General Motors (GM) will die Entwicklung neuer Fahrzeuge mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) deutlich beschleunigen und seine Elektroautos technisch grundlegend weiterentwickeln. Beim jährlichen Technologiebriefing GM Forward in New York kündigte Konzernchefin Mary Barra unter anderem eine neue Elektroplattform, leistungsfähigere Fahrzeugelektronik und den Ausbau automatisierter Fahrfunktionen an. Die vorgestellten Entwicklungen beziehen sich zunächst auf den US-Markt; eine Einführung in Europa wurde nicht bestätigt.
Der viertgrößte Autobauer der Welt plant, die bislang übliche Entwicklungszeit neuer Modelle von vier bis fünf Jahren perspektivisch zu halbieren. Dazu sollen Design, Konstruktion und Fertigung von Beginn an auf einer gemeinsamen digitalen Datenbasis arbeiten. Virtuelle Simulationen sollen den Bedarf an physischen Prototypen erheblich reduzieren. Bei der Entwicklung einer neuen Lithium-Mangan-Batterietechnologie (LMR) habe GM nach eigenen Angaben bereits mehr als 300.000 Batterieentwürfe digital mithilfe von KI untersucht. Vom ersten Konzept bis zur formellen Programmfreigabe sei dabei nur ein Monat vergangen.
Neue Elektroplattform soll Gewicht und Verbrauch senken
Erste Einblicke gab GM auch in die Elektroplattform der vierten Generation. Die darauf basierenden Fahrzeuge sollen nach Unternehmensangaben 15 Prozent leichter und 20 Prozent energieeffizienter werden. Einen konkreten Zeitplan für die Markteinführung nannte GM nicht. Auch welche Modelle die Architektur nutzen werden, blieb offen. GM-Präsident Mark Reuss kündigte Fahrzeuge in verschiedenen Segmenten an. Die ersten davon sollen in Kürze vorgestellt werden. Große SUV und Crossover gelten als mögliche Einsatzgebiete.
Bei den Batterien setzt GM künftig verstärkt auf LMR-Zellen, die gemeinsam mit LG Energy Solution entwickelt und gefertigt werden. Sie enthalten einen hohen Mangananteil von rund 65 Prozent und nahezu kein Kobalt. Dadurch sollen Rohstoffkosten und Lieferkettenrisiken sinken. Nach Angaben von GM können die prismatischen Zellen bei vergleichbaren Kosten und gleichem Gewicht sowie Volumen rund ein Drittel mehr Energie speichern als Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP). Das könnte größere Reichweiten oder kompaktere Batteriepakete ermöglichen. Ergänzend sollen überarbeitete Elektromotoren und eine neue Leistungselektronik die Zahl der Bauteile im Antrieb um rund 40 Prozent reduzieren.
Cadillac Escalade IQL
Zudem soll eine neue elektrische und elektronische Architektur sowohl in Elektroautos als auch in Verbrennermodellen eingesetzt werden. Statt zahlreicher einzelner Steuergeräte bündelt eine zentrale Recheneinheit Funktionen für Antrieb, Fahrwerk, Sicherheit und Sensorverarbeitung. GM verspricht sich davon mehr Rechenleistung, weniger Verkabelung und einfachere Software-Updates. Die Architektur soll nach Unternehmensangaben die 40-fache Rechenleistung bisheriger Systeme bieten. Zudem soll die Mobilfunkverbindung bis zu 50 Prozent schneller werden. Den Anfang macht 2028 der elektrische Cadillac Escalade IQ. Anschließend soll die Technik auf weitere große SUV, Pick-ups, Crossover und Elektrofahrzeuge übertragen werden.
KI-Assistent für OnStar
Auch der vernetzte Dienst OnStar, der möglicherweise nach Europa zurückkehren könnte, erhält neue Funktionen. Ein KI-Assistent soll in den kommenden Monaten zunächst im Cadillac Lyriq des Modelljahrs 2027 per Software-Update starten. Er soll Fragen zur Fahrzeugbedienung beantworten und personalisierte Unterstützung bieten. Ab 2027 ist zudem eine neue OnStar-App geplant. Vorgesehen sind unter anderem Funktionen zur Fahrzeugverwaltung, vernetzte Kameras sowie zusätzliche Sicherheitsdienste. Nutzer sollen selbst bestimmen können, welche Funktionen sie aktivieren.
Automatisiertes Fahren ab 2028
Beim automatisierten Fahren hält GM am geplanten Start von Autobahnfahrfunktionen im Cadillac Escalade IQ im Jahr 2028 fest. Die Einführung des weiterentwickelten Fahrassistenzsystems "Super Cruise" in Europa wird derzeit geprüft. In den USA werden Vorserienfahrzeuge nach Unternehmensangaben bereits auf abgesperrten Testgeländen erprobt. Perspektivisch soll die Technik auch in ausgewählten Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zum Einsatz kommen. Hunderte Testfahrzeuge sammeln derzeit monatlich rund eine Million Meilen an Multisensor-Daten. Ergänzend werden künstlich erzeugte Verkehrsszenarien eingesetzt, um auch seltene und komplexe Situationen zu trainieren.