Autoflotte: Du testest für Fastned das Ladeverhalten von neuen Elektrofahrzeugen. Welche Zielsetzung verfolgst Du dabei?
Luc Bronk: Wir möchten unseren Kunden die bestmögliche Erfahrung an den Ladestationen bieten. Dazu gehört auch, möglichst viele Informationen über die Batterie und das Ladeverhalten der Fahrzeuge bereitzustellen. Deshalb versuchen wir schon vor dem Marktstart, Probleme zu identifizieren und zu lösen. Die Hersteller testen ihre Fahrzeuge natürlich selbst, aber wir denken, dass es sinnvoll ist, wenn auch eine unabhängige externe Partei die Fahrzeuge prüft. Das sind in dem Fall wir von Fastned. So erhält man eine zusätzliche Perspektive.
Autoflotte: Wie laufen diese Tests konkret ab?
Luc Bronk: Für jedes Fahrzeug erstellen wir eine optimale Ladekurve. Das ist die bestmögliche Ladeleistung, die die Batterie erreichen kann. Diese Werte veröffentlichen wir anschließend für die Kunden. Dabei geht es nicht nur um die Kurve selbst. Wir geben auch Hinweise, wie Fahrer diese Ladeleistung erreichen können, etwa durch Batterievorkonditionierung oder die richtige Routenplanung. Unser Ziel ist es, den Kunden zu zeigen, was das Fahrzeug tatsächlich leisten kann und wie sie eine bessere Ladeerfahrung bekommen. Auch Details wie, wo der Ladeanschluss zu finden ist oder wie man das Laden beenden und den Stecker entriegeln kann, geben wir an die Nutzer weiter.
Autoflotte: Welche Faktoren beeinflussen die Ladekurve besonders?
Luc Bronk: Der wichtigste Faktor ist die Batterietemperatur. Im Sommer ist es deutlich einfacher, optimale Ergebnisse zu erzielen, weil die Batterie bereits warm ist. Im Winter kann es etwas schwieriger sein. Häufig ist die erste Ladung langsamer, während die zweite deutlich besser ausfällt, weil die Batterie dann bereits auf Temperatur gekommen ist. Wirklich problematisch wird es erst bei sehr tiefen Temperaturen von minus zehn oder minus zwanzig Grad.
Autoflotte: Nach welchen Kriterien entscheidest Du, welche Fahrzeuge getestet werden?
Luc Bronk: Unsere Priorität sind Fahrzeuge, von denen wir erwarten, dass sie hohe Verkaufszahlen erreichen. Dazu gehören Modelle wie der Volkswagen ID.3 oder ID.4, das Tesla Model 3 oder ein Renault 5. Für uns sind Fahrzeuge mit großer Marktbedeutung wichtiger als reine Hochleistungsmodelle. Wenn mehrere Modelle die gleiche Batterie verwenden, reicht es oft aus, eine Variante zu testen. Dann konzentrieren wir uns auf die Batterieversion, von der wir erwarten, dass sie am häufigsten verkauft wird.
Autoflotte: Bedeutet das, dass viele Fahrzeuge technisch enger miteinander verwandt sind, als es auf den ersten Blick scheint?
Luc Bronk: Absolut. Häufig verwenden verschiedene Marken dieselben Batterien und Plattformen. Ein gutes Beispiel sind Konzernmarken, bei denen Polestar, Volvo oder Zeekr auf derselben Technik aufbauen. Dann würde ein zusätzlicher Test oft exakt dieselben Ergebnisse liefern. Unterschiede entstehen meist durch Software oder Leistungsbegrenzungen. Die Batterie selbst bleibt oft identisch.
Kia EV2 Test (2026)
Autoflotte: Welche Fahrzeuge haben Dich in letzter Zeit besonders beeindruckt?
Luc Bronk: Mich beeindruckt vor allem, wie schnell sich der Markt entwickelt hat. Als ich bei Fastned vor acht Jahren angefangen habe, gab es praktisch nur den Nissan Leaf, das Tesla Model S und den Renault Zoe. Heute gibt es eine enorme Vielfalt. Besonders beeindruckt hat mich zuletzt der BMW i3. Der Verbrauch ist niedrig und das Fahrzeug lädt mit der 800-Volt-Technik hervorragend. Ich bin sehr gespannt, wie sich dieses Modell am Markt entwickeln wird.
