Skoda Superb Combi iV im Test: Kombi, klasse

15.10.2026 10:16 Uhr | Lesezeit: 5 min
Vor einer silbernen Metallwand schräg von vor fotografierter Skoda Superb iV. Bildergalerie
Der Skoda Superb Combi iV sieht in der Ausstattungslinie Sportline vielleicht sogar schneller aus als er ist.
©Foto: Michael Blumenstein

Der Kombi stirbt auch in Deutschland einen langsamen Tod. Warum, fragt man sich nach vielen Kilometern im Skoda Superb Combi iV. Der Plug-in-Hybrid verbindet viel Platz mit hoher elektrischer Reichweite, niedrigem Verbrauch und Dienstwagenqualitäten. Im Fahrbericht zeigt der 204-PS-PHEV aber auch ein paar Schwächen.

Deutschland war Kombiland. Wie sooft schwappte der Trend aus den USA rüber. Handwerker, Vertreter und Lieferdienste waren bereits in den 1960ern auf viel Platz in einem dennoch komfortablen Automobil angewiesen, in den USA und auch in Deutschland. Eine Dekade später merkten auch Familienväter, dass ein Kombi nicht nur praktisch ist, sondern vielfach auch gut. Volvo 245, Mercedes S 123 („E-Klasse“), Opel und Ford, alle hatten Kombis im Angebot.

Ab den 1990ern hatte fast jeder Autohersteller mindestens einen Kombi im Portfolio. Und die Dienstwagenberechtigten fuhren im wahrsten Sinne des Wortes auf Kombis ab. Zur selben Zeit ebbte die Nachfrage auf der anderen Seite des Teiches ab, Vans und langsam auch SUVs kamen auf. Bei uns kam der VW Passat Variant in der Kombi-Hochzeit auf einen Anteil von 90 Prozent am Modell. Mittlerweile sind es beim Passat 100 Prozent, Kombi-only.

Beim Skoda Superb hat der Kunde nach wie vor die Karosseriewahl. Und das Fließheck sieht sehr elegant aus. Dennoch liegt der Anteil der Limousinenkäufer im niedrigen einstelligen Bereich. Alle kaufen den Skoda Superb Combi, zumindest in Deutschland. Wir fuhren diesen als dienstwagenfreundlichen, 0,5-Prozent-besteuerten Plug-in-Hybrid.


Skoda Super Combi iV (Plug-in-Hybrid 204 PS)

Skoda Super Combi iV (Plug-in-Hybrid 204 PS) Bildergalerie

Skoda Superb Combi iV mit 204 PS

Hat der Kunde bei der Superb Limousine die Wahl zwischen einem Plug-in mit 204 und 272 PS, gibt es beim Kombi ausschließlich die schwächere Version. Beim Passat kann man selbstverständlich beide wählen. Gekappt wird das Motorenportfolio des Tschechen, der mit dem Passat in der Slowakei vom Band rollt, auch am unteren Ende.

Startet der Wolfsburger mit einem 122-PS-TDI (noch), beginnt der Fahrspaß im Skoda erst bei 150 PS als TDI oder sanft hybridisierter TSI. Daran anschließend gibt es einen 193-PS-Diesel inklusive Allradantrieb. Bei der Benzinerfraktion geht es mit „klassischen“ 204 sowie 265 PS weiter und endet dort.

Für Dienstwagenfahrer ohne Zweifel die attraktivste Version ist der PHEV mit seiner Systemleistung von 204 PS. Der Testwagen kam in der nicht so ganz passenden Ausstattungslinie Sportline. Da verspricht die Optik etwas mehr, als beim Tritt aufs Gaspedal erfüllt werden kann. Zwei Tonnen Leergewicht müssen sich in Bewegung setzen. Das sind rund 250 Kilogramm Mehrgewicht zum 1,5-Liter-TSI mit 150 PS.

Dieses Basistriebwerk nutzt auch der PHEV und bekommt in den allermeisten Fällen Unterstützung vom E-Motor. Zusammen geht es flott voran. Wer keinen Wert auf die „Sportoptik“ legt, ist mit der knapp 8.000 Euro günstigeren Ausstattung Selection oder aber der zum Sportline preisähnlichen Nobel-Linie L&K (ab 58.860 Euro) besser bedient.

In den meisten Fällen schiebt der E-Motor ausreichend an. Ist mehr Leistung gefragt oder der Akku leer, übernimmt der Verbrenner die Hauptarbeit und vermeldet das bei hohen Drehzahlen hörbar. Mit 204 PS ist man souverän unterwegs, auch für Zwischenspurts und Überholvorgänge auf der Landstraße.

