Twike: Exot aus Hessen

09.03.2026 12:34 Uhr | Lesezeit: 2 min
Twike 5
Bis zu 600 Kilometer Reichweite und bis zu 190 km/h schnell ist das Twike 5.
© Foto: Twike

Twike kennen immerhin die echten Fahrradfans. Twike gefahren sind bisher aber wohl nur die wenigsten von Ihnen. Dennoch bietet dieser Sonderling viel Flottenpotenzial.

Herr Möscheid, wer an Mobilität aus der Schweiz denkt, hat vermutlich kleine Flitzer wie den Ur-Smart oder den Microlino im Kopf. Das Twike-Konzept stammt auch aus der Eidgenossenschaft. Wie kam das Konzept dann nach Hessen?

Martin Möscheid: Mein Bruder brachte das Twike nach Hessen. Als einer der ersten Kunden interessierte er sich bereits 1995 dafür, Twike Service-Partner zu werden. Die Beziehung fruchtete 1998 in einer Partnerschaft als Importeur. Im Jahr 2002 kam der damalige Hersteller, die Swiss Lem AG, ins Straucheln und die heutige Twike GmbH aus dem hessischen Rosenthal übernahm die Produktion und alle Rechte am Twike.

Entwickelt wurde der neue Twike Nummer 5 bereits im Jahr 2015. Welche Schritte waren in der Zwischenzeit nötig, damit ihr nun in die Serienproduktion starten könnt?

M. Möscheid: Die Produktion ist noch nicht gestartet. Wir befinden uns jedoch in der finalen Entwicklungsphase und streben Ende Q2/26 für den Produktionsstart an. Die größten Herausforderungen liegen nach der umfangreichen Konzeptabsicherung und nach der Bestimmung relevanter Schlüsselbauteile nun in der Detailabstimmung aller Flächenbauteile mit den in Frage kommenden Lieferanten. All dies unter Einhaltung eng gesteckter Kostenziele.

Ihr werbt mit drei Rädern und Platz für zwei. Welche Statur können Passagiere haben, damit dies klappt?

M. Möscheid: Zweimal 100 Kilogramm schwer und zwei Meter lang bekommen wir gut unter. Mit leichten Modifikationen gelang das bereits beim Twike 3. Beim 5er haben wir die Sitzverstellung gleich auf größere Körpergröße ausgelegt und in der Breite zwei Zentimeter dazugegeben.

Die Lenkung ist ebenfalls speziell. Wie funktioniert eure ergonomische Lenkung genau?

M. Möscheid: Sehr einfach, mit zwei Sidesticks, wie bei niedrig gelenkten Liegefahrrädern. Die beiden Griffe sind mit Hebeln und Gelenken miteinander verbunden und bewegen sich gegenläufig. Möchte man nach rechts steuern, zieht man den rechten Handgriff mit der rechten Hand nach hinten, die linke Hand führt dann nach vorne. Und umgekehrt. Lässt man die Hebel beim Vorwärtsfahren los, bewegen die Rückstellkräfte aus dem Rollen die Hebel wieder in die Mittellage. Alles sehr intuitiv und unmittelbar erlernbar.

Woher stammen die gut 600 Kilogramm, die das Twike 5 wiegt? Der Vorgänger wog noch 240 bis 350 Kilogramm.

M. Möscheid: Das Twike 3 ist ein rennmäßig aufgepimptes Liegerad mit Wetterschutz und Überrollbügel sowie umhüllender Schutzstruktur. Das Twike 5 dagegen basiert weitestgehend auf Komponenten der Automobilindustrie und ist damit eher ein auf Leichtbau getrimmtes Auto mit wahrnehmbar hohem Fahrkomfort. Die Fahrleistungen entsprechen jenen eines Sportwagens.

Die Produktion des Twike 5 ist auf 500 Stück limitiert. Sind diese schon vergriffen?

M. Möscheid: Etwa 2.700 Fahrzeuge wurden reserviert, davon sind 400 anbezahlt.

Nun ist der Kaufpreis von 45.200 bis 48.300 Euro (netto) nicht für jeden abbildbar. Die Mobilität ist zudem im betrieblichen Kontext zuvorderst ein Leasinggeschäft. Kann ich das Twike 5 leasen?

M. Möscheid: Für das Twike 5 sehen wir dies nicht vor. In der Vergangenheit gab es für das Twike 3 jedoch Kunden, welche mit ihrer Hausbank ein Sell-and-Lease-Back vereinbarten. Bei Interesse empfehlen wir dieses Vorgehen.

Wie sehen die Betriebskosten aus?

M. Möscheid: Wir erwarten bei angepeilter hoher Nutzungsdauer langfristig niedrige Betriebskosten. Das mit dem Hintergrundwissen aus der Wartung von mittlerweile 30 Jahre alten Fahrzeugen. Und neben dem aus der robusten Auslegung und dem reduzierten Gewicht resultierenden niedrigen verschleißbedingten Kosten sehen wir einen niedrigen Wertverlust über die Zeit hinweg. Nicht zuletzt reduziert der Verbrauch von etwa 7 kWh/100 km die Betriebskosten spürbar gegenüber sonstigen Elektrofahrzeugen.

Ihr unterscheidet im Kundendienst bewusst zwischen Twike-Trainer und Twike Service-Partner. Was leisten die beiden im Detail für den Kunden? Wie viele gibt es jeweils und wo finde ich sie?

M. Möscheid: Der Twike-Trainer erklärt die Funktionen des Fahrzeugs und vermittelt bei einer Probefahrt das Fahrgefühl. Der Service-Partner betreibt eine Werkstatt, wird geschult bei Twike und wartet und repariert die Fahrzeuge. Mit dem Auslieferungsstart des Twike 5 wollen wir das Netz erweitern.

Wie lang sind die typischen Wege eurer Kunden zum nächsten Service-Partner? Wie oft muss ich zum Service mit dem Twike 5?

M. Möscheid: Das Fahrzeug ist neu und wir werden uns aus kürzeren Routinen heraus zur Regel "alle zwei Jahre" und/oder "alle 40.000 km" hin entwickeln.

Welche Garantiezeiten gibt es für das Twike 5?

M. Möscheid: Besondere Garantien können wir aktuell noch keine versprechen. Wenn wir über die gesetzlichen Gewährleistungen hinaus entsprechende Garantiezusagen von unseren Lieferanten erhalten, geben wir diese weiter.

Wie bei vielen Nischenprodukten ist die Fan-Base sehr eingeschworen. Wer fährt ein Twike?

M. Möscheid: Selbständige, Mechaniker, Pfarrer, Ärzte, Rechtsanwälte, Ingenieure, Architekten, Rentner ... alles querbeet. Alles Menschen mit einem Mobilitätsbedürfnis und der Absicht, dabei wenig Energie zu verbrauchen. Zudem wollen sie in der Zeit ihrer Fitness möglichst Gutes tun.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Möscheid.

HASHTAG


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