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Lamborghini Revuelto im Test: Den Stier bei den Hörnern packen

16.06.2024 17:51 Uhr | Lesezeit: 3 min
Lamborghini Revuelto
Dass ein Lambo schnell, mit 1.015 PS Systemleistung sogar extrem schnell ist, versteht sich von selbst.
© Foto: Lamborghini

Ist der Lamborghini Revuelto mit V12 und E-Unterstützung nur ein Fall für die Rennstrecke? Oder lässt sich der 1.015 PS starke Supersportler auch im Alltag zügeln?

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Revuelto fahren geht etwa so: Mit der rechten Hand die elektrische Entriegelung unter der Carbonleiste ertasten und die Tür hochschwenken. Rechtes Bein voran den Oberkörper durch die niedrige Öffnung schlängeln, denn mit 1,16 Metern Höhe liegt das Dach von Lamborghinis neuem Supersportler auf Höhe des Bauchnabels. Dann gilt es, sich möglichst lässig in die tiefen, quietschgelben – oder je nach Außenlackierung froschgrünen, lilafarbigen, knallroten, in jedem Fall extravagant eingefärbten Schalensitze fallen zu lassen.

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Die Kabine des 500.000 Euro teuren und über 1.000 PS starken Supersportlers sieht aus sich das Cockpit eines Düsenflugzeugs. Ein mit Schaltern und Tasten voll besetztes Ledervolant, dahinter die üblichen digitalen Instrumente, in der Mitte ein kleiner Bildschirm und vor dem Beifahrersitz ein weites Display, auf dem auch der Mitfahrer sämtliche Fahrinfos ablesen kann. Auf dem Armaturenträger, der vor der extrem flachen Scheibe gefühlt bis in den Horizont reicht, an den Türe, in der wuchtigen Mittelkonsole – überall haben die Italiener großzügig Carbonleisten verlegt.

Lamborghini Revuelto: Ablage für Handy und Geldbeutel

Enrico von der Presseabteilung erklärt, dass das Chassis zehn Prozent weniger wiege, gleichzeitig aber 20 Prozent steifer sei als das des Vorgängers Aventador. Und dass die Italiener eine eigene Produktionslinie aufgebaut haben, auf der Roboter mit Hilfe von KI schon auf dem Band sämtliche elektrischen Bauteile prüfen. Denn auch das ist neu: Lamborghinis Topmodell fährt als Plug-in-Hybrid vom Band.

Aber der wahre Vorzug sei, dass der Revuelto viel alltagstauglicher ist, man sogar einen Helm tragen könne, ohne ans Dach zu stoßen. Na dann. Zumindest für unser Handy und den Geldbeutel finden sich zwei Ablagen mit USB-Anschlüssen, die Jacke knuddeln wir hinter die Lehnen. Sogar an einen Schminkspiegel in der Sonnenblende wurde gedacht.


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Enrico sagt, welche Knöpfe wir drücken, welche Schalter wir drehen müssen, um mit dem 1.015-PS-Geschoss Spaß zu haben. Vier Drehschalter sitzen prominent auf dem Lenkrad, für die Fahrprogramme, fürs Nachladen des rund 3,5 kWh großen Akkus, für die Stellung des Heckspoilers und um die Karosserie anzuheben. Der wichtigste aber ist unter einem metallenen Klappverschluss auf der Mittelkonsole platziert: der Startknopf.

Ein Druck, und es passiert nichts, denn als Plug-in-Modell startet der Wagen immer im E-Mode. Auf dem Parkplatz vor dem Werksgebäude stören wir aber niemanden und drehen den roten Schalter von „Citta“ auf „Strada“. Ein lautes Bellen, ein heißeres Fauchen, dann pegelt sich der V12 bei 1.000 Touren ein. Einmal an der riesigen Schaltwippe gezogen und der erste Gang der neuen, 17 Kilo leichtere Doppelkupplungs-Automatik springt ein. Wie früher im Miura ist sie quer hinter dem Motor platziert und muss hier gewaltige 725 Nm Drehmoment bändigen.

