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Der Hyundai Ioniq 3 beginnt mit 42-kWh-Akku (Bruttowert) bei knapp 29.000 Euro. Wer jedoch den großen Akku (61 kWh) und noch etwas mehr Ausstattung möchte, landet schnell bei 40.000 Euro.
Der Hyundai Ioniq 3 passt mit 4,15 Metern ins Mini-Segment. Zwei Akkugrößen gibt es und auch sonst bietet der Rüsselsheimer Türke viel (mehr als andere).
Was muss ein Elektroauto können? Korrekt, vernünftig laden, wenig Strom benötigen und natürlich auch noch gut fahren. Wer diese Kriterien an sein Wunsch-E-Auto stellt, sollte mit dem in Rüsselsheim konzipierten und in der Türkei produzierten Stromer der Koreaner – dem neuen Hyundai Ioniq 3 – glücklich werden. Damit könnte die Geschichte bereits hier enden. Doch eigentlich beginnt sie jetzt erst.
Der Hyundai Ioniq 3 ist besonders. Wie alle Hyundai-Elektromodelle hat auch der Ioniq 3 ein besonderes Design. Eine Formgebung, die die Gemüter spalten kann. Und eine, die auf den ersten Blick Nachteile bei der täglichen Nutzung befürchten lässt. Unbegründet (fast).
Gerade in den "unsportlichen" Ausstattungslinien Select, Trend und Prime wirkt der Kleinwagen von vorn unauffällig. Die Doppelleuchtenschlitze sind längst Usus. Beim gefahrenen Prime leuchten die LED-Scheinwerfer in Matrix-Qualität (1.000-Euro-Option bei Trend und N-Line) mit acht Segmenten pro Seite. Ebenfalls pixelig geht es bei den Heckleuchten weiter. Ungewöhnlich, die vier Bremslicht-LED-Punkte als dritte Bremsleuchte. Vor allem sind diese etwas zu tief angebracht, um das eigentliche Ziel (bessere Sichtbarkeit der hintereinander fahrenden Fahrzeuge) zu erhöhen.
Das Greenhouse und das Heck entsprechen sowieso nicht ganz dem Kleinwagen-Schema. Was will der Ioniq 3 sein? SUV? Crossover? Kleinwagen? Ähhh, nein, "Aero Hatch" nennt Hyundai die Wort- und Designkreation. Immerhin: Eine ordentliche Aerodynamik haben sie ihm mitgegeben. 0,26 lautet der Bestwert für die 28.950 Euro teure Basisversion Select mit 42-kWh-Akku und "balonigen" (und sicherlich komfortablen) 16-Zoll-Stahlrädern. Immerhin: Bereits hier kann der Kunde den 61-kWh-Akku wählen. Aufpreis: exakt 4.000 Euro – autsch. Die Basis ist bereits ordentlich ausgestattet. Jedoch gibt es außer einer Wärmepumpe keine Optionen.
Hyundai Ioniq 3: Sinnvolle Ausstattung
Unsere Empfehlung lautet Trend (ab 31.950 Euro) oder Prime (Testwagen, ab 39.650 Euro, da stets mit großem Akku). Hier können sinnvolle Extras die umfangreiche Serienausstattung ergänzen. Die Wärmepumpe (1.000 Euro bei Trend) taugt für Viellader, ebenso das Technik-Paket mit 22-kW-Option (teure 1.650 Euro). Das haben in der Fahrzeugklasse nur noch der R4, der R5 und der Technikbruder des Ioniq 3, der Kia EV 2.
Und das schnelle Langsamladen ist gerade bei einem Kleinwagen, der vermutlich oft von Menschen ohne Eigenheim/Garage genutzt werden wird, supersinnvoll. Vorn rechts angestöpselt ist der kleine Akku in gut zwei, der große in drei Stunden voll. Wer es noch eiliger hat, lädt im DC-Tempo. Der 42er-Akku basiert auf der LFP-Technik und lädt mit maximal 119 kW. Der große NMC-Akku mit 62 kWh kann "nur" 110 kW. In der Fahrzeugklasse (Opel Mokka-e, Ford Puma-e, VW ID. Cross, R4) ist das mehr oder weniger die Norm. Erfahrungsgemäß müsste die 10-80er-Ladekurve "gesund" aussehen und sich bei kurz unter 100 kW einpendeln und damit auch für gelegentliche Langstrecken taugen.
Hyundai Ioniq 3 Prime (61 kWh) Preis und technische Daten
Bei der Motorleistung ist ebenfalls Erfreuliches zu berichten. Bei der Entwicklung hat Hyundai ein sinnvolles Maß an Leistung gefunden. Je nach Akku sind 147 PS für den LFP und 135 PS für den größeren NMC vorhanden. Und das ist, so PS-verwöhnt die Elektromobilisten mittlerweile sind, der so genannte Sweet Spot. Weniger wäre unsinnig, mehr unnötig, wie unsere erste Testfahrt nahe der Produktionsstätte Izmit (östlich von Istanbul) zeigte. Auch der 135-PS-Fronttriebler scharrt beim kräftigen Tritt mit den Hufen und sprintet in 9,5 Sekunden auf Tempo 100, zehn km/h mehr, als in der Türkei auf Landstraßen erlaubt ist. Wer es eilig hat, kann (nur in Deutschland und der Isle of Man) legal bis Tempo 170 "durchbeschleunigen".
