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Der Insel-Spediteur

Die Versorgung der Nordsee-Insel Norderney begann mit Pferdefuhrwerken, diese sind natürlich längst Vergangenheit. Die Zukunft surrt ganz leise bis zum Leuchtturm.


Datum:
02.05.2022
Autor:
rs
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Wenn die Rampe der Fähre im Hafen von Norderney herunterfährt, gibt sie den Weg frei für all jene Waren, die mühsam auf eine Nordseeinsel gebracht werden müssen. Ein Teil davon geht fortan in die Obhut der Spedition Johann Fischer KG mit Sitz auf Norderney, vertreten durch den Inhaber und Geschäftsführer Georg Fischer, er ist hier der Insel-Spediteur.

Insel-Spediteur - das ist kein Titel, sondern eine leidenschaftliche Berufung. Diesen Eindruck gewinnt jeder, der mit Georg Fischer spricht. Über Norderney zum Beispiel. Seine Insel. Hier wuchs er auf, hier kam er 1988 als 26-Jähriger zurück, um zusammen mit seinem Vater und dem Onkel jene Spedition zu führen, die im Jahre der Gründung (1897) mit Pferdefuhrwerken begann, Waren auf der Insel zu verteilen.

Der Ausgangspunkt der Touren ist das Festland. Genauer gesagt das Städtchen Norden. Hier landen die Waren, die seit 1872 von der Spedition Peter Janssen auf die sechs bewohnten Ostfriesischen Inseln - Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge - verteilt werden. Beide Speditions-Familien - Janssen und Fischer - sind verwandt, so ergab sich 1994 für Fischer die Gelegenheit, die Festland-Dependance zu übernehmen."In den fünf anderen Gebieten gibt es eigene Insel-Spediteure, nur auf Norderney übernehmen wir dann auch die Verteilung der Waren auf der letzten Meile", berichtet der Ostfriese.

Startpunkt auf der Insel ist der Hafen. Nach der gut einstündigen Fährfahrt beginnt für die Touristen der Urlaub. Und für die gut 85 Mitarbeiter des Transportunternehmens die Arbeit. Die Waren auf den Sattelzugmaschinen kommen zur Umschlaghalle und werden anschließend verteilt. Das Wort Stückgut beschreibt nur in Ansätzen, was hier alles anlandet: Pakete, Post, Waren des täglichen Bedarfs, Baumarktutensilien - von der Zahnbürste bis zur Betondecke und die Reisekoffer der Touristen. Vom Hafen geht es dann von Haus zu Haus. Das sind leicht mehr als 100 Stopps bei 50 bis 70 Tageskilometern. Die weiteste Strecke geht "bis hinter den Leuchtturm", wie Fischer sie nennt, das sind sieben Kilometer one way.

Der 58-jährige Insel-Spediteur ist selbst ausgebildeter Speditionskaufmann, so dass sein Unternehmen ganz bewusst auch auf die Ausbildung setzt. Das geschieht im Ostfriesisch-Papenburger Ausbildungsverbund für Logistikberufe. Rund 100 Einheiten bilden den Fuhrpark, davon sind die Hälfte ziehende Einheiten. Neben den 18 großen 40-Tonnern mit dem Büssing-Löwen auf der Motorhaube zählen auch sechs Transporter zur großen MAN-Truppe. Drei davon sind Selbstzünder, die drei anderen fahren emissionsfrei als eTGE, sie sind also Elektro-Modelle.

Diese sind etwas länger als zwei Jahre im Einsatz. Wenn sie im Folgejahr aus dem Leasing gehen, werden sie so gut wie neu sein. Denn in den ersten eineinhalb Jahren lief der Tacho nur auf gut 7.000 Kilometer. "Deshalb passen die E-Modelle perfekt auf unsere Insel, denn sie helfen, die Natur hier am Wattenmeer zu schützen und bringen dennoch ihre Leistung", meint Fischer.