Autoflotte: Wie beurteilst Du die Entwicklung chinesischer Hersteller?
Luc Bronk: Die chinesischen Hersteller haben sich vor allem über hohe Ladeleistungen und starke technische Daten positioniert. Das ist ihr Einstieg in den Markt. Gleichzeitig sieht man aber jetzt, wie europäische Hersteller wie BMW oder Mercedes aufholen und qualitativ sehr überzeugende Alternativen anbieten.
Autoflotte: Welche Rolle spielt dabei die Ladegeschwindigkeit?
Luc Bronk: Aus meiner Sicht wird die maximale Ladeleistung oft überbewertet. Viele Hersteller werben mit einem sehr hohen Peak-Wert, der aber nur für kurze Zeit erreicht wird. Entscheidend ist die durchschnittliche Ladegeschwindigkeit. Ein Fahrzeug mit einem etwas niedrigeren Spitzenwert kann über die gesamte Ladesitzung hinweg schneller sein als ein Fahrzeug mit einem kurzen Rekordwert. Für den Kunden ist die durchschnittliche Ladeleistung letztlich viel relevanter.
Geely E5 (Test)
Autoflotte: Diese durchschnittliche Ladeleistung wird im Moment allerdings nicht ausgewiesen. Das soll sich aber ändern.
Luc Bronk: Das ist richtig. Wir von Fastned sind der einzige CPO, der in einer Arbeitsgruppe mit OEMs sitzt, die sich anschaut, wie man die Vergleichbarkeit von Ladeleistungen verbessern kann. Die Idee ist, dass Hersteller künftig standardisierte Werte beispielsweise für den Ladevorgang von 20 bis 80 Prozent angeben. So können Kunden Fahrzeuge deutlich besser miteinander vergleichen, als wenn nur Spitzenwerte kommuniziert werden. Ich halte das für einen wichtigen Schritt für den gesamten Markt.
Autoflotte: Welche Bedeutung haben die gesammelten Fahrzeugdaten für Fastned selbst?
Luc Bronk: Wir nutzen die Informationen für unsere eigene Datenbank und für langfristige Planungen. Uns interessiert beispielsweise, wo sich die Ladeanschlüsse der Fahrzeuge befinden, was wiederum die Länge der Ladekabel beeinflusst, oder wie sich die durchschnittlichen Batteriekapazitäten entwickeln. Außerdem sehen wir sehr genau, welche Fahrzeugtypen unser Netzwerk tatsächlich nutzen. Solche Informationen helfen uns bei Investitionsentscheidungen und beim Ausbau unseres Ladenetzes.
Autoflotte: Welche Erkenntnisse hast Du dabei gewonnen?
Luc Bronk: Eine interessante Beobachtung ist, dass Fahrzeuge mit großen Batterien häufiger an unseren Standorten laden und insgesamt mehr Energie beziehen als Fahrzeuge mit kleinen Batterien. Intuitiv würde man vielleicht das Gegenteil erwarten, aber unsere Daten zeigen etwas anderes. Für uns sind große Batterien und Fahrzeuge mit hohen Ladeleistungen tatsächlich besonders interessant.
Autoflotte: Du testest in der Nähe der Fastned-Zentrale in Amsterdam. Wie blickst Du auf die Zukunft der Ladeinfrastruktur speziell in Städten?
Luc Bronk: Langfristig halte ich innerstädtische DC-Lader für die bessere Lösung. In Amsterdam gibt es viele AC-Ladepunkte, aber das führt oft dazu, dass Fahrzeuge tagelang einen Ladeplatz blockieren, obwohl sie längst vollgeladen sind. Eine Blockiergebühr wie in Deutschland gibt es in den Niederlanden nicht. Aus meiner Sicht wäre es effizienter, wenn am Anfang einer Straße ein Schnelllader stünde, an dem man das Auto für 20 oder 30 Minuten lädt und anschließend wieder weiterfährt. Es ist kaum realistisch, jeden einzelnen Parkplatz mit einer eigenen Lademöglichkeit auszurüsten.
Vielen Dank, Luc, für das Gespräch.
Luc Bronk ist Strategic Partnerships Manager bei Fastned.