Der Peugeot E-5008 ist bei vielen potenziellen Kunden gar nicht auf dem Radar. Wer elektrisch fahren möchte, ab und an sieben Sitze benötigt oder einfach viel Platz, ist beim 5008 richtig.
Bleiben wir direkt beim Thema, das E-Mobilisten vermutlich am meisten interessiert: Wie lädt der Peugeot E-5008 Long Range mit seinen 97 nutzbaren kWh? Einerseits gut, andererseits nicht. Das 400-Volt-System gibt trotz Riesenakku maximal 160 kW Ladeleistung her – das können andere in dieser Preisklasse deutlich besser. Die Wärmepumpe und die Batterievorkonditionierung die (automatisch und manuell) sorgen dafür, dass sich die Temperatur im Auto und im Akku sommers wie winters gut regelt. Im Schnitt kommt der E-5008 auf gut 120 kW bei der relevanten Lade-Langstrecke zwischen 10 und 80 Prozent der Akkukapazität. Das haben wir bereits beim Technik-Zwilling, dem DS No 8, so erlebt.
Freude kann beim E-5008 beim AC-Laden aufkommen. Ab Werk sind zwar alle E-5008 mit den üblichen 11-kW-Onboardladern ausgestattet. Als Option für 800 Euro gönnen sich clevere E-Mobilisten aber den 22-kW-Lader. Das ist die vielleicht wichtigste Option im E-5008 für all jene, die oft „außer Haus“ laden (müssen). So wird der brutto 104 kWh messende Riesenakku an den meisten öffentlichen AC-Ladepunkten in weniger als fünf Stunde voll. Mit im Paket: V2L (vehicle to