Eigene teure PV-Anlage

Der Händler sitzt übrigens in Emden, aber er kommt für Wartungs- und Servicearbeiten auf die Insel. Doch bis zum Jahresstart 2022 war er hier noch nicht gesehen. "Das ist überraschend, aber auch gut so", lacht der Spediteur. Denn das surrende Lastesel-Trio läuft ohne Beanstandung. Voll ausgeladen mit einer Tonne Nutzlast sind sie quasi nie. "Das Reisegepäck etwa, das an die Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen gebracht wird, ist wie die Post überschaubar." Hinzu kommt der kleine Aktionsradius der Transporter. So dass sie oft nur alle zwei Tage neuen Strom für die Akkus brauchen. Dann geht es an eine von drei Ladesäulen, die der Unternehmer auf eigene Kosten installieren ließ.

"Da wir pro Fahrzeug 6.000 Euro Förderung erhielten, waren diese Kosten von gut 12.000 Euro schnell gedeckt." Den Strom bezieht die Insel-Spedition nicht etwa mit Hilfe eigener Windräder ("Die scheiterten an der Genehmigung."), sondern mittels der eigenen Photovoltaikanlage, die 2019 auf das eigene Möbellager gepackt wurde. Im Peak sind 45 kW verfügbar - das entspricht etwa 45.000 kWh Leistung pro Jahr. Die Installationskosten in Höhe von gut 150.000 Euro sind trotz der erhöhten Einspeisevergütung allerdings längst noch nicht wieder drin. Als Standortvorteil erweisen sich die recht milden Winter. Die alpinen Härten der weißen Jahreszeit kennen die Insulaner nicht wirklich, so dass die Reichweiten der Stromer saisonal nicht so stark schwanken wie bei den Festland-Brüdern. Gut 120 E-Kilometer bleiben ganzjährig als Hausnummer bestehen. Das hilft natürlich dabei, jene vom E-Antrieb zu überzeugen, die mehrheitlich Diesel im Blut haben."Meine Fahrer mögen die leisen Transporter, denn der Fahrkomfort ist hoch und der Umgang mit ihnen gelingt leicht", resümiert Fischer.

Eine Sache hätte der umtriebige Ostfriese aber dennoch gern für seine rollenden Leisetreter. "Ich bin mit niemanden verheiratet - außer mit meiner Frau. Deshalb bekommt der erste Anbieter, der mir ein Fahrgestell mit E-Antrieb samt KEP-Aufbau liefern kann, den Zuschlag." Sagt es, lacht dabei und geht hinaus ins Immergrüne und Immer-windige seiner Insel.

Johann Fischer - Norderneyer Spediteur seit 1897

Mitarbeiter: 85Fuhrpark: rund 100 Einheiten, davon gut 50 ziehend, unter anderem 18 MAN Sattelzüge, sechs MAN TGE-Transporter davon drei eTGEFracht: Stückgut, KEP, Lebensmittel, Gepäck der Inselgäste und anderes

Förderrichtlinie für Nutzfahrzeuge mit alternativen Antrieben (Auszug)

Förderung der Anschaffung von neuen klimafreundlichen Nutzfahrzeugen der EG-Fahrzeugklassen N1, N2 und N3 sowie auf alternative Antriebe umgerüsteter Nutzfahrzeuge der EG-Fahrzeugklassen N2 und N3 in Höhe von 80 Prozent der Investitionsmehrausgaben im Vergleich zu einem konventionellen Dieselfahrzeug. Förderung der für den Betrieb der klimafreundlichen Nutzfahrzeuge erforderlichen Tank- und Ladeinfrastruktur in Höhe von 80 Prozent der zuwendungsfähigen projektbezogenen Gesamtausgaben. Bis zum Jahr 2024 stellt das Bundesministerium für Digitales und Verkehr insgesamt circa 1,6 Milliarden Euro für die Förderung der Anschaffung klimafreundlicher Nutzfahrzeuge sowie circa 5 Milliarden Euro für den Aufbau der Tank- und Ladeinfrastruktur bereit. Infos unter: klimafreundliche-nutzfahrzeuge.de

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