Bei der Digitalisierung des Zulassungswesens in Deutschland gibt es neue Kritik aus der Branche. Zum 1. September plant das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ein Update seiner Software XKfz. Sie bildet die technische Basis der Großkundenschnittstelle, über die viele kommerzielle Unternehmen Fahrzeugzulassungen und weitere Vorgänge abwickeln.
Die Kölner PremiumZulasser eG, der bundesweit 60 lokale und regionale Zulassungsbetriebe angeschlossen sind, fordert mehr Planungssicherheit für die Umstellung. "Noch wissen wir nicht, was da auf uns zukommt. Von Planungssicherheit kann gut drei Monate vor dem Launch wieder einmal keine Rede sein", moniert Florian Cichon, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft.
Keine Abwärtskompatibilität vorgesehen
Nach Angaben der PremiumZulasser soll XKfz 6.0 nicht abwärtskompatibel sein. Anders als bei vielen Software-Updates, bei denen Vorgängerversionen zumindest übergangsweise weiter genutzt werden können, wäre ein solcher Parallelbetrieb demnach nicht möglich. Für Autohäuser, Flottenbetreiber, Zulassungsdienstleister und andere Marktteilnehmer könne dies ein erhebliches Risiko bedeuten. "Sollte das Update am 1. September nicht wie geplant funktionieren, stehen wir alle um Dunkeln", prophezeit Cichon.
KBA für Betrieb des Standards zuständig
Dem KBA wurde durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur die Betriebsführung des XKfz-Standards übertragen. In einer Mitteilung des Amts heißt es dazu: "Die Behörde ist damit für die fachlich-inhaltliche und technische Weiterentwicklung des XKfz-Standards sowie für den Support für die Anwender verantwortlich". Bei den PremiumZulassern sehe man diesen Support derzeit noch nicht ausreichend gegeben. "Noch warten wir auf diesen Support vergeblich" beklagt Cichon.
Um den Übergang von der aktuellen XKfz-Version zu XKfz 6.0 sicherzustellen, fordert Cichon vom KBA eine transparentere Kommunikation, konkrete Informationen zu den notwendigen Softwareanpassungen sowie ausreichend Zeit für die Implementierung. Je nach Anforderungen des KBA kalkuliert die Genossenschaft nach eigenen Angaben mit drei bis zehn Tagen Programmieraufwand für das Update der eigenen Zulassungssoftware PZeG.online. Hinzu kämen rund 30 Tage für den Testbetrieb.
Die PremiumZulasser wären nach eigener Einschätzung von einem Systemausfall besonders stark betroffen. Als Marktführer reiche die Genossenschaft bis zu 30 Prozent aller GKS-Vorgänge beim KBA ein. Cichon: "In diesem Fall würden uns nicht nur unsere Kunden aufs Dach steigen, sondern wir verlören auch echtes Geld." Ursprünglich sollte XKfz 6.0 bereits zum 1. Juli ans Netz gehen.
Erst vor wenigen Tagen war es zu massiven Einschränkungen im GKS-Betrieb gekommen. Der Grund: Ein Software-Update des KBA hatte kurzfristig dazu geführt, dass ein großer Teil der eingereichten Vorgänge abgelehnt wurde. "Ein derart tiefgreifender Eingriff ohne vorherige Ankündigung gegenüber Geschäftskunden und Softwareanbietern stellt aus unserer Sicht ein gravierendes Kommunikationsversagen dar.
Eine rechtzeitige und klare Information hätte ausgereicht, um die notwendigen Anpassungen im Vorfeld vorzunehmen und die flächendeckenden Ablehnungen zu verhindern", heißt es in einem Schreiben der PremiumZulasser an das KBA. Und weiter: "Wir erwarten künftig, dass Änderungen mit potenziell unmittelbaren Auswirkungen auf den operativen Betrieb frühzeitig, verbindlich und in geeigneter Form mit allen relevanten Marktteilnehmern abgestimmt und kommuniziert werden."