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Fahrbericht Toyota GR Supra

Japaner mit bayerischem Herzen

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Der BMW-Reihensechszylinder, doppelt aufgeladen, legt schon aus niedrigen Drehzahlen mit Nachdruck los.
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Toyota und Emotionen? Schließt sich ja eigentlich aus. Doch der GR Supra jagt alle Vernunft durch den Auspuff und entpuppt sich als herrlich zufahrender Sportwagen. BMW ist daran nicht ganz unbeteiligt.

Von Michael Specht/SP-X

Wenn der Chef sich etwas in den Kopf gesetzt hat, können Entscheidungswege selbst in einem so durchstrukturierten Konzern wie Toyota, mit jährlich fast zehn Millionen Fahrzeugen einer der größten Autohersteller der Welt, mitunter recht kurz sein. Denn Mr. President, Herr Akio Toyoda, fährt gerne Rennen. Seine Lieblingsstrecke ist die Nordschleife des Nürburgrings. Und genau hier in der Eifel entstand vor einigen Jahren die Idee, die Sportwagen-Legende Supra wieder aufleben zu lassen. Nur war auch einem Herr Toyoda sehr bewusst, dass Autos dieser Art wirtschaftlich schwer in den Griff zu bekommen sind.

Die Lösung hieß BMW. Warum nicht Supra und Z4 gemeinsam auf die Räder stellen? Die Bayern bekommen ihren rassigen Roadster, die Japaner ihr cooles Coupé. Eine perfekte Win-Win-Situation, die dem Supra die beste Fahrdynamik bescherte, die je unter einem Toyota-Seriensportwagen zu finden war. Nicht zuletzt ein Ergebnis des klassischen Layouts: Motor vorne längs, Antrieb hinten, dazwischen zwei Sitze, fertig. Gepaart mit modernstem Engineering, Leichtbau, einem tiefen Schwerpunkt und einer Gewichtsverteilung von idealen 50:50 zielt alles in nur eine Richtung: Fahrspaß.

Toyota war sogar so schlau, nicht auf Teufel komm raus irgendein Aggregat aus dem Konzern zu reanimieren oder für teures Geld als Hommage an den früheren Supra einen neuen Sechszylinder-Reihenmotor zu konstruieren, wenn es bereits ein potentes wie geschmeidiges Hightech-Triebwerk in München gibt, den sogenannten B58-Motor. Drei Liter groß, 250 kW / 340 PS und 500 Newtonmeter stark. Das sind die Eckdaten. Zusammen mit einer tip-top arbeitenden 8-Gang-Automatik - ein Schaltgetriebe gibt es nicht - wird diese Kombination zu einer Art Dream-Team unter der ellenlangen Haube.

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Was in dem Supra steckt, lässt sich nur ansatzweise im Straßenverkehr herauskitzeln. Der bessere, wenn nicht ideale Ort dafür ist die Rennstrecke. Kurven durchzieht der 1.570 Kilo schwere Sportwagen in perfekter Manier, lässt sich dabei bis in den Grenzbereich leicht beherrschen. Das gesamte Auto fühlt sich sehr ausbalanciert an und ermöglicht auch Nicht-Profis hinter dem Lenkrad schnelle Rundenzeiten ohne Schweißperlen auf der Stirn. Der Reihensechszylinder, doppelt aufgeladen, legt schon aus niedrigen Drehzahlen mit Nachdruck los und entwickelt einen schönen sportlichen Sound, gut wahrnehmbar, aber nie unanständig laut.

Das gemeinsame Chassis mit dem BMW Z4 verpasst auch dem Supra eine hervorragende Ergonomie. Der Wagen passt wie ein maßgefertigter Schuh. Vor Augen das vermeintliche wichtigste Instrument in einem Sportwagen: der Drehzahlmesser, platziert im Zentrum des Cockpits. Hier lässt Porsche lässt grüßen. Das Armaturenbrett ist klassisch aufgeteilt, mittig oben thront ein 8,8-Zoll großer Bildschirm, manche Drehschalter, wie jene der Klimaanlage, erinnern nicht nur an die von BMW, sie sind es auch, was aber beileibe kein Nachteil sein muss. Auch der Wählhebel für die Automatik, das Lenkrad und der i-Drive-Controler lassen eine gewisse Verwandtschaft zum bayerischen Partner erkennen. Etwas ungewöhnlich mutet die asymmetrische Aufteilung der Mittelkonsole an. Sie ist zum Beifahrer hin etwas offener, gibt ihm optisch mehr Luft.

Knapp geschnittener Innenraum

Insgesamt sollte jedoch kein üppiges Raumgefühl erwartet werden. Der Innenraum ist knapp geschnitten, das Dach an den Seiten tief heruntergezogen. Aber man sitzt schließlich auch in einem Sportwagen. Entsprechend gering ist der Nutzwert in Sachen Gepäck. Unter der Heckklappe bleiben lediglich 290 Liter an Ladevolumen. Das reicht fürs Wochenende oder den üblichen Lebensmitteleinkauf. Die Getränkekiste muss allerdings hoch hinausgehoben werden.

So klasse sich der Supra bewegen lässt und so viel Spaß er hinter dem Lenkrad macht, er hat einen Nachteil: Er ist ausverkauft, zumindest für dieses Jahr. Das deutsche Kontingent von 300 Exemplaren war trotz eines nicht gerade günstigen Preises von 52.857 Euro (netto) sofort weg. Darunter befanden sich auch 24 sogenannte "A90-Editions-Modelle" für 56.512 Euro netto, mattgrau lackiert und innen in rotem Leder ausgeschlagen. Wer jetzt bestellt, wird sich bis Frühjahr 2020 gedulden müssen. Aber das Warten lohnt.

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