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Mercedes-Maybach GLS 600

Koloss für Krösus und Konsorten

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Maybach hat den Mercedes GLS veredelt.
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Rolls-Royce Cullinan und Bentley Bentayga bekommen Konkurrenz aus Deutschland: Wo Audi mit dem Q8 und BMW mit dem X7 nur die bürgerliche Elite bedienen, erhebt Mercedes den GLS jetzt als Maybach in den Adelsstand. Freuen werden sie sich darüber aber weniger in der alten Welt als in Amerika und Asien.

Von Benjamin Bessinger/SP-X

Es ist eine wichtige Geste und sei kommt genau zu rechten Zeit: Während der Mercedes-Stern gerade ein wenig an Strahlkraft verliert und zugleich der chinesische Markt als dickstes Standbein der Schwaben auf hohem Niveau zu schwächeln beginnt, bringen die Schwaben ihren wichtigsten Kunden buchstäblich ein dickes Geschenk mit. Denn nicht beim Heimspiel auf der IAA in Frankfurt und auch nicht auf der an Luxus gewöhnten Autoshow in Los Angeles, sondern auf der Messe in Guangzhou fällt das Tuch vom neuen Maybach GLS, mit dem Mercedes ab der zweiten Hälfte des nächsten Jahrs zu Preisen wohl weit jenseits von 125.000 Euro netto gegen Bentley Bentayga und Rolls Royce Cullinan antreten und bürgerliche GLS-Konkurrenten wie den BMW X7 oder den Audi Q8 hinter sich lassen wollen.

Als Koloss für Krösus & Co hat Mercedes den GLS kräftig heraus geputzt: Von außen funkelt das 5,21 Meter lange Dickschiff mit dem neuen Kühlergrill im Nadelstreifen-Design, mit reichlich Chrom vor den Lüftergittern und um den Fenstern wie ein Christbaum am Heiligen Abend, und innen lockt ein Luxuslounge mit reichlich Lack und Leder.

Man wähnt sich im siebten SUV-Himmel

Wer über die elektrisch ausfahrbaren Trittstufen in den Olymp der Geländewagen hinauf steigt, wähnt sich im siebten SUV-Himmel. Denn wo im GLS noch bis zu sieben Sitze untergebracht werden müssen, gibt es im Maybach nur noch vier. Das reicht bei 3,14 Metern Radstand im besten Fall für über 1,30 Meter Beinfreiheit im Fond und schafft Platz für ausfahrbare Beinauflagen, mit denen die natürlich klimatisierten Loungesessel gar vollends zur Liege werden. Dazu gibt es natürlich Barfach und Klapptische in der durchgehenden Mittelkonsole, eine eigene MBUX-Welt für die Hinterbänkler – und ein Wohlfühlprogramm mit Ambientelicht und eigens komponiertem Raumduft aus dem Duft der Osmanthusblüte mit einem Hauch von Leder und würzigem Tee.

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Während die Herrschaft im Fond hinter elektrisch aufgezogenen Gardinen und dickem Isolierglas den Müßiggang pflegt und vom Maybach-Mode des vorausschauenden Luftfederfahrwerks und seinen 48-Volt-Stellen wie auf Wolken gebettet wird, tut sich auch der Fahrer leicht mit diesem Schwergewicht. Denn auch wenn Mercedes mit der Tradition bricht und trotz der 600 am Heck nur acht statt zwölf Zylinder installiert, dürfte der vier Liter große Turbo keine Mühe haben mit dem Maybach für den Matsch: Immerhin leistet er 558 PS und geht mit bis zu 730 Nm zu Werke. Das reicht für 4,9 Sekunden von Null auf 100 km/h und bei Vollgas für 250 Sachen. Und im Kampf gegen das Turboloch und das schlechte Gewissen gibt’s sogar noch elektrischen E-Booster als Mildhybrid-Baustein, der beim Anfahren ein wenig mit anschiebt und ansonsten durch mehr Rekuperation und längere Segelphasen den Verbrauch drückt – wobei das bei einem Normwert von bereits 11,7 Litern allenfalls kosmetischen Wert hat.

Vornehm herausgeputzter GLS

Extrem edel, aber nicht exklusiv und bei aller Leistung doch noch eher der Vernunft als dem Überfluss verpflichtet – so ist der Maybach GLS am Ende zwar doch nur ein vornehm herausgeputzter GLS und die Schwaben haben ohne zumindest gestreckte Karosserie oder den standesgemäßen V12 die Chance zur Emanzipation vom bürgerlichen Benz vertan. Was man ihnen angesichts der Pleite beim letzten Maybach-Comeback und der aktuell etwas angespannten Kassenlage kaum verdenken kann. Doch Sorgen um den Erfolg des Schwergewichts im Smoking müssen sie sich deshalb wohl kaum machen. Das beweist nicht nur der Blick auf die Zahlen von Cullinan und Bentayga, das lehrt auch die Erfahrung mit der S-Klasse. Bei der trägt mittlerweile jedes siebte Exemplar zum Stern noch das doppelte M. Und hier in China ist der Anteil sogar noch viel größer, rechtfertigt ein Mercedes-Mann die Premiere am anderen Ende der Welt.

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