Reichweite und Verbrauch des Superb PHEV

Das Duo erfreut in jedem Fall mit einem sehr niedrigen Spritverbrauch, selbst mit leerem Akku auf der Langstrecke. Wer sich im Bereich der Richtgeschwindigkeit bewegt, schafft mit vorausschauender Fahrweise eine „Fünfkommafünf“. Das lindert die ersten „Schmerzen“ beim Blick auf den geringen Tankinhalt: 45 Liter sind in der PHEV-Welt zwar üblich und doch wenig.

Mit Strom aus dem brutto 25,7 kWh großen Akku zu fahren, ist die beste Lösung. Idealerweise gezapft an der Büro-Wallbox oder zuhause. Wer das lebt, kann mit etwas Anstrengung und bei milder Witterung 140 Elektro-Kilometer aus den netto knapp 20 kWh holen. 100 Kilometer E-Fahrt sollten auch an kalten Tagen realisierbar sein.

Geschaltet wird mittels Doppelkupplungsgetriebe fast ohne Zutun des Fahrers und fast unmerklich. Dass es nur sechs Gänge sind, früher ein Manko, fällt nicht negativ auf. Eher der omnipräsente Wahl-Knüppel zum Einlegen der Fahrstufe. Was im Stellantis-Konzern zu filigran ausgefallen ist, macht Volkswagen zu klobig.

Trailerfahrer können sich beim Skoda Superb Combi iV, wie die Plug-in-Hybride bei Skoda mittlerweile bekürzelt werden, über 1.800 Kilogramm Anhängelast freuen. 1.160 Euro kostet die auf Knopfdruck ausklappbare Anhängekupplung inklusive „Trailer Assist“, der beim Rückwärtsrangieren das Lenken übernimmt.

Superb überzeugt bei Bedienung und Komfort

Dabei gelingt das auch manuell, also „von Hand“, sehr gut. Die Sitzposition im Superb ist superbe. Gerade mit den Sportsitzen passt das vermutlich für fast alle Front-Insassen. Leider fehlt dann eine Justage der Kopfstütze.

Ergänzt wird das Ergonomie-Lob durch vernünftige Tasten und einfach bedienbare Walzen im Lenkrad. Die Temperatur kann man erdrehen, für die Umluft gibt es eine eigene Taste und noch ein paar mehr. Riesengroße Kacheln im 13-Zoll-Display zeigen, wie einfach ein gutes Infotainmentsystem bedienbar gemacht werden kann.

Viele, nach eigenen Wünschen belegbare Schaltflächen ergeben nach ein bisschen Einstellarbeit ein persönliches Wohlgefühl mit kurzen „Wegen“ zum Ziel. Diese sind auch beim Deaktivieren der Assistenten möglich. Das Deaktivieren wird eventuell häufiger gemacht, als es sinnvoll ist. Denn der Superb wurde nicht müde,  Fehlalarme zu geben. Vor allem Heckkollisionsmeldungen mit Bremsschlag erschreckten im Testzeitraum mehrmals die Insassen beim Paralleleinparken rückwärts, wenn Autos von hinten nahten, obwohl sie auf der Nebenspur unterwegs waren, drohte für den Skoda ein Heckaufprall.

Supereasy per Walze am Lenkrad sind Lane-Assist und Tempowarner deaktiviert. Dabei ist gerade der Tempobimmler zurückhaltend und setzt erst bei „echter“ Überschreitung des Limits ein. Bei 50 wird beispielsweise erst ab Tachoanzeige 54 gewarnt.

Egal, ob Stadttempo oder Autobahn-Hochgeschwindigkeit: Der Skoda Superb Combi rollt souverän ab. Die am Sportline montierten 19-Zoll-Räder trüben den Komfort dezent, das adaptive Fahrwerk (Serie bei Sportline iV) erhöht ihn auf Wunsch immens. Die Spreizung der Dämpfer ist erstklassig. Ergänzt wird das saubere Fahrerlebnis von einer gefühlvollen Lenkung. Sie reagiert spontan, auf der Autobahn stoisch gelassen und insgesamt auf hohem Niveau.

