Wemolo: Parken, wo andere einkaufen

14.05.2026 06:19 Uhr | Lesezeit: 3 min
Aldi, Parkplatz
Parken vor einer Aldi-Filiale.
© Foto: Susanne Löw

Feierabend bei Aldi, Lidl, Netto & Co.: Das bedeutet leere Parkplätze. Wemolo hilft dabei, dass diese Flächen auch so manchem Dienstwagenfahrer zum abendlichen Parken dienen können.

Eine Lidl-Filiale im Hamburger Stadtteil Hamm testet es aktuell - und viele weitere Einzelhändler auch: Was passiert, wenn man seine Filialparkplätze vor allem außerhalb der Öffnungszeiten gegen Bezahlung zur Verfügung stellt? Möglich macht dieses Experiment die Firma Wemolo aus München, die vier Gründer 2019 aus einem Projekt an der Technischen Hochschule in München heraus gestartet haben.

Seit Mitte Januar 2026 stehen Anwohnern bei Lidl in Hamburg-Hamm von 18:00 bis 8:00 Uhr des Folgetages zehn kostenpflichtige Pkw-Stellplätze zur Verfügung. Die Nacht kostet hier 3 Euro, die Woche 12 Euro und der Monat 30 Euro.

Angetreten ist Wemolo ursprünglich, um Parkplätze von Einzelhändlern von Fremd- und Dauerparkern freizubekommen: Die bisherige Parkraumbewirtschaftung via Parkscheibe sollte kundenfreundlicher werden - durch die Überwachung auf Kennzeichenebene. Mit Hilfe eines Kennzeichenscanners werden die Ein- und Ausfahrtvorgänge erfasst und es wird geprüft, ob sich an die ausgeschilderte Höchstparkdauer gehalten wurde. Identifizierte Abweichler wurden dann postalisch (Kennzeichenabfrage beim Kraftfahrt-Bundesamt) mit einer Vertragsstrafe sanktioniert.

Das lief gut: Die Parkplätze waren wieder für "echte" Kunden verfügbar. Es lief sogar so gut, dass sich Wemolo stellenweise selbst abschaffte. "Wir haben daher eine Plattform entwickelt, über die Einzelhändler den freien Parkraum Anwohnern gegen Bezahlung zur Verfügung stellen können - in frei wählbaren Zeiten und zu individuellen Konditionen, vor allem aber in den Abendstunden und außerhalb der Öffnungszeiten", beschreibt Tobias Hamacher die Idee, die Anfang 2025 dann zum nächsten Produkt von Wemolo wurde. Sie findet vor allem in Ballungsgebieten Zuspruch, wo die Mobilitätswende die Parkraumknappheit befeuert hat.

Der gelernte Hotelfachmann arbeitet seit rund vier Jahren bei Wemolo, ist als Vertriebsleiter für den Bereich des unbezahlten Parkens in Deutschland zuständig. "Bezahlter Parkraum" ist eine andere Abteilung, die sich um die Bewirtschaftung von Parkhäusern kümmert, wo Wemolo durch sein System Schranken und Kassenautomaten überflüssig machen kann. Wemolo hat heute 250 Mitarbeiter, der Hauptsitz ist in München, es gibt Niederlassungen in Österreich, der Schweiz, Polen und Italien.

Digitale Buchung bei Wemolo

Konkret läuft das "Feierabendparken" so ab: Beschilderungen vor Ort (samt QR-Code für die Abfrage der Konditionen) - ab wann ist das Parken zu welchen Konditionen erlaubt? Interessierte scannen den angegebenen QR-Code, wählen das bevorzugte Ticket, geben ihr Kfz-Kennzeichen an und stellen ihr Auto in den markierten Bereichen ab. "Kontrollieren können wir es nicht, wo geparkt wird, da wir nur die Ein- und Ausfahrten registrieren", so Hamacher. "Wir haben das System so einfach wie möglich gestaltet: Man braucht keine App, die Abwicklung läuft über die mobile Internetseite."

Nutzer wählen bei der Zahlungsmethode zwischen IBAN und Lastschrifteinzug, Kreditkarte und Apple Pay, können je nach Einzelhändler ein Feierabend-, Wochen- und Monatsticket lösen. Auch Vorab-Reservierungen sind möglich. Will dagegen bei zehn verfügbaren und schon belegten Feierabendparkplätzen ein elfter parken, lässt das System das nicht zu. Und wer sein Fahrzeug einfach trotzdem abstellt, wird wie gewohnt einen "Strafzettel" über Wemolo erhalten.

Wemolo kombiniert eigens spezifizierte Hardware mit selbst entwickelter Software und KI. Statt auf Standardlösungen von der Stange zu setzen, entwickelt das Unternehmen seine Systeme gezielt für die Anforderungen im Parkraummanagement. "Die Daten regelkonformer Nutzerinnen und Nutzer werden spätestens nach 48 Stunden gelöscht; personenbezogene Daten werden nur dann länger gespeichert, wenn dies zur Nachverfolgung eines Verstoßes gegen die Höchstparkdauer erforderlich ist", ergänzt Hamacher.

