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Vorstellung Range Rover Sport: Spaltmaß aller Dinge

Bei der dritten Generation seines Trendsetter-SUV setzen die Briten auf klassische Tugenden in einem minimalistischen Gewand.
© Foto: Range Rover

Bei der dritten Generation seines Trendsetter-SUV setzen die Briten auf klassische Tugenden in einem minimalistischen Gewand. Das hat Eroberungs-Potenzial; vor allem, wenn bald eine Lücke im Angebot geschlossen wird.


Datum:
16.05.2022
Autor:
Peter Weißenberg/SP-X
Lesezeit: 
6 min
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Viele, viele Jahre ist es geradezu der Heilige Gral deutscher Autohersteller gewesen: Die ganz besondere Verarbeitungsqualität stand verlässlich im Zentrum jeder Neuvorstellung: Geschäumte Kunststoffe allüberall, auch unter der Motorhaube Metallic-Lack und natürlich die messerspitzendünnen Abstände zwischen den Blechen. Besonders dieses Spaltmaß war stets das Maß aller Dinge.

Heute verlieren selbst die süddeutschen Premium-Marken kaum ein Wort darüber. Der Kunde interessiere sich eben mehr für Alexa an Bord, hochautomatisierte Helferlein oder Touchscreens; so ist es auf Nachfrage achselzuckend zu hören. Das Smartphone ist das neue Spaltmaß.

Lee Perry denkt darüber etwas anders. Und der Designer bei Land Rover sagt das auch mit größter Begeisterung: "Sehen sie nur, wie die Linie der Motorhaube auf den Seitenblechen fast zu schweben scheint. Diese Spaltmaße sind Kunst." Andere Hersteller bräuchten zudem etwa an den Scheiben "Chromleisten als Blende, weil Schweißnähte oder Materialien nicht so akurat zusammenpassen." Der Range sichtbar nicht. Perry ist sich sicher, dass solch optisch reine Lehre neue Kunden gerade von der Konkurrenz abwerben werde.

Ohne Schnörkel

Die Verarbeitung wird durch die ausgeprägte Schnörkellosigkeit des neuen Range Rover Sport betont, der ab sofort zu bestellen ist. An Front und Heck sind die Lampen beinahe versteckt, zeigen sich im Wesentlichen nur bei Funktion. Das ganze Blechkleid fällt fast ohne Falze und Sicken, die Türöffner fahren nur bei Bedarf aus. Aus der Entfernung sieht der Sport weniger wuchtig aus, als das 4,95 Meter Länge, 1,82 Meter Höhe und 2,21 Meter Breite (mit Spiegeln) eigentlich erwarten lassen.

Der Einstieg in die Welt des Range Rover Sport ist nun mit gut 78.000 Euro netto fast 17.000 Euro teurer als bisher. Dafür kann der Sport im Gelände technisch aber auch fast alles, was den Defender zum Expeditions-Gerät adelt. Nur größere Überhänge und kleinere Bodenfreiheit (trotz eingebauter Luftfeder-Tricks) sind nicht ganz auf dessen Niveau. Auch dieser Range wird aber ohnehin kaum außerhalb befestigter Straßen bewegt werden. Darum liegt die Weiterentwicklung in der neuesten Ausgabe vor allem beim Komfort.

Fast komplette Stille im Inenraum

Hörbar. Weil auf Wunsch im Innenraum des Range Rover Sport fast komplette Stille herrscht. Dafür sorgen einige spezielle Lautsprecher in der bis zu 1.430 Watt leistenden Anlage: Sie können per Gegenschall die meisten Fahr- oder Motorengeräusche ausblenden. Und da die Lautsprecher teils in den Kopfstützen montiert sind, ist die Stille stets ganz nah. Dank spezieller Stoffe sind viele der bis zu 29 Lautsprechern zudem ähnlich unsichtbar.