Die Kraft (250 Newtonmeter) ist gut dosierbar und kommt nie überraschend und stets druckvoll. In drei Rekuperationsstufen kann die Energiezurückgewinnung einfach via Lenkradwippen justiert werden – sehr schön. Wer möchte, aktiviert über diese den One-Pedal-Drive und bremst sanft bis zum Stillstand ohne Berührung des Bremspedals. 13,7 kWh lautet die Verbrauchs-Idealvorstellung von Hyundai. Je nach Antrieb und Ausstattung kommen eher zwei kWh dazu – auf dem Papier und in der Realität.
Mit Akustikglas unterwegs
Laut Vice President Product (Hyundai Motor Europe), Raf Van Nuffel, hat man großen Wert auf akustische Zurückhaltung gelegt. Dickes Glas an Front und vorderen Seitenscheiben sind in der Tat in der Klasse ungewöhnlich und sollen im Prime und N-Line Evo Wind und Abrollgeräusche draußen lassen. Das gelingt ungefähr so, dass man sich nicht über die Fahrgeräusche wundert, aber auch nicht mit einem Wow-Erlebnis bei 140 Sachen unterwegs ist.
140 km/h ist ein gutes Autobahntempo für den Ioniq 3. Der große Kleinwagen federt mit 18-Zoll-Reifen (Serie bei Prime) angenehm, schwingt auf langen Wellen sanft und kontrolliert nach und nimmt auch scharfe Brückenabsätze gelassen. Fährt man die nächste Ausfahrt raus, merkt man, dass die sportliche Gangart zwar möglich ist, aber weder Lenkung noch Fahrwerk den Fahrer anspornen, diese herauszufordern.
Die Sitze sind fürs Kleinwagensegment überdurchschnittlich verstellbar.
Ebenfalls keine Herausforderung im positiven Sinne ist es, vier Erwachsene unterzubringen. Selbst 1,90-Meter-Menschen überstehen die Zeit bis zur ersten Ladepause spielend – sofern hinten keine Sitzriesen (langer Oberkörper) an Bord sind. Sitzen die vorderen Passagiere "ganz unten", passen allerdings hinten kaum mehr Füße unter die Sitze, die sich ziemlich optimal positionieren lassen. Eine Gurthöhenverstellung gibt es immer. Mit der im Prime und N-Line Evo möglichen elektrischen Sitzverstellung lässt sich sogar die Sitzfläche in der Neigung verstellen – das ist Premium. Vierfach-Verstellung der vorderen Kopfstützen sind im Prime und N-Line dabei und entspannen die Kopfhaltung.
Außerdem an Bord: Beleuchtung im Fond (nicht im Select), Haltegriffe am Dach, Schminkspiegel mit Taste zum Einschalten der Beleuchtung (nicht im Select), vernünftige Türgriffe innen (und außen), voll versenkbare Fondscheiben und eine stets manuelle Heckklappe mit griffiger Zuziehmöglichkeit. Hinter diese passen 441 Liter, aufgeteilt auf zwei Ebenen, bis ganz runter zwischen die Hinterräder. Da passt sogar der sinnvoll zusammengestellte Familienurlaub rein, und eine Dachbox (100 Kilogramm Dachlast) darf auf den Ioniq 3. So fühlt sich der kurze Ioniq 3 tatsächlich eine Klasse höher an – beim Raumangebot und beim Fahrkomfort.
Hyundais Ioniq 3 ist technisch vorn
Ebenfalls gut gemacht ist das Arrangement, mit dem sich der Fahrer beschäftigen muss. Der Basisversion wird das weit entfernte, individuell bespielbare Fahrerdisplay vorenthalten. Bei allen anderen lassen sich dort die wichtigsten Infos perfekt ablesen und die Inhalte an die eigenen Wünsche anpassen. Mehr Infos und Einstellmöglichkeiten gibt es im großen Hauptdisplay – vielleicht sogar zu viele. Wirklich nervig ist das stets "mitfahrende Auto" im Display ganz links. Leute, wofür soll das sein? Es irritiert eher, da sich stets etwas im Display bewegt. Besser: Dort echte Infos einblenden. Oder einfach das Navidisplay weiter nach links rücken, oder Shortcuts dauerhaft anzeigen, oder oder oder. Fast alles ist besser, als zu sehen, ob das Bremslicht gerade leuchtet oder vor dem Ioniq 3 ein Motorrad fährt.
Schön gelöst hat Hyundai auch beim Ioniq 3 die Kombination aus haptischen Reglern, Tasten und Touchbedienung. So lassen sich die Luftausströmer perfekt einstellen, die Innenraumtemperatur blind per Wippe verändern, die Sitzheizung aktivieren, die Lautstärke regeln und beispielsweise Spiegel einstellen. Warum machen das nicht alle so einfach – und damit gut? Auch clever: Wer lange auf die Tempoanzeige drückt, deaktiviert drei Assistenten auf einmal. Ebenfalls pfiffig: die Kabeldurchreiche für jene, die ihr Handy noch per Kabel laden möchten.
Ioniq 3: Preislich am oberen Ende
Ein (nicht zu öffnendes) Glasdach mit echtem Rollo gibt es ab Prime für 1.000 Euro, ein Bose-Soundsystem ist bei den beiden Top-Lines Serie und die Batterievorkonditionierung fehlt lediglich in der Basis. So kommt es, dass die Kritik am Hyundai Ioniq 3 klein ausfällt. Er schwimmt größenmäßig irgendwo zwischen VW ID.3 Neo und Cupra Raval. Preislich ist er jedoch näher am VW ID.3 Neo Life mit 58-kWh-Akku und 190 PS. 41.000 Euro brutto für den Ioniq 3 Prime mit 61-kWh-Akku sind leider auch kein Schnäppchen für einen Kleinwagen, der keiner ist. 5 Jahre Garantie (ohne Kilometerbeschränkung) versüßen die Versuchung und geben Sicherheit.
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