Fiat 500 Hybrid (2026): Neu. Süß. Teuer.

18.05.2026 09:43 Uhr | Lesezeit: 3 min
Besonders das goldgelb (Sun of Italy) steht dem Fiat 500 Hybrid gut.
© Foto: Michael Blumenstein

Der Fiat 500 Hybrid will Kunden schnappen, für die der 500 Elektro nichts ist. Aber kann ein 65-PS-Benziner anno 2026 überhaupt noch punkten – mit solch happigem Preis?

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Fiat-Fans können beim Thema Klein(st)wagen aus den Vollen schöpfen. Das ist de facto ein Pluspunkt der Italiener, die weltweit auf Erfolgskurs sind. Vielleicht ist die Traditionsmarke auch deswegen im Stellantis-Konzern eine der vier „Prio-Marken“ (aus insgesamt 14), um deren Zukunft man sich keine Sorgen machen muss. Die Absatzzahlen stimmen. Auch in Deutschland, trotz des bestehenden Mini-Portfolios.


Fiat 500 Hybrid (2026)

Fiat 500 Hybrid vor Graffitiwand Bildergalerie

Drei Fiat-Modelle nah beieinander

Es gibt aktuell den Fiat Pandina (ehemals Panda genannt), den Fiat Grande Panda (2025 neu) und den Fiat 500 (seit 2020) – hinzu kommt der 600er, das war es. Den erstgenannten gibt es nur als Verbrenner, nur mit einem Motor. Das aber reicht aus, um viele Menschen glücklich zu machen. Und das, obwohl der Fiat Pandina mittlerweile 14 Jahre auf dem Buckel hat und stets bloß an die gesetzlichen Vorgaben angepasst wurde. Kein Wunder, dass man in Italiens Kleinstädten kaum mit dem „Panda-Zählen“ hinterherkommt. Der 3,69 Meter kurze und 1,72 Meter schmale Wagen erfüllt die Mobilitätsbedürfnisse generationsübergreifend – nach wie vor. Und das nicht nur wegen des vergleichsweise günstigen Preises. Ab 17.000 Euro (brutto, dann mit Radio) geht es los. Der Fiat Pandina wird übrigens ausschließlich in Europa angeboten und im Fiat-Werk Pomigliano d'Arco (Süditalien) produziert.

Der Grande Panda steigt seit einem Jahr etwa 2.000 Euro darüber ein. Anstelle von 65 Sauger-PS gibt es direkt 100 Turbo-PS, gut 30 Zentimeter mehr Länge und fünf Zentimeter mehr Breite. Der Grande Panda wird bislang ebenfalls nur in Europa angeboten, das „Einzugsgebiet“ soll sich aber in den kommenden Jahren erweitern, denn das geräumige 4-Meter-Auto kann in vielen Regionen der Welt als Erstauto fungieren. Ist der Fiat Pandina niedlich, meinen manche, der Fiat Grand Panda sei cool.

Fiat hat sich verkalkuliert

Wer jedoch Stil im Kleinstwagensegment haben will, muss schon seit fast zwei Jahrzehnten zum kleinsten Fiat greifen. Der Fiat 500 erschuf praktisch dieses „Haben-will-Segment“ im Jahr 2007. Er wurde allerdings aus diversen Gründen vor zwei Jahren eingestellt und bei Fiat hoffte man, dass der 2020 neu gestartete Fiat 500 Elektro die 500er-Fans in Empfang nehmen konnte. Einige taten das, aber längst nicht genug.

Wurde 2020 noch dementiert, dass der „neue“ Fiat 500 (Elektro) jemals als Benziner zu haben sein würde, hat man sich bei Fiat, angesichts der aktuellen Lage, anders entschieden. Der Fiat 500 Hybrid ist seit Anfang 2026 ab 20.000 Euro zu haben. Als Antrieb fungiert der kleine Einliter-Sauger aus dem Fiat Pandina. 65 PS und unter 100 Newtonmeter Drehmoment muten aus einer anderen Automobil-Ära an. Wir fuhren den Fiat 500 Hybrid in und um das bergige Como.

Aufnahme vom Armaturenbrett im neuen Fiat 500 Hybrid während der Fahrt mit Händen am Lenkrad
Handgerissen. Sechs Gänge bietet der Fiat 500 Hybrid seinem Fahrer. Oder anders: nervt ihn damit. Bei 65 PS sind das gefühlt zwei zu viel, in der Realität aber definitiv einer.
© Foto: Michael Blumenstein

Fiat 500 Hybrid: Leistung ist nicht alles

Erster Eindruck: Warum bitte hat ein Automobil, das nur 155 km/h „schnell“ ist, sechs Vorwärtsgänge? Auch nach den ersten Kilometern leuchtet das nicht unbedingt ein. Den sechsten Gang benötigt man nämlich nie. Zackig flutschten jedoch alle anderen durch die H-Schaltung und es fühlt sich an, als sei das schon immer genau so gewollt. Die ersten beiden Gänge sind kurz ausgelegt, sodass man flott in Fahrt kommt und gut im Verkehr mitschwimmen kann. Klar, an Überholmanöver sollte man nicht einmal denken. Dieses Leistungsdefizit entspannt aber und man wirbelt dennoch flink durch die Stadt.

