Euro NCAP überarbeitet Teststrategie: Anforderungen steigen

11.02.2026 13:57 Uhr | Lesezeit: 3 min
Dongfeng NCAP
Euro NCAP ändert sein Test-Prozedere.
© Foto: Euro NCAP

Euro NCAP reformiert seine Teststrategie so umfassend wie seit 2009 nicht mehr. Das stellt die Automobilhersteller vor neue Aufgaben.

Euro NCAP wird seine Testanforderungen zur Fahrzeugsicherheit von Neuwagen überarbeiten und in Teilen verschärfen. Laut dem an der Crashtest-Organisation beteiligten Automobilclub ADAC handelt es sich um die umfangreichste Reform seit 2009. Ziel ist eine stärkere Ausrichtung an realen Verkehrssituationen sowie die Berücksichtigung neuer technischer Entwicklungen.

Künftig gliedert sich das Prüfprogramm in vier Phasen, die an den realen Ablauf im Straßenverkehr angelehnt sind: Sicheres Fahren, Unfallvermeidung, Unfallschutz und Rettung nach einem Unfall

In der Kategorie "Sicheres Fahren" rücken Assistenzsysteme wie Tempo-, Abstands- und Lenkhilfen sowie die Insassenüberwachung stärker in den Fokus. Bewertet wird unter anderem, ob Sekundenschlaf erkannt wird oder ob Warnungen erfolgen, wenn Kinder im Fahrzeug zurückgelassen werden. Neu sind zudem klarere Vorgaben für die Bedienung: Zentrale Funktionen wie die Warnblinkanlage müssen künftig über physische Tasten oder Schalter erreichbar sein. Ergänzt werden die Prüfungen durch Fahrten außerhalb standardisierter Parcours sowie eine stärkere Gewichtung von Zuverlässigkeit und Nutzerakzeptanz.

System werden unter realistischeren Bedingungen getestet

Bei der "Unfallvermeidung" werden gesetzlich vorgeschriebene Systeme wie Notbrems- und Spurhalteassistenten unter realistischeren Bedingungen getestet. Dabei werden auch Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer einbezogen. Die Anforderungen steigen durch die Simulation wechselnder Wetterlagen, unterschiedliche Geschwindigkeiten und variierende Auftreffwinkel. Zusätzlich bewertet Euro NCAP künftig die Eingriffsintensität der Systeme, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sicherheit und Fahrkomfort zu gewährleisten. 

Beim "Unfallschutz" liegt der Fokus weiterhin auf passiven Komponenten wie der Karosseriestruktur, den Gurten, den Airbags und den Kopfstützen. Neu ist unter anderem ein Frontalcrash bei 35 km/h. Hintergrund sind Erkenntnisse der ADAC-Unfallforschung, denen zufolge schwere Verletzungen zunehmend auch bei vergleichsweise niedrigen Geschwindigkeiten auftreten – insbesondere bei älteren Menschen. Tests zeigen zudem, dass bei 35 km/h mitunter höhere Belastungen entstehen können als bei 50 km/h, da viele Fahrzeuge auf höhere Aufprallgeschwindigkeiten ausgelegt sind. Abhilfe können adaptive Rückhaltesysteme schaffen, die sich auf das Aufpralltempo und das Gewicht der angeschnallten Person einstellen. Künftig kommen außerdem unterschiedliche Dummy-Typen in variierenden Sitzpositionen zum Einsatz. Ergänzend sollen digitale Mensch-Modelle in Simulationen ein realistischeres Bild der Verletzungsfolgen liefern. 

Die vierte Säule, die "Rettung nach einem Unfall", bewertet die Bergbarkeit der Insassen. In die Bewertung fließen unter anderem Rettungskarten, die Funktion des eCall-Systems und das Verhalten sicherheitsrelevanter Fahrzeugfunktionen nach einem Aufprall ein. Bei Elektroautos wird zusätzlich geprüft, ob die Hochvoltbatterie zuverlässig isoliert bleibt und gegen Überhitzung geschützt ist. Elektrische Türgriffe, Heckklappen und Fenster müssen auch nach einem Unfall funktionsfähig bleiben.

Druck auf Autohersteller nimmt zu 

Die neue Testregularien erhöhen den Druck auf die Hersteller spürbar. Künftig müssen sie belegen, dass ihre Modelle in einer Vielzahl realistischer Szenarien sicher sind und Assistenz- sowie Schutzsysteme robust genug arbeiten, um einen möglichst breiten Kreis von Verkehrsteilnehmern zuverlässig zu schützen.

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