Ora startete als GMW-Submarke (Great Wall Motor) in Deutschland 2023 mit dem „Funky Cat“, der kurz darauf in Ora 03 umbenannt wurde. Anfangs viel zu teuer (Startpreis 39.000 Euro). Die Preise purzelten um bis zu 12.000 Euro, die Akzeptanz bei den Kunden war dennoch spärlich. Und dass, obwohl der Ora 03 die technische Basis für den Mini E und Mini Aceman – bis heute. Die 4,80 Meter lange Limousine Ora 07 folgte. Beide Modelle eint: elektrisch angetrieben und ein besonderes Design. Wiedererkennung ist gesichert. Ob es am Design liegt, dass im ersten Halbjahr 2026 lediglich 19 Ora 03 und Ora 07 zugelassen wurden? 19!
Mit dem GWM Ora 5 – nein, da fehlt wirklich keine „0“ vor der 5 – könnte es nun klappen. Warum die Null fehlt, weiß man auch beim GMW-Importeur O! Automobile (gehört zu Frey Import Services aus Friedberg) nicht. Ist halt so. Macht ja auch nichts, ist halt nur merkwürdig.
GWM Ora 5 (1.5 T)
Ora 5: Verbrenner zum Marktstart
Auch merkwürdig: Der Ora 5 startet jetzt als Verbrenner und Hybrid. Die Elektroversion kommt wohl zum Jahreswechsel 26/27. Der Ora 5 ist in China seit knapp zwei Jahren auf dem Markt. Der Preis dort? „Günstiger.“ Aber bleiben wir direkt bei dem Thema, das einige hinter dem Ofen hervorholen könnte. Bis Ende des Jahres gibt es den Ora 5 ab 25.000 Euro (brutto). Danach kommen 2.000 Euro drauf.
Der Preis ist fair – ohne den Blick nach China gerichtet zu haben. Dafür gibt es den GWM Ora 5 Premium. Mit an Bord des 4,47 Meter kompakten SUV sind stets viele Dinge, die den Fahralltag versüßen. Und die man von chinesischen Autos gewohnt ist. Was? Na, zum Beispiel 18-Zoll-Aluräder, sieben Airbags, Klimaautomatik, elektrisch einstellbarer Fahrersitz, beheizbare Sitze vorn, schlüsselloser Zugang und Smartphone-Spiegelung. Was fehlt im „Premium“? Beheizbare Außenspiegel. Eine Kleinigkeit, die in unseren Gefilden nicht nur nervt, sondern ein sicherheitsrelevantes „Assistenzsystem“ ist. Wie aus Friedberg zu vernehmen, sei man da dran. Mal sehen, wie lange China-Speed für so etwas braucht. Assistenzsysteme gibt es eigentlich en masse. Fast alles gesetzlich vorgeschrieben – heizbare Außenspiegel leider nicht. Dafür die nervöse Gesichtsüberwachung. Die könnten verrückte Zeitgenossen mit einem Isolierband abkleben, piept nur einmal nach dem Motorstart, danach Ruhe und kein Gesuche in den Menüs. Zum Erstaunen nerven die anderen Sicherheitssysteme selten. Das Gepiepe ist zurückhaltend. Wie zuverlässig die Assistenten funktionieren, konnten wir auf den ersten Metern noch nicht erfahren.
Wohl aber, wie der Verbrenner agiert. Den Vollhybriden haben wir bewusst außen vorgelassen. Der kostet zwar nur 2.000 Euro mehr als der klassische Verbrenner und spart nach Norm 1,8 Liter pro 100 Kilometer. Aber „billig is king“ beim Ora 5. Und für 25.000 Euro bekommt man einen klassischen 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbo mit 160 PS Leistung und 270 Newtonmetern Drehmoment. Zudem ist der Antrieb an ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe zwangsgebunden. Das agiert im Normalbetrieb ruckfrei und meist vernünftig schaltend. Wer spontan den Gasfuß komplett senkt, hat zwar keinen Kickdown-Druckpunkt, aber der Ora nimmt nach einer kurzen Gedenksekunde Fahrt auf – je nach Gang auch mal zu viel – und die vorderen Hufe scharren wild. Der Fahrer hat keinerlei Befugnis, manuell ins Schaltgeschehen einzugreifen. Somit ist auch das Thema Motorbremse nur dann vorhanden, wenn die Elektronik meint, es sei sinnvoll. Meint sie aber zu selten.