Foto der Deaktivierung der Assistenzsysteme über den Bordcomputer
Die einfachste Möglichkeit, Assistenten abzuschalten bietet Renault. Aber auch diese Lösung ist nach kurzer Eingewöhnung schnell und ohne hinzuschauen machbar. Und sicherlich auch bei Skoda eine der am häufigsten genutzten Taste + Walze.
©Foto: Michael Blumenstein

Skoda Superb Combi Sportline 1.5 TSI iV

Testwagenpreis: 65.460 € (brutto)
R4/1.498 cm3
Systemleistung: 150 kW/204 PS | 350 Nm 
8,1 s | 220 km/h | 6-Gang-DSG
Akkukapazität: 19,7 kWh (netto)
AC: 11 kW|DC: 40 kW
WLTP: 1,5 Liter + 13,4 kWh 
CO2: 35g/km
elektr. Reichweite: 137 km
Maße: 4.902 x 1.849 x 1.494 mm
Kofferabteil: 510–1.770 Liter
Versicherung: HK 13 | TK 21 | VK 23
Wartung: 2 Jahre/30.000 km
Garantie: 2 Jahre



Klar: Viel Platz im Skoda Superb Combi

An Bord unseres Testwagens war das zurückhaltend installierte Canton-Soundsystem. 700 Euro werden dafür aufgerufen. 14 Lautsprecher generieren einen sehr ausgewogenen und klaren Klang. Das System „merkt“, ob der Wagen mit Glas-Schiebedach, Leder- oder Stoffsitzen ausgestattet ist, und passt die Abstimmung daran an. Wer Bässe mag, wird jedoch vermutlich enttäuscht sein. Das Canton-System liebt die leisen Töne klassischer Musik mehr. Ob es die 700 Euro beim PHEV wert ist, sollte man nach einer Hörprobe selbst entscheiden.

Gepaart ist das Bedien- und Digital-Arrangement mit einer Materialqualität, die sich durch den Einsatz von Stoffen und Alcantara vorzüglich anfühlt. Toll sind nach wie vor die Regenschirmfächer in den Türverkleidungen. Beim baugleichen Passat befinden sich an den beiden Stellen profane Blindstopfen, die das Qualitätsgefühl nicht heben. Auch die Auskleidung des Kofferraums und das Gefühl der Verzurrösen versprechen im slowakischen Tschechen Langlebigkeit.

Lang ist ein Stichwort. Vermutlich wird ein 4,90-Meter-Kombi oft auf der Langstrecke eingesetzt. Im Stadtverkehr sind die Abmessungen bereits hinderlich. Abmessungs- und Skoda-typisch gibt es innen sehr viel Platz. Freilich exakt so viel wie im baugleichen Passat.

Aber egal, wo man sitzt, man hat ein Raumgefühl wie in der Luxusklasse. Eigentlich ist es zu viel. Vor allem die Hinterbänkler wissen gar nicht, wie oft sie die Beine übereinander schlagen sollen. Daher hat sich Skoda vielleicht auch das Paket „Familie“ ausgedacht: Seitenairbags hinten, Sonnenschutzrollos an den Fondscheiben und „Schlafkopfstützen“. In einer Limousine wären das Zutaten für ein Chauffeursfahrzeug. Wer die Rückbank umlegt, bekommt eine leicht ansteigende Fläche mit einer Länge von 2,02 Meter. Die in Normalstellung „nur“ 510 Liter Kofferraumvolumen (unter dem Rollo) sind der Hybridtechnik geschuldet. Irgendwo müssen die 250 Kilogramm Mehrgewicht ja hin.

Fazit: Der Superb Combi iV als Dienstwagen

So hinterlässt der Skoda Superb Combi iV einen Gesamteindruck, der nur schwer erklären lässt, warum man in der teilelektrifizierten 200-PS-Kombi-Klasse ein anderes Fahrzeug wählen sollte.

Hinzu kommt eine DAT-Restwertprognose, die zeigt, dass sich der Superb nach drei Jahren deutlich höher vermarkten lässt als der teurere Zwilling VW Passat Variant, den wir hier im Test hatten.

All dessen ist sich wohl auch Skoda bewusst und hat eine Preisvorstellung, die der eigentlichen Skoda-Erfolgsformel diametral gegenübersteht. Skoda war mal günstig. Der Testwagen bringt es auf gut 65.000 Euro. Da wird der Abstand zu einem Mercedes C300 e (Plug-in) mit 326 PS sehr knapp.

Den Einstieg in die PHEV-Welt bei Skoda macht daher der Superb Combi Selection ab 51.650 Euro. Für 55.000 Euro ist dieser gut ausgestattet. Ein Skoda Kodiaq kostet mit identischem Antrieb mindestens 54.320 Euro und den Octavia gibt es vermutlich erst zum Facelift 2027 wieder als Plug-in-Hybrid.

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