bis 1.212 Liter Gepäck und damit bis zur Hutablage 39 Liter mehr als in die Limousine. So finden nun auch sperrige Sportartikel Platz, die Porschefahren bislang nur aus der SUV-Perspektive kannten. Womit wir bei der wahren Bestimmung des Cross Tursimo sind. Er soll und will und kann dort abbiegen, wo dem normalen Taycan Grenzen der Bodenfreiheit gesetzt sind.

Nun ist der Shooting Brake kein flacher gelegter SUV, aber immerhin gibt ihm Porsche mehr Freiheiten mit. Eine Alternative, für alle, die eben nicht dem SUV verfallen und trotzdem mal aus dem Alltag ausbrechen möchten. Über rockige Rampen und wellige Wiesen trägt der Cross Turismo einen jedenfalls erstaunlich souverän.  

Dafür geht´s ein ganzes Stück weiter rauf. Konkret: bis zu 15,6 Zentimeter beträgt nun die maximale Bodenfreiheit. Macht zwei Zentimeter mehr als bei der Taycan-Limo, mit dem optionalen Offroad-Paket (zusätzliche Kunststoff-Flaps, die Ecken und Schürzen vor Steinschlag schützen) ist es noch einmal ein Zentimeter mehr. Das nimmt einem auf unbefestigten Wegen schon mal die Berührungsangst.  

Bildergalerie

Cleveres Design

Neben mehr Bodenfreiheit montiert Porsche SUV-typische Designelemente wie Beplankungen an den Radläufen und Schwellern, einen bulligeren Frontspoiler, oder eine Art Unterfahrschutz hinten. Das PASM-Fahrwerk mit adaptiven Luftfederung und elektronischer Dämpferregelung fährt sowieso immer mit. Es ermöglicht dem Fahrer im "Gravel Mode" die Bodenfeiheit nochmal um drei Zentimeter zu erhöhen, Fahrwerkssysteme werden zusätzlich den schlechteren Wegen angepasst, der Taycan reagiert auf Gasannahme nun nicht mehr so giftig und spontan.

Clever finden wir die Smart-Lift-Funktion. Gespeist über GPS lassen sich besonders fiese Stellen auf einer Strecke einspeichern, kommt man hier das nächste Mal vorbei, hebt sich der Wagen automatisch an.   

Allrad fährt immer mit, die große 93,4 kWh-Batterie ebenfalls, vier Versionen wird es geben. Heißt: mindestens 380 PS. Heißt aber auch: Bei der wilden Fahrt in die Sandkiste verzichtet Porsche auf die deutlich günstigere Taycan-Einstiegsversion mit Heckantrieb.   

Rakete mit 625 PS

Zum Kennenlernen haben wir uns den Cross Turismo Turbo gegönnt. Mit 625 PS ist der gerade so eben angemessen elektrifiziert. Ach Quatsch! Das Gerät ist eine Rakete, die dich mit nur einem Stromschlag in den Orbit katapultieren kann. In 3,3 Sekunden pulverisiert er die 100 km/h-Marke, in 10,7 die 200er, abgeregelt wird bei 250 km/h. Die Kraftreserven (850 Newtonmeter) sind brutal.

Ein elektrischer Vorschlaghammer mit der dringenden Empfehlung, sich vorher über Risiken und Nebenwirkungen zu informieren. Wer den Teufel im Taycan zu sehr reizt, sollte seinen Weg mit Ladestationen pflastern. Denn so aktiv über längere Strecken bewegt, schmelzen die versprochenen knapp 400 Kilometer Reichweite dahin, wie Eiswürfel im heißen Tee.  

Gänsehaut für die Seele

Porsche umschreibt die Performance des Taycan fast schon poetisch mit "Gänsehaut für die Seele". Nette Untertreibung für diese blechgewordene Naturgewalt. Die 30 Kilo, die der Crossie im Vergleich zur Limo zusätzlich auf die Waage bringt, werden einfach so mit in Richtung Horizont geschossen. Als wären sie nicht existent. Kein Unterschied zum Normal-Taycan spürbar. Überhaupt scheint das 2,3 Tonnen-Geschoss physikalische Gesetze der schweren Kraft schlichtweg zu ignorieren.

Auf kurvigen Landstraßen verbündet sich der Bursche mit dem Asphalt, als hätten beide seit Jahren eine innige Liaison. Die tiefe Einbaulage der Batterie, die ausgewogene Gewichtsverteilung, die routinierte Abstimmung und die direkte Lenkung ergeben ein Gesamtpaket, das den Taycan zum Porsche unter den E-Autos adelt. Uneingeschränkt gilt dieses Urteil auch für den Cross Turismo.  

Porsche glaubt, dass ab Frühsommer 40 Prozent aller Taycan-Kunden das Hobby-Heck des Cross Turismo wählen. Bei einem Aufpreis von moderaten 1.260 Euro netto zur Limousine eine eher noch defensive Prognose. Los geht 's bei 78.684 Euro netto. Und, damit Sie beim Händler nicht nachfragen müssen: Nein, eine Kombiversion wird es nicht geben.

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