Mittlerweile betreut Wemolo mehr als 3.500 Parkplätze dieser Art, die Testphasen laufen gut. Der anfänglichen Skepsis der Einzelhändler begegnet Wemolo mit seiner Strategie, die Parameter jederzeit verändern zu können. "Wir können durch die gesammelten Daten und die Anzahl der berechtigten Parkplätze analysieren und justieren, wenn zu viel unerwünschter Parkbetrieb herrscht oder auch, wenn noch mehr Potenzial besteht", so Hamacher.

Ob Aldi, Lidl oder Rewe: "Jeder Einzelhändler in Deutschland hat zumindest eine Fläche mit uns", berichtet Hamacher. Während Konzerne wie Aldi zentrale Entscheidungen treffen, finden bei Edeka oder Rewe, die kaufmannsgetrieben sind, eher Einzelentscheidungen für eine Kooperation statt. Einige Einzelhändler führen das System auch aufgrund von Veränderungen in der Umgebung ein - wenn etwa eine Schule, ein Freizeitpark oder eine neue Bahnverbindung entsteht, was den Parkbedarf erhöht.

"Unsere Kunden wollen aber keinen administrativen Aufwand, daher eignet sich unsere Lösung", so Hamacher. "Wir kümmern uns um die Beschilderung, die Scanner, und in acht Wochen kann es losgehen." Auch Betreiber von Freiflächen, für die noch kein Bebauungsplan steht, können laut dem Vertriebsleiter so monetarisiert werden.

Wemolo betriebt Hotline

Für technische Probleme oder Rückfragen betreibt Wemolo eine Hotline mit rund 30 Mitarbeitern innerhalb der normalen Öffnungszeiten, die nicht nur deutschsprachig für den größten Markt ist, sondern auch auf Italienisch helfen kann. "Sollte es nachts zu Schwierigkeiten kommen, lassen diese sich am Morgen telefonisch klären, da die Kollegen Zugriff auf das System haben und die Vorgänge via Kennzeichen nachvollziehen können", so Hamacher. Zudem kann man auch auf der Wemolo-Webseite ein Ticket aufmachen, um zurückgerufen zu werden und nicht in der Warteschleife hängen zu müssen.

Gibt es Probleme aufgrund von möglichen Parkschäden? Es bleibt ein öffentlicher Parkraum, das heißt, etwa bei Vandalismus wird allerdings nicht gehaftet.

Auch ein Mitarbeiterparkplatz für umliegende Firmen lässt sich laut Hamacher durch das System realisieren: "Wenn sich beide Parteien einig werden, können für Mitarbeiter einer Firma Parkplätze bei Aldi um die Ecke geschaffen werden - auch während der Öffnungszeiten."

Kritische Stimmen zum Feierabendparken meinen: Geldmacherei, die Parkplätze gibt es doch eh schon, die könne man nachts auch frei zur Verfügung stellen. Hamacher hält dagegen: "Eine gewisse Miete ist durchaus angebracht, auch wenn es nicht um Profit geht - immerhin muss sich der Betreiber um den Zustand der Fläche und zum Beispiel um den Winterdienst kümmern."

Auch Wemolo wird sicher einen Anteil der Einnahmen bekommen, dazu macht das Unternehmen aber keine konkreten Angaben. Also eine Win-win-win-Situation für die Anwohner, Einzelhändler und Kommunen, die punktuelle Lösungen für den Parkraummangel präsentieren können?

Wemolo: Neue Optionen

Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende in Hamburg, war sich angesichts des Starts des Feierabendparkens bei Lidl in Hamburg-Hamm zumindest sicher: "Parkflächen, die abends und nachts ungenutzt bleiben, sind in einer Großstadt wie Hamburg eine wertvolle Ressource, die sinnvoll genutzt werden kann, um den Parkdruck im öffentlichen Raum zu lindern. Die Kooperation mit Lidl in diesem Pilotprojekt zeigt, wie durch partnerschaftliche Initiativen und digitale Angebote neue Wege für die Nutzung bestehender Park-Infrastruktur geschaffen werden können."

Wemolo will den Service nicht nur weiterverbreiten, sondern denkt auch über neue Ansätze nach: "Neben den Feierabend-, Wochen- und Monats­tickets sind an einigen Orten gegebenenfalls andere Ticketoptionen sinnvoll - etwa in der Nähe von Freizeitparks", so Hamacher. "Außerdem denken wir über Rabattierungen für Kunden fürs Feierabendparken nach, die im betreffenden Supermarkt einkaufen." Denkbar sei etwa auch eine Kombination des Wemolo-Systems mit einem Kassenautomaten, an dem der Kassenzettel das kostenlose Parken für eine Stunde quittiert, während andere Nutzer, die bewusst nach dem Besuch im Supermarkt noch anderswo einkaufen, ab einer Stunde so ihren Tarif bezahlen können.

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