Hyundai-Produktchef im Interview: "Europa spielt für uns eine Schlüsselrolle"

03.02.2026 05:24 Uhr | Lesezeit: 2 min
Raf Van Nuffel, Hyundai
Raf Van Nuffel, Produktchef von Hyundai Europa
© Foto: Raf Van Nuffel, Hyundai

Der koreanische Hersteller Hyundai setzt auf Strom und auf Europa. Mit welchen Modellen und wie man sich von den anderen Marken des Konzern absetzt, fragten wir den europäischen Produktchef.

Hyundai ist dabei, sein Portfolio an Elektromodellen weiter auszubauen. Man leistet sich sogar den Luxus der Brennstoffzellen-Technologie. Was die Kunden zukünftig noch erwartet, haben wir Raf Van Nuffel, Vice President of Product bei Hyundai Motor Europe, gefragt.

Wodurch unterscheidet sich Hyundai in der Kundenwahrnehmung eigentlich zu seiner Konzernschwester Kia? Die Konzerntechnik verwenden ja beide Marken.

Hyundai ist nicht das einzige Unternehmen, das seine Hardware mit Schwestermarken teilt, aber Hyundai und Kia haben sowohl intern als auch extern sehr unterschiedliche Designsprachen, die unterschiedliche Kundengeschmäcker ansprechen. Natürlich nutzen wir innerhalb des Konzerns gemeinsame technische Plattformen. Das ist effizient und sinnvoll. Entscheidend ist aber, wie wir diese Technologie interpretieren. Die Entwicklung und Verfeinerung der Hardware und Software unterscheidet sich deutlich, was sich in unseren individuellen Markenprinzipien widerspiegelt. 

Gerade hat Hyundai auf der Messe in Brüssel den elektrischen Staria, einen über fünf Meter großen Van vorgestellt. Welche Käufer sehen Sie, abseits von Hotel- und VIP-Shuttles-Gewerbe, im privaten Bereich? 

Die Resonanz zum Staria Elektro ist sehr positiv. Medien und Kunden loben, dass der klassische „People Mover“ zurückkehrt. SUV sind weiterhin sehr gefragt, aber sie erfüllen nicht alle Bedürfnisse. Gerade Familien oder Menschen mit einem aktiven Lebensstil schätzen das Platzangebot, die Flexibilität und den Komfort eines großen MPV. Durch die Elektrifizierung lassen sich diese Qualitäten heute mit niedrigen Betriebskosten, geringer Umweltbelastung und dem leisen, souveränen Fahrgefühl eines Elektrofahrzeugs verbinden. Genau diese Kombination macht den Staria Elektro auch für private Nutzer hochinteressant. 

Angetrieben durch die Urbanisierung und Umweltregularien steigt die Nachfrage nach kleineren Elektrofahrzeugen weiter. Derzeit hat Hyundai kein Modell in der Viermeter-Klasse (B-Segment). Volkswagen will in diesem Jahr mit dem ID.Polo und ID.Cross kommen. Mit was hält Hyundai dagegen? 

In Brüssel haben wir mit dem Concept Three bereits einen Ausblick gegeben. Es zeigt, wie wir uns ein zukünftiges kompaktes Elektrofahrzeug innerhalb der Ioniq-Familie vorstellen. Der Ioniq 3 wird eine wichtige Rolle spielen, um Elektromobilität in einem besonders volumenstarken Segment anzubieten - mit einem klaren Fokus auf Alltagstauglichkeit, Design und Effizienz

Wann wird Hyundai die Serienversion des Concept Three auf die Straße schicken? Das Modell wäre das erste Kompaktfahrzeug der Submarke Ioniq, richtig? 

Zu konkreten Zeitplänen möchte ich heute noch nicht ins Detail gehen, aber es lohnt sich, aufmerksam zu bleiben. Fakt ist, der Ioniq 3 wird das erste Kompaktmodell innerhalb der Ioniq-Submarke sein. Entwickelt und produziert in Europa, wird er Vielseitigkeit, moderne Technologie und hohe Alltagstauglichkeit vereinen. Unser Ziel ist es, elektrische Mobilität damit für eine noch breitere Kundengruppe zugänglich zu machen. 