Dass ein so kleiner Antrieb trotz knapp 1.100 Kilogramm Lebendgewicht und 48-Volt-Minimalhybridisierung kein Sparwunder sein wird, ist klar. Auf dem Papier sollen es 5,2 Liter sein, in der Realität und im vermutlich häufig gefahrenen Kurzstrecken-Stadtverkehr steht wohl meist eine 7 vorn. Das aber machen andere auch nicht besser. Sie haben eventuell nur mehr Leistung. Aber nochmals: Man kommt damit gut zurecht. Und wer doch mal die Autobahn-Langstrecke vor sich hat, absolviert diese im Hybrid entspannter als im Basis-Elektro mit seinem kleinen 21-kWh-Akku und einer Realreichweite von rund 150 Kilometern.


Technische Daten: Fiat 500 Hybrid

Preis: ab 19.900 € (brutto)
R3/999 ccm | 48 kW/65 PS | 92 Nm bei 3.500
6-Gang-Schalter 16,2 s | 155 km/h
WLTP: 5,2 S | 118 g/km
Abmessungen: 3.631 x 1.684 x 1.532 mm
Kofferraum: 183–440 Liter
Versicherung: HK 13|TK 18|VK 15
Service: 1 Jahr/15.000 km
Garantie: 2 Jahre



Fiat 500 Hybrid: Parkplatz? Kein Thema

Beeindruckt hat der Fiat 500 Elektro mit seinem erwachsenen Fahrverhalten. Kann der Fiat 500 Hybrid in dem Punkt anschließen? Ganz so souverän federt der Benziner Unebenheiten zwar nicht weg, aber es poltert nichts und man steckt keine fiesen Schläge ein, wie bei manch anderem Kleinstwagen. Mit 3,63 Metern ist der Fiat 500 derzeit (und auf absehbare Zeit) das drittkürzeste Automobil in Deutschland und mit gut 1,68 eines der schmalsten (Dacia Spring ist mit 1,58 Metern der schmalste Pkw). Kurzweltmeister ist übrigens der Kia Picanto (3,61 Meter) vor dem Leapmotor T03 (3,62 Meter), beide etwas günstiger als der Fiat 500 Hybrid, aber jeweils am komplett anderen Ende der Style-Skala zu finden.

Und genau da sind wir bei einem nicht zu monetarisierenden Pluspunkt des Fiat 500. Er ist in gewisser Weise klassenlos. Der Supermarktkassierer sieht in ihm ebenso gut aus wie die Münchener Zahnärztin. Zugleich findet den Fiat 500 noch immer jeder süß und mag den in Turin produzierten 500er am liebsten liebhaben. Auch als Hybrid. Optisch sind eh keine Differenzen zum Elektro-500er auszumachen. Lediglich der Kühlergrill ist beim Hybrid „geöffnet“.

Und so verströmt der 500er auch nach acht Jahren Bauzeit noch Dolce Vita und alles, was dazugehört. Vor allem mit der gelben Lackierung „Sun of Italy“ für 700 Euro. Sinnvoll ist die Ausstattungslinie Icon und als Extra empfiehlt sich das Komfortpaket (1.500 Euro), macht zusammen 23.500 Euro (brutto).

Fiat 500: Nicht günstig, aber doch preiswert

Ja, günstig war der 500er nie. Wer das will, muss sich eben mit dem Pandina begnügen oder mit dem Grande Panda. Der Fiat 500 war schon als Elektro „premium“ und ist es als Verbrenner noch viel mehr. Gasdruckdämpfer an der Motorhaube, beheizte Wischerblätter und die Option, ein Cabrio oder den fancy Dreitürer zu fahren, kosten eben das gewisse Extra. 3.000 Euro fürs Rollverdeck oder 1.000 Euro Aufpreis für die kleine Minitür hinten rechts zeigen, dass man es besonders mag. So oder so stiehlt man mit dem Fiat 500 (Hybrid) fast jedem die Show. Der Preisunterschied vom 500 Hybrid zum 500er Elektro (21 kWh) beträgt ausstattungsbereinigt zirka 2.800 Euro. Wenn man den 37-kWh-Akku haben möchte, kommen nochmals 5.000 Euro obendrauf. Kein Wunder also, dass der Fiat 500 Hybrid sich gut verkaufen wird, trotz des Preises, oder wegen diesem. Das kommt dann auf die Sichtweise drauf an.


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