Mit dem #2 bringt Smart einen legitimen Nachfolger des Fortwo zurück. Wie viel vom Ur-Smart steckt in dem neuen Elektro-Zweisitzer? Darüber sprachen wir mit Sylvain Wehnert, Head of Design Creation Smart bei Mercedes-Benz. Seine Premiere feiert die Serienversion des elektrischen Zweisitzers im Oktober in Paris.
War der Smart #2 von Anfang an als moderne Interpretation des Ur-Smart gedacht?
Sylvain Wehnert: Wie alle Smart-Modelle folgt auch der #2 unserer Designphilosophie "Love. Pure. Unexpected". Er steht jedoch in einer direkten Ahnenreihe mit dem ursprünglichen City-Coupé und dem Fortwo. Dieser Historie und der damit verbundenen Verantwortung waren wir uns von Beginn an bewusst. Deshalb war klar, dass wir den ikonischen Charakter des Zweisitzers in die Zukunft übertragen wollen. Gleichzeitig musste sich das Fahrzeug in die heutige Smart-Familie einfügen. Es sollte also kein Retro-Modell entstehen, sondern eine moderne Interpretation mit einem hohen Wiedererkennungswert. Den bietet der #2 allein schon durch seine kompakten Abmessungen und die unverwechselbare Silhouette.
Wie nah bleibt der #2 dem Fortwo?
S. Wehnert: Eine Grundprämisse war, die Abmessungen trotz heutiger Anforderungen, etwa an die Crashsicherheit, möglichst nah am Vorgänger zu halten. Der kurze Zweisitzer ist für uns das perfekte urbane Fahrzeug. Diesen Produktcharakter wollten wir auf keinen Fall verlieren. Die neue Electric Compact Architecture hat es ermöglicht, die Räder wieder weit außen zu positionieren. Diese "Wheels-to-the-Corners"-Architektur schafft die für einen smart typische Silhouette und zugleich möglichst viel Innenraum auf möglichst kleiner Grundfläche. Wir sprechen dabei vom Body Space Index. Technik und Gestaltung haben hier von Anfang an auf dasselbe Ziel hingearbeitet.
Smart Concept #2
Die Tridion-Sicherheitszelle prägte den Ur-Smart optisch. Welche Rolle spielt sie beim #2?
S. Wehnert: Gerade bei einem so kleinen Auto ist Sicherheit besonders wichtig. Die schützende Zelle um die Insassen existiert deshalb konstruktiv weiter. Sie wurde weiterentwickelt, um die heutigen, höchstmöglichen Anforderungen an Schutz und Sicherheit zu erfüllen. Gestalterisch spielen wir dieses Element außen allerdings nicht mehr so prominent. Beim Ur-Smart gehörte die deutlich sichtbare Tridion-Zelle auch zum Materialkonzept. Damals war es wichtig zu demonstrieren, dass ein derart kleines Auto sicher sein kann. Das hat Smart über viele Jahre bewiesen. Beim #2 greifen wir das Thema mit dem zweifarbigen, scheinbar schwebenden "Halo Roof" auf. Es ist gewissermaßen eine moderne Interpretation der Tridion-Idee.
Der #2 wird das Einstiegsmodell der Marke Smart. Wie stark haben die Kosten das Design bestimmt?
S. Wehnert: In einem preissensiblen Segment gehört die Kostenorientierung von Beginn an zu den Grundbedingungen. Es ging aber weniger darum, fertige Designideen später wieder zu streichen. Wir haben vielmehr von Anfang an anders gedacht und bewusst auf teure oder übertriebene Features verzichtet, die das Auto unnötig angereichert hätten. Entscheidend sind der Raum, die prägnanten Proportionen, die Flächen und die Materialität. Diese Konzentration auf das Wesentliche zieht sich seit dem ersten Smart durch die Geschichte des Zweisitzers.
Smart #2 (Vorserie)
Warum kommt der Zweisitzer erst jetzt zurück, wenn doch den bisherigen Modellen nach dem Neustart der Marke die klassische smart DNA weitgehend fehlte?
S. Wehnert: Dass die Zahl "2" in der Modellnomenklatur bislang nicht vergeben war, ist kein Zufall. Bei smart hat man den Zweisitzer immer im Blick behalten. Es war jedoch eine bewusste Entscheidung, beim Neustart der Marke zunächst in andere Segmente zu gehen. Damit sollte Smart zeigen, dass die eigene DNA nicht allein durch die Größe eines Autos definiert wird, sondern durch die Art, wie wir Mobilität, Raumeffizienz und Lösungen denken. Der Zweisitzer bleibt trotzdem der Nukleus der Marke. Er verkörpert diese DNA in ihrer konzentriertesten Form und wird für viele Menschen immer der erste Assoziationspunkt mit smart sein. Insofern ist der #2 nicht nur das künftige Einstiegsmodell, sondern zugleich ein Halo-Produkt und das Herz der Marke.
Der #2 entsteht in Zusammenarbeit mit Geely. Wie stark hat sich das viel zitierte "China Speed" auf den Designprozess ausgewirkt?
S. Wehnert: Auch der Designprozess des #2 war von hoher Geschwindigkeit und Effizienz geprägt. Das war für uns allerdings kein Bruch und keine grundlegende Umstellung, sondern ein weiterer Schritt in einer Entwicklung, die wir in der gesamten Industrie seit Jahren erleben. Neue Werkzeuge und Methoden machen die Abläufe schneller und stringenter. Dazu gehört auch künstliche Intelligenz, die wir inzwischen in allen Bereichen der Kreationsphase nutzen. Sie ersetzt nicht die Kreativität, hilft uns aber dabei, Ideen schneller eine Form zu geben. Die kreative Hoheit bleibt beim Designer. Entscheidend war zudem, dass die europäischen und chinesischen Partner von Anfang an dieselbe Vision für den #2 hatten. So konnten wir den Prozess beschleunigen, ohne gestalterische Kompromisse einzugehen.