Bis 2027 soll jedes Hyundai-Modell in Europa einen elektrifizierten Ableger erhalten, bis 2030 sind weltweit 21 BEV angekündigt. In welche Segmente wollen Sie noch hinein? 

Wir verfolgen eine sehr klare Strategie: Elektromobilität soll alle relevanten Segmente abdecken. Das reicht von kompakten urbanen Fahrzeugen über Familien- und Lifestyle-Modelle bis zu großen, vielseitigen Fahrzeugen. Mit dem aktuellen Inonq Line-up und dem Inster decken wir bereits einen großen Teil aller relevanten Volumen-Segmente ab. Gleichzeitig beobachten wir sehr genau, wie sich Mobilitätsbedürfnisse regional entwickeln und passen unser Angebot entsprechend an. 

Europa gilt für Hyundai als „Zentrum der globalen Elektrifizierungsstrategie“. Wird eigentlich jedes E-Auto der Marke in Rüsselsheim entwickelt? 

Unsere EV-Strategie ist global, aber regional differenziert. Das bedeutet: Fahrzeuge werden gezielt für bestimmte Märkte entwickelt. Europa spielt dabei eine Schlüsselrolle, insbesondere bei Modellen wie dem Ioniq 3, der hier entwickelt und produziert wird. Gleichzeitig profitieren wir von unserem weltweiten Entwicklungsnetzwerk, um Technologien effizient und marktspezifisch einzusetzen.


Hyundai Ioniq 9 (Techniq RWD)

Heckansicht stehend des Hyundai Ioniq 9 Bildergalerie

Viel Mut erfordert derzeit die Wasserstofftechnologie. Hyundai bringt in Europa gerade die zweite Generation des Brennstoffzellenmodells Nexo auf die Straße. Was verspricht man sich von dieser Strategie? Immerhin kostet das Auto knapp 70.000 Euro. 

Der Nexo richtet sich heute noch an eine sehr spezielle Kundengruppe, aber er zeigt, was technologisch möglich ist. Für uns besteht die Zukunft der Mobilität nicht nur aus batterieelektrischen Fahrzeugen. Wasserstoff ist für uns ein langfristiger Baustein nachhaltiger Mobilität. Brennstoffzellenfahrzeuge bieten lokal emissionsfreies Fahren mit kurzen Betankungszeiten und hoher Reichweite. Natürlich ist die Infrastruktur für FCEVs noch nicht so weit entwickelt wie für BEVs, aber wir sind überzeugt, dass diese Technologie künftig an Bedeutung gewinnen wird, nicht nur im Pkw-Bereich, sondern auch im Schwerlastverkehr. 

Als einer der wenigen Hersteller bieten Sie im A0-Segment noch ein Modell mit konventionellen Verbrenner an, den i10. Beliebt ist dieses Modell gerade bei jüngeren Fahranfängern und Pflegediensten. Kann Hyundai diesen Kleinwagen noch länger weiterbauen oder macht Ihnen die Abgas- und Sicherheits-Gesetzgebung einen Strich durch die Rechnung? Wird es einen Nachfolger geben? 

Die Produktion des Hyundai i10 im türkischen Werk von Hyundai Motor wurde im November 2025 eingestellt, um Platz für die Produktion des neuen Elektrofahrzeugs Ioniq 3 zu schaffen. Zwar entwickeln sich die regulatorischen Anforderungen stetig weiter, doch wir beobachten auch genau, welche Mobilitätslösungen am besten zu unseren Kunden passen.

Mit dem neuen vollelektrischen Inster bieten wir bereits eine moderne Interpretation urbaner Mobilität. In diesem Jahr wird er durch den Ioniq 3 ergänzt, der einen weiteren großen Schritt hin zu unserer langfristigen Vision darstellt, möglichst vielen Menschen nachhaltige, effiziente und alltagstaugliche Elektromobilität zu ermöglichen.“ 

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