Lamborghini Revuelto: In 2,5 Sekunden auf 100

Schon nach wenigen Metern im dichten Verkehr rund um Bologna fällt auf: Der Revuelto gibt sich erstaunlich zahm, Gas und Bremse lassen sich gut dosieren. Keine Spur von Aggressivität, der Motor schaltet früh hoch und verkneift sich jegliches aufdringliche Röhren. Am Ortsschild von Bologna muss der E-Modus ran. Das akustische Zusammenspiel der drei je 110 kW starken E-Motoren – zwei vorne für den Allradantrieb, einer hinten als Starter-Generator und Unterstützung der hinteren Räder– ist gewöhnungsbedürftig und klingt ein wenig nach Straßenbahn. Aber immerhin: Rund sieben Kilometer sind elektrisch machbar, bei Topspeed 150 km/h natürlich weniger.


Lamborghini Lanzador

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Keine Überraschung auf der Autobahn: Dass ein Lambo schnell, mit 1.015 PS Systemleistung sogar extrem schnell ist, versteht sich von selbst. Beim Tritt aufs Gas presst er die Passagiere in die Sitze, nach 2,5 Sekunden steht die 100 auf dem Tacho, nur ein paar Atemzüge später die 200. Und druckvoll schiebt der Antrieb weiter bis über 350 km/h. Zumindest steht’s so in den Papieren. Auf tempobegrenzten italienischen Autobahnen hält sich der Spaß aber in Grenzen.

Lamborghini Revuelto ist extrem agil

Mittlerweile sitzen wir zwei Stunden hinterm Steuer, ohne dass uns die Federung malträtiert hat und der Rücken schmerzt. Für einen Supersportler ist das eher ungewöhnlich. Also ab in die Berge, die sich Richtung Adria ziehen. Dort fordern enge Sträßchen die Konzentration. Eine Kurve folgt der anderen, es geht rauf und runter. Der Revuelto ist 2,03 Meter breit, braucht fast die ganze Spur.

Dank Hinterradlenkung, der fast optimalen Gewichtsverteilung von 44:56 und den vorderen E-Motoren, die bei Bedarf zusätzliches Drehmoment an die einzelnen Räder schicken, fährt sich die Flunder extrem agil. Selbst Haarnadelkurven lassen sich gefühlt in spektakulärem Tempo nehmen. Hier hilft die gute Übersichtlichkeit, der freie Blick in die Kurve. Links, rechts, wir steigern uns in eine Art Kurvenrausch, werden eins mit dem Auto und fühlen uns wie ein Formel-Eins-Pilot – obwohl wir zur Sicherheit kaum schneller unterwegs sind als im gut motorisierten Mittelklassewagen.

Lamborghini Revuelt: Herausforderung kratzerfrei einzuparken

Nach knapp fünf Stunden und 350 Kilometern zirkelt der Revuelto in eine Lücke auf dem engen Parkplatz vor der Fabrik. Dieses Auto kratzerfrei einzuparken gehört zu den größeren Herausforderungen der Fahrt. Wie weit reicht die spitze Schnauze, wo endet der Kotflügel? Jedenfalls verhindern Parkpiepser und die Rückfahrkamera teure Schrammen.


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Möglicherweise ist der Schritt in Richtung Alltagstauglichkeit, der Einbau eines zeitgemäßen Bediensystems, sind Apps und Konnektivität für die Zukunft der Marke fast so wichtig wie die Elektrifizierung. Nach dem Urus schafft Lamborghini auch mit dem Revuelto den Spagat zwischen Super-Performance und Praktikabilität. Aber die Elektrifizierung ist trotzdem geplant: 2028 soll der erste vollelektrische Supersportler in Sant’Agata Bolognese vom Band rollen.

Wir aber müssen los, der Flieger wartet. Noch ein schneller Blick in den Kofferraum, während der V12 knisternd abkühlt. Zwei kleine Handgepäck-Trolleys würden in die tiefe Mulde im Vorderwagen passen. Alltagstest bestanden.

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