Deutschland war Kombiland. Wie sooft schwappte der Trend aus den USA rüber. Handwerker, Vertreter und Lieferdienste waren bereits in den 1960ern auf viel Platz in einem dennoch komfortablen Automobil angewiesen, in den USA und auch in Deutschland. Eine Dekade später merkten auch Familienväter, dass ein Kombi nicht nur praktisch ist, sondern vielfach auch gut. Volvo 245, Mercedes S 123 („E-Klasse“), Opel und Ford, alle hatten Kombis im Angebot.
Ab den 1990ern hatte fast jeder Autohersteller mindestens einen Kombi im Portfolio. Und die Dienstwagenberechtigten fuhren im wahrsten Sinne des Wortes auf Kombis ab. Zur selben Zeit ebbte die Nachfrage auf der anderen Seite des Teiches ab, Vans und langsam auch SUVs kamen auf. Bei uns kam der VW Passat Variant in der Kombi-Hochzeit auf einen Anteil von 90 Prozent am Modell. Mittlerweile sind es beim Passat 100 Prozent, Kombi-only.
Beim Skoda Superb hat der Kunde nach wie vor die Karosseriewahl. Und das Fließheck sieht sehr elegant aus. Dennoch liegt der Anteil der Limousinenkäufer im niedrigen einstelligen Bereich. Alle kaufen den Skoda Superb Combi, zumindest in Deutschland. Wir fuhren diesen als dienstwagenfreundlichen, 0,5-Prozent-besteuerten Plug-in-Hybrid.
Skoda Super Combi iV (Plug-in-Hybrid 204 PS)
Skoda Superb Combi iV mit 204 PS
Hat der Kunde bei der Superb Limousine die Wahl zwischen einem Plug-in mit 204 und 272 PS, gibt es beim Kombi ausschließlich die schwächere Version. Beim Passat kann man selbstverständlich beide wählen. Gekappt wird das Motorenportfolio des Tschechen, der mit dem Passat in der Slowakei vom Band rollt, auch am unteren Ende.
Startet der Wolfsburger mit einem 122-PS-TDI (noch), beginnt der Fahrspaß im Skoda erst bei 150 PS als TDI oder sanft hybridisierter TSI. Daran anschließend gibt es einen 193-PS-Diesel inklusive Allradantrieb. Bei der Benzinerfraktion geht es mit „klassischen“ 204 sowie 265 PS weiter und endet dort.
Für Dienstwagenfahrer ohne Zweifel die attraktivste Version ist der PHEV mit seiner Systemleistung von 204 PS. Der Testwagen kam in der nicht so ganz passenden Ausstattungslinie Sportline. Da verspricht die Optik etwas mehr, als beim Tritt aufs Gaspedal erfüllt werden kann. Zwei Tonnen Leergewicht müssen sich in Bewegung setzen. Das sind rund 250 Kilogramm Mehrgewicht zum 1,5-Liter-TSI mit 150 PS.
Dieses Basistriebwerk nutzt auch der PHEV und bekommt in den allermeisten Fällen Unterstützung vom E-Motor. Zusammen geht es flott voran. Wer keinen Wert auf die „Sportoptik“ legt, ist mit der knapp 8.000 Euro günstigeren Ausstattung Selection oder aber der zum Sportline preisähnlichen Nobel-Linie L&K (ab 58.860 Euro) besser bedient.
In den meisten Fällen schiebt der E-Motor ausreichend an. Ist mehr Leistung gefragt oder der Akku leer, übernimmt der Verbrenner die Hauptarbeit und vermeldet das bei hohen Drehzahlen hörbar. Mit 204 PS ist man souverän unterwegs, auch für Zwischenspurts und Überholvorgänge auf der Landstraße.
