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Der Tankfreund vom DRK Lüneburg

Der Faktor Mensch

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30 VW Up hat Simona Schulze im Fuhrpark. Nico Wienberg liefert den Fehlbetankschutz.
© Susanne Löw/Autoflotte

Seit 14 Jahren hat Simona Schulze beim DRK Lüneburg den Fuhrpark für die ambulante Pflege im Griff. In jeden der 30 VW Up klebt sie aktuell einen "Tankfreund" - einen simplen Schutz vor Fehlbetankung.


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"Mein zweiter Vorname ist Telefonistin", sagt Simona Schulze. Und man glaubt es der Pflegedienstleiterin beim DRK Lüneburg sofort, wenn sie aufzählt, wie viele Aufgaben sie seit 14 Jahren im gesamten Landkreis koordiniert: 55 examinierte Pflegefach- sowie Hilfskräfte kümmern sich um die häusliche Kranken- und Behandlungspflege, hauswirtschaftliche Tätigkeiten und das betreute Wohnen in 47 Wohnungen in der Region. Auch der Fuhrpark mit 30 geleasten VW Up, den die Mitarbeiter für die ambulante Pflege nutzen, liegt in ihrer Obhut.

"Etwa sieben Fahrzeuge werden für die Schichten täglich in der Zentrale abgeholt, die übrigen nehmen die Mitarbeiter für wohnortnahe Einsätze mit nach Hause", berichtet Schulze. Eine Dienstanweisung regelt dabei den Ausschluss von Privatfahrten. Nach vielen Jahren, in denen die ambulante Pflege mit einer Opel-Flotte bei den Pflegeeinsätzen vorfuhr, wechselte das DRK vor einem Jahr erstmals zu VW. Geleast wurde in Lüneburg aber schon immer."Aufgrund von Auswertungen der geführten Fahrtennachweise tausche ich die Fahrzeuge regelmäßig durch, sodass alle die Laufleistung von 60.000 Kilometern in drei Jahren weder über- noch unterschreiten", so Schulze.

Corona-Auflagen für Helfer

Corona macht den Dienst am Menschen, den das Pflegeteam in Lüneburg leistet, nicht einfacher - im Gegenteil:"Private Mitfahrer, Angehörige oder Kunden transportierten wir schon früher nicht", berichtet Schulze."Seit Corona gelten aber verschärfte Hygieneauflagen in Form von intensiviertem Desinfektionsschutz. Jeder muss einen Mund-Nasen-Schutz tragen, falls ein Mitarbeiter mit einem Kollegen oder Auszubildenden gemeinsam im Auto sitzt."

Bei den Kollegen im Rettungsdienst des DRK Lüneburg gibt es in den Pandemiezeiten ebenfalls strikte Auflagen: Angehörige von Patienten dürfen nicht mehr im Rettungs- und Krankenwagen mitfahren, Ausnahmen sind Eltern von Kindern. Rollatoren und andere Hilfsmittel werden trotz Pandemie transportiert."Die aufwändigen Sonderdesinfektionen unserer Einsatzfahrzeuge sind zudem durch Corona exorbitant angestiegen", berichtet Dennis Kirsch, stellvertretender Rettungsdienstleiter. "Außerdem greifen die hochalkoholischen Desinfektionsmittel mittlerweile bereits die Kunststoffmaterialien im Fahrzeug an."

Geteiltes Leid ist halbes Leid - aber auch von Innovationen profitieren Pflege und Rettung gleichermaßen. So waren es die Kollegen vom Rettungsdienst auch, die den Fehlbetankungsschutz "Tankfreund" nach Lüneburg brachten. Denn DRK-Kreisbereichsleiter Marcel Stürmer lernte Nico Wienberg, der seit zwei Jahren den patentierten "Tankfreund" gemeinsam mit seinem Bruder vertreibt, auf einer Messe kennen - und war sofort von der einfachen und günstigen Lösung überzeugt: ein robuster Fehlbetankungsschutz, der vor und während des Tankvorgangs unumgänglich auf den richtigen Kraftstoff hinweist. Dieser wird mit einer selbstklebenden Lasche, die mit einem speziellen Hochleistungskleber ausgerüstet ist, einfach hinter dem Tankdeckel oberhalb des Tankstutzens angebracht.