Solche technischen und optischen Tricks lieben besonders chinesische und US-Kunden. Cool Britannia in der Innenraumgestaltung soll zudem als klassische Stärke ausgebaut werden. Lee Perry kommt da gleich wieder ins Schwärmen: "Alle Linien der Materialien im Inneren ziehen perfekten Geraden von A- bis D-Säule, die sich optisch weit hinter dem Fahrzeug schneiden würden." Sieht klar und einfach aus, ist aber wegen der vielen Kabel, Streben oder Airbags unter Leder, Kunststoff oder kupfern schimmerndem Chrom ziemlich kompliziert.

Drehschalter für wichtige Funktionen

Genau wie der leicht gebogene 13,1-Zoll-Bildschirm, der auf der Mittelkonsole zu schweben scheint. Anders als in früheren Generationen ist der Touchscreen intuitiv und feinfühlig zu bedienen, das Display gibt dabei fühlbar ein Feedback wie bei einem gedrückten Knopf. Und für wichtige Funktionen wie Klimatisierung gibt es weiter reale Drehschalter. Wer im Range Rover Sport die Sitze auf sich einstellt, dessen Hände fallen unweigerlich auf die Tasten, die es zur Bedienung braucht.

Apropos Leder: In drei Versionen ist das schon ab der Einstiegsvariante Serie, auf Wunsch gibt es auch einen tierhautfreien Bezug, bei den Briten Ultrafabrics genannt. Beheizen, belüften, massieren – ist natürlich alles zu haben. Die Aufpreisliste lässt nur wenig Wünsche offen. Einen Range Rover Sport unter der 100.000-Euro-Schwelle dürfte es im realen Verkehrsleben wohl selten zu sehen geben.


Range Rover Sport (2023)

Bildergalerie

So progressiv wie der Range Rover Sport im Design ist, so konventionell rollt er antriebsseitig an: Wie sein konservativer Bruder Range Rover sind zwei Leistungsstufen des Plug-in-Hybriden das Höchste der elektrischen Gefühle. Im P510e (ab 116.386 Euro netto) arbeitet ein Ingenium-Sechszylinder mit einem 143 PS-Elektromotor (Systemleistung: 510 PS). Ein deutlich gewachsener Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 38,2 kWh ermöglicht 113 Kilometer rein elektrischer Reichweite. Wichtig für kommende Umweltregeln. Aus dem Stand schiebt die Kombi den Sport in 5,4 Sekunden auf 100 Stundenkilometer. Und auch der kleinere Plug-in P440e (ab 95.798 Euro netto) ist mit einer Systemleistung von 440 PS wahrlich nicht schwachbrüstig unterwegs. 5,8 Sekunden von Null auf 100 km/h sind auch eine klare Ansage an die Sport-Fraktion.

Für wen Leistung über alles geht, dem bieten die Briten für 119.327 Euro netto auch weiterhin einen Achtzylinder: 530 PS stellt der 4.4 Liter-Twinturbo bereit. Und bei aktivierter "Dynamic Launch"-Taste sprintet das P530-Modell in 4,5 Sekunden an die 100-Stundenkilometer-Marke.

Warten auf eine villelektrische Variante

Benziner P400 oder die Diesel D250, D300 und D350 sind sozusagen das Freizeitsportler-Angebot, immerhin dank 48-Volt-Technik auch mit eingebautem Sparpotenzial. Auch in der kleinsten Motorisierung D250 dürften 249 PS aber für den normalen Fahrbetrieb voll ausreichen. Allradantrieb ist immer dabei, warten müssen die Kunden aber trotz geeigneter Plattform immer noch auf eine vollelektrische Variante. Die wird erst ab übernächstem Jahr auf die Straße kommen. An dieser Technik arbeiten die Briten noch.

Nachrüsten lassen sich zahlreiche andere Funktionen aber inzwischen dank zweier SIM-Karten an Bord auch ohne Werkstattbesuch. Je nach Version und Ausstattung können mehr als 70 Module und Steuereinheiten mit Updates versorgt werden. Ganz auf das Spaltmaß kann sich schließlich niemand mehr als Verkaufsargument verlassen.

By the way: Alexa hält der Range Rover Sport ab Auslieferung stets auf Zuruf bereit. Muss ja sein.

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