Reichweite und Verbrauch des Superb PHEV
Das Duo erfreut in jedem Fall mit einem sehr niedrigen Spritverbrauch, selbst mit leerem Akku auf der Langstrecke. Wer sich im Bereich der Richtgeschwindigkeit bewegt, schafft mit vorausschauender Fahrweise eine „Fünfkommafünf“. Das lindert die ersten „Schmerzen“ beim Blick auf den geringen Tankinhalt: 45 Liter sind in der PHEV-Welt zwar üblich und doch wenig.
Mit Strom aus dem brutto 25,7 kWh großen Akku zu fahren, ist die beste Lösung. Idealerweise gezapft an der Büro-Wallbox oder zuhause. Wer das lebt, kann mit etwas Anstrengung und bei milder Witterung 140 Elektro-Kilometer aus den netto knapp 20 kWh holen. 100 Kilometer E-Fahrt sollten auch an kalten Tagen realisierbar sein.
Geschaltet wird mittels Doppelkupplungsgetriebe fast ohne Zutun des Fahrers und fast unmerklich. Dass es nur sechs Gänge sind, früher ein Manko, fällt nicht negativ auf. Eher der omnipräsente Wahl-Knüppel zum Einlegen der Fahrstufe. Was im Stellantis-Konzern zu filigran ausgefallen ist, macht Volkswagen zu klobig.
Trailerfahrer können sich beim Skoda Superb Combi iV, wie die Plug-in-Hybride bei Skoda mittlerweile bekürzelt werden, über 1.800 Kilogramm Anhängelast freuen. 1.160 Euro kostet die auf Knopfdruck ausklappbare Anhängekupplung inklusive „Trailer Assist“, der beim Rückwärtsrangieren das Lenken übernimmt.
Superb überzeugt bei Bedienung und Komfort
Dabei gelingt das auch manuell, also „von Hand“, sehr gut. Die Sitzposition im Superb ist superbe. Gerade mit den Sportsitzen passt das vermutlich für fast alle Front-Insassen. Leider fehlt dann eine Justage der Kopfstütze.
Ergänzt wird das Ergonomie-Lob durch vernünftige Tasten und einfach bedienbare Walzen im Lenkrad. Die Temperatur kann man erdrehen, für die Umluft gibt es eine eigene Taste und noch ein paar mehr. Riesengroße Kacheln im 13-Zoll-Display zeigen, wie einfach ein gutes Infotainmentsystem bedienbar gemacht werden kann.
Viele, nach eigenen Wünschen belegbare Schaltflächen ergeben nach ein bisschen Einstellarbeit ein persönliches Wohlgefühl mit kurzen „Wegen“ zum Ziel. Diese sind auch beim Deaktivieren der Assistenten möglich. Das Deaktivieren wird eventuell häufiger gemacht, als es sinnvoll ist. Denn der Superb wurde nicht müde, Fehlalarme zu geben. Vor allem Heckkollisionsmeldungen mit Bremsschlag erschreckten im Testzeitraum mehrmals die Insassen beim Paralleleinparken rückwärts, wenn Autos von hinten nahten, obwohl sie auf der Nebenspur unterwegs waren, drohte für den Skoda ein Heckaufprall.
Supereasy per Walze am Lenkrad sind Lane-Assist und Tempowarner deaktiviert. Dabei ist gerade der Tempobimmler zurückhaltend und setzt erst bei „echter“ Überschreitung des Limits ein. Bei 50 wird beispielsweise erst ab Tachoanzeige 54 gewarnt.
Egal, ob Stadttempo oder Autobahn-Hochgeschwindigkeit: Der Skoda Superb Combi rollt souverän ab. Die am Sportline montierten 19-Zoll-Räder trüben den Komfort dezent, das adaptive Fahrwerk (Serie bei Sportline iV) erhöht ihn auf Wunsch immens. Die Spreizung der Dämpfer ist erstklassig. Ergänzt wird das saubere Fahrerlebnis von einer gefühlvollen Lenkung. Sie reagiert spontan, auf der Autobahn stoisch gelassen und insgesamt auf hohem Niveau.