Ora 5: Drehzahlmüde, aber laufruhig
Wer den Vierzylinder in Drehzahlhöhen treibt, wird merken, dass diese gar nicht so hoch sind. Im ersten wird bei spätestens 5.900 Touren in den zweiten geschaltet, danach bereits bei 5.300. Das ist früh und machen einige Diesel „besser“. Daher wirkt der Motor vergleichsweise zugeschnürt und fühlt sich auch eher nach 125 PS an. Macht aber nichts. Selbst wenn diese offiziell im Fahrzeugschein stünden, würde es passen. Dafür bleibt der Vierzylinder ruhig und unaufgeregt. Bei 190 km/h ist Schluss. Dass man sich dann weit vom Normverbrauch von süffigen 6,9 Litern entfernt, ist selbstredend.
Die 190 km/h konnten wir auf unserer Runde nicht antesten. Bis 130 km/h sind wir gekommen und haben das Windsäuseln um den linken Außenspiegel und die A-Säule vernehmen können. Machen andere besser – die sind auch teurer. So muss man in den Preisregionen das Auto eher mit den Qualitäten eines Kleinwagens vergleichen.
Das gilt auch fürs Fahrwerk. Ungelenk hubbelt der Ora 5 beim Langsamfahren über Bodenwellen und fängt an, mit der Vorderachse etwas zu tänzeln. Je schneller man wird, desto weniger fällt das auf. Und vielen sicherlich gar nicht. Dass insgesamt lediglich 360 Kilogramm in den Ora 5 eingepackt werden dürfen, ist wohl „dem Chinesen“ geschuldet. Denn die sind im Schnitt 11 (Frauen) bis 15 Kilogramm (Männer) leichter als Deutsche (Destatis- und China’s National Health Commission-Werte).
Die Lenkung ist per se unauffällig. Ein Fortschritt zu vielen anderen China-Autos, die mit einer Ungenauigkeit glänzen, dass man sich nach der Kurve wundert, überhaupt diese durchfahren zu haben.
Tolles Interieur im Ora 5
Spaß macht dafür bestimmt jedem das Interieur. Das Platzangebot ist überall gut – auch für ein 4,50-Meter-SUV. Die Heckklappe öffnet sogar für 1,90-Meter-Menschen stoßfrei hoch und nimmt die Rückleuchten-Leiste im unteren Bereich der Heckscheibe mit. Bei Bedarf leuchten dann die schmalen Leisten im Stoßfänger, geblinkt wird über diese immer. Daher wirkt der Ora 5, wie auch der am Heck ähnlich gestylte Ora 03, im Dunklen von hinten (zu) schmal. Aber auch hier: Einmal gesehen, wird man die Marke immer wieder von der Ferne identifizieren können. Im Kofferraum fehlen traditionell Verzurrösen. Da hat China-Speed definitiv bei fast allen Herstellern versagt. Bis heute gibt es nur eine Handvoll Fahrzeuge, die dieses sicherheitsrelevante Feature an Bord haben (ja, es muss auch genutzt werden). Dafür wirkt das Frachtabteil hochwertig.
Das Hochwertige zieht sich durch den gesamten Ora 5-Innenraum und man muss schreiben (wäre ein „Leider“ jetzt fies?): Das machen viele europäische Hersteller nicht besser. Und zwar in doppelt und dreifach so teuren Autos. Alleine die Lenkrad-Bedienung (siehe Fotos) sowie die Tasten für Fensterheber und Spiegelverstellung lassen Autofahrerherzen höherschlagen. Was die Langzeitqualität anbelangt, kann man natürlich nur spekulieren. Wir vermuten: Das sieht auch nach 150.000 Kilometern und sieben Jahren noch gut aus. Das ist übrigens die beeindruckende Garantiezeit, mit der der Ora 5 prahlen kann.