Immer einsatzbereit

Der Fahrer entkommt dem Hinweis beim Tanken also nicht - und genau das war das Ziel. "Uns war klar: Wir müssen am Faktor Mensch ansetzen, an seiner Aufmerksamkeit", berichtet Wienberg von der Produktentwicklung. "Außerdem wollten wir ein einfaches und günstiges Produkt, das für alle Modelle flächendeckend Schutz vor Fehlbetankungen und damit vor Fahrzeugausfällen und teuren Reparaturen bieten kann." Mittlerweile haben die Wienberg-Brüder mehrere Tausend "Tankfreunde" geliefert: und zwar an Privatpersonen, Unternehmen, Versicherungen, die den "Tankfreund" als nützliches Give-away für ihre Kunden nutzen, sowie an diverse Rettungsdienste, bei denen sich ein Fahrzeugausfall als besonders gravierend erweist. "Auch das Carsharing-Unternehmen Cambio Rheinland setzt seit anderthalb Jahren auf unseren Tankfreund und hat seitdem keine Probleme mehr mit falsch betankten Autos", ergänzt Wienberg.

Nachdem die Diesel-Rettungsfahrzeuge beim DRK Lüneburg mit dem "Tankfreund" ausgestattet wurden, erhielt nun auch Schulze 30 Exemplare für die Pflege-Flotte."Dadurch, dass alle unsere Fahrzeuge in der Pflegeflotte Benziner sind, liegt die letzte Fehlbetankung bei uns schon lange zurück", berichtet die Pflegedienstleiterin. "Allerdings hatte ich bislang sehr oft telefonische Rückfragen, gerade von neuen Mitarbeitern oder Aushilfen, mit was denn das Dienstauto betankt werden müsse. Das ist jetzt hinfällig, dank des Tankfreunds." Schulze ist von der Lösung ebenfalls überzeugt - denn Vorsorge ist besser als Nachsorge.

Wie wohl die Mitarbeiter auf den Fehlbetankungsschutz reagieren werden, wenn sie den Tankdeckel demnächst öffnen? "Ich bin schon gespannt", freut sich Schulze auf das Feedback. Also wird sie wieder ihrem zweiten Vornamen alle Ehre machen, wenn sie Anrufe vom Pflege-Team dazu erhält. Aber Simona "Telefonistin" Schulze hebt auch nach 14 Jahren noch immer gerne ab.

DRK Lüneburg | Flotte

Pflege

- 30 VW Up 1.0 (60 PS)

- 36 Monate Leasing über VW Leasing

- Laufleistung: 20.000/Jahr

Rettung

- 7 Rettungswagen, 2 Notarzt- Einsatzfahrzeuge, zwei Krankentransportfahrzeuge (VW, Mercedes-Benz, Ford)

- reiner Kauffuhrpark- Haltedauer 4 Jahre/250.000 km (anschließend Verkauf oder Nutzung im Katastrophenschutz)

Katastrophenschutz

- diverse Sonderfahrzeuge


Nico Wienberg erklärt die Idee des Tankfreunds.

Wie häufig sind Fehlbetankungen?

Nico Wienberg: Versehentlich an der Tankstelle die falsche Zapfpistole zu ziehen, kann aus Unachtsamkeit schnell passieren - oder aufgrund mangelnder oder schlechter Beschriftung hinter dem Tankdeckel. Jeder zehnte Motorschaden entsteht durch falsches Tanken. Offizielle Statistiken zu Gesamtzahlen gibt es nicht, aber Experten gehen von 200.000 Fehlbetankungen in Deutschland pro Jahr aus. Das bedeutet, dass alle drei Minuten jemand Diesel statt Benzin zapft oder andersrum. Versicherungen decken Schäden durch Fehlbetankung in der Regel nicht ab und gerade bei Dienstwagen führt die Haftungsfrage häufig zu ärgerlichen Rechtsstreitereien.

Gibt es bereits andere Lösungen, die eine falsche Betankung verhindern sollen?

N. Wienberg: Es gibt nur wenige Automobilhersteller, die eine mechanische Blockadevorrichtung verbauen. Als Nachrüstlösung standen bis zur Einführung des Tankfreunds nur spezielle Schraubdeckel zur Verfügung, die aber modellspezifisch angeschafft werden mussten und wesentlich teurer sind.

Welche Kosten drohen bei Schäden durch Fehlbetankungen?

N. Wienberg: Man sollte nach einer Fehlbetankung auf keinen Fall den Motor starten, dennoch kostet in diesem Fall das Abschleppen, Auspumpen, Reinigen und Entsorgen des Kraftstoffgemischs bereits 300 bis 500 Euro. Ein kompletter Motorschaden, der droht, wenn man mit dem falschen Kraftstoff startet, zieht Reparaturkosten von bis zu 10.000 Euro nach sich. Der überschaubare Preis für unseren Tankfreund in Höhe von den Kosten für zwei Liter Super ist daher gut investiert.

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