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Fahrbericht VW Arteon Shooting Brake

Passat Variant 2.0

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VW bringt die Shooting-Brake-Variante des Arteon.
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Der Passat ist noch immer der Lieblings-Dienstwagen. Dabei gibt es eine schönere und kaum teurere Alternative von VW. Der Arteon Shooting Brake ist der Passat Variant in Bestform.

Von Autoflotte-Chefredakteur Michael Blumenstein

Geht es um das reine Packvolumen, geht am Passat kein Weg vorbei. Bei VW. Im Konzern wäre der Superb zu erwähnen, der den Bestseller aus Germany galant zur Seite schubst. Wer aufs letzte Quäntchen Raum verzichten kann, fährt ab sofort besser Arteon Shooting Brake als Passat oder Superb.

Arteon Shooting Brake steht nicht an jeder Ecke

Der Passat und mittlerweile auch der Superb stehen an jeder Ecke. Da hilft auch Pseudo-Sport-Attitüde in Form von R-Paketen oder ähnlichem. Wirkte der Arteon Fließheck zum Marktstart vor knapp vier Jahren vor allem in der Goldgelb-Lackierung ein bisschen wie Dieter Bohlen im Camp-David-Outfit, ist die Kombiversion, die auf den Nichtssagenden und doch wohlklingenden Namen Shooting Brake hört, formschön gelungen. Dabei hat sich außen nicht viel getan, zumindest bis zur B-Säule. Ein bisschen Maskerade an der Front in Form einer LED-Lichtleiste, die bis zum Emblem reicht – sofern das empfehlenswerte IQ.Light gewählt wurde (1.143 Euro). Die Optionsscheinwerfer bieten eine Art Matrixlicht-Light (für leicht). Aus VW-Kreisen heißt es, dass die Entwicklung eines echten Matrixlichts fürs Facelift zu teuer wäre. Immerhin: LED-Scheinwerfer gehören beim Arteon zur Grundausstattung. Gerade aber das IQ.Light zeigt schön, wie homogen gute LED-Scheinwerfer die Nacht erhellen können; kein Streiflicht, keine Flecken, tolle Sicht – auch ohne Matrix. Die optischen Neuerungen beginnen ab B-Säule. Von da an gibt es nicht nur mehr Kopffreiheit im Innern, es sieht außen auch eleganter aus. Der Kleine Bürzel am Heck macht diese Karossierversion zudem besonders.

Wer die Klappe öffnet, wundert sich gleich zwei Mal. Zum einen über den durchaus geräumigen Kofferraum. Gut, der Wagen ist mit 4,87 Metern kein Zwerg und rund zehn Zentimeter länger als ein Passat Variant. 1.632 Liter sollten meist ausreichen – 565 sind es in Normalstellung. 2,09 Meter Ladelänge sind möglich.  Zum anderen überrascht die hohe Innenkante. Schwere Gegenstände lassen sich nicht rein- und rausschieben, sie müssen gehoben werden. Das kann der Passat besser.

Dafür trumpft der Arteon Shooting Brake wiederum beim Platzangebot auf. Hinten sitzen die Gäste nicht nur aufgrund der Luft über dem Haupt gut, sie sitzen sogar besser als im Passat, denn die Beinfreiheit ist größer. Warum? Der Radstand ist um fünf Zentimeter gewachsen ist und hat Superb-Maße. Wer sich hinten niederlässt sieht auch, dass Übersichtlichkeit kein Privileg der Oldtimer sein muss. So kann selbst von vorne links nach hinten rechts geschaut werden und Radfahrer im Innenstadtgewusel werden erkannt. Auch die A-Säulen, die nicht groben Fensterrahmen belästigt werden sowie die auf der Tür montierten Außenspiegel verleihen dem Wagen Übersichtlichkeit.

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Neues, individuelles Arteon-Cockpit

Auch sonst geht es vorne generös zu. Bequeme Sitze mit einer latent zu hohen Position rücken einen samt Lenkrad in eine dennoch ziemlich perfekte Sitzposition. Die Augen streifen alsbald übers neue Armaturenbrett, auf das VW mächtig stolz ist, war das alte doch zu Passat-lastig. Das Lenkrad hat nun kapazitive Bedienflächen auf denen auch ohne Desinfektionstüchern gewischt werden kann. Das Kombiinstrument ist immer digital und zeigt alles an, was man sehen möchte. Und manches Mal auch mehr. Eine Reduzierung der Monitorfläche wäre hier und da angesagt.

Denn für schmale 480 Euro lugt das Head-up-Display aus dem Armaturenträger hervor. Auf Knopfdruck fährt die Scheibe aus. Das passt nicht zum Anspruch an den Arteon. Vor allem dann nicht, wenn die Drehzahl niedrig ist. Vibrationen übertragen sich ins Display und beim Hingucken droht Seekrankheit. Hilfreich ist es dennoch und bekommt daher von Autoflotte eine Empfehlung. Ebenso das neue Soundsystem, das besonders gut mit dem 487 Euro teuren Akustikglas harmoniert, das vor allem vorne die Geräusche um Nuancen verringert. Harman Kardon zeichnet für das Klangerlebnis verantwortlich. Sie greifen den Kundinnen und Kunden mit gut 1.100 Euro zwar tief in die Tasche. Jedoch dürfen sich audiophile Menschen über ein ausgesprochen gutes Orchester freuen. Eine Wohltat in Zeiten wiederkehrender Konzertverbote. Digitalradio gibt es serienmäßig, was ab Januar in allen Neufahrzeugen der Fall ist.

Doch es gibt auch Schatten. Die Induktivladefunktion wurde unter der Temperaturregelung und vor dem Schalthebel reingefriemelt. Da ist es eng und das Telefon rutscht hin und her und verliert oft den Ladekontakt. Das allein ist schon nervig genug, doch der Vogel wird abgeschossen, da bei jeder „Fehlfunktion“ des Ladens eine Einblendung im Infotainment-Bildschirm erscheint, die das Problem beschreibt. Wer es nicht aktiv „weg-ixt“, sieht nur noch zirka 2/3 des Bildschirms. Doch Obacht: es kommt garantiert gleich wieder. Ein Navigationssystem ist im Arteon Serienbestandteil. Eine Offenbarung ist es leider jedoch nicht und Google Maps (leider) noch immer das Maß der Dinge.

Basisdiesel passt

Der Basisdiesel mit 150 PS ist gleichzeitig der schwächste Antrieb und dennoch eine Empfehlung. Mit ausreichend Dampf gesegnet harmoniert das Siebengang-DSG gut mit dem 360 Newtonmeter darbietenden Vierzylinder. Auch wenn er im oberen Drehzahlbereich etwas rau wird, ist er sparsam, sauber und für die entspannte schnelle Langstrecke erste Wahl. Hilfreich ist der 66-Liter-Tank. Selbst dann, wenn die 216 km/h ausgekostet werden. Wer mehr dampf benötigt, kann zum 200-PS-TDI greifen, wahlweise mit Allradantrieb. Optische Unterschiede gibt es keine. 

Auf der Otto-Motor-Seite beginnt der Spaß bei 190-TSI-Pferden, Topmodell ist vorerst der 280-PS-Vierzylinder, der sehr elegant Leistung absondert, wenngleich auch er obenrum etwas brummig wird. Ähnlichen Vortrieb – vor allem im unteren Geschwindigkeitsbereich – generiert der Plug-in-Hybrid. 218 PS schaffen Elektromotor und Verbrenner zusammen und versuchen das schlupffrei auf die Vorderachse zu bringen, was nicht immer gelingt. 57 Kilometer elektrisches Gleiten soll der 13-kWh-Akku ermöglichen und auf der anderen Seite helfen, den Shooting Brake 222 km/h schnell zu machen. Das Tempo sortieren nur hier sechs Gänge. Ein Tempo, das jedoch genau in diesem Fahrzeug eher selten aufgesucht werden sollte – aus Effizienzgründen.

Dem Effizienzgedanken widersprechen die Räder etwas. Zwar startet der Arteon mit 17 Zoll. Doch laut VW heißt die Idealgröße 20 Zoll. Hierauf sei der Wagen optimiert, was sich beim Fahren nicht verleugnen lässt. Ob das Adaptivfahrwerk nötig ist, können wir nicht sagen. In Stellung „normal“ fährt es sich in jedem Fall am besten. Kein Wanken, kein Rollen, kein Nicken, dafür ein Ansprechen der Feder-Dämpfer-Elemente wie man sie sich in vielen Fahrzeugen wünscht. Trotz der Niederquerschnittsreifen werden Unebenheiten absorbiert, weggefedert und unterdrückt. Das können die ebenfalls gefahrenen 19 Zöller in keinem Fall besser. Chapeau für das sauber abgestimmte Fahrwerk. Schön wäre es, wenn das auch das Standardfahrwerk so kann – das ist nämlich 1.000 Euro günstiger. Und für die Modi-Spielerei ist das zu viel Extrageld. Bezahlen muss man die 20 Zoll übrigens doppelt. Monetär (865 Euro) und in Form eines Wendekreises der an einen Siebenhalbtonner erinnert.

Der Arteon Shooting Brake ist der feinere Passat Variant. Der Aufpreis zum Dienstwagen-Liebling bewegt sich auf dem Niveau einer Lederausstattung, also nicht viel, für deutlich mehr Exklusivität. 45.000 Euro netto werden es für den „Kleinen“ dann aber doch schnell.

VW Arteon Shooting Brake TDI

  • Preis ab: 38.265 € R4/1.968 cm3 | 110 kW / 150 PS 360 Nm ab 1.600 U/min | 7-Gang-DSG | 216 km/h | 9,4 s | WLTP: 4,9 S | 128 g/km | Effizienz: A+ 4.866 x 1.871 x 1.462 mm | 565 – 1.632
  • Wartung: 30.000 Kilometer/jährlich
  • Garantie: 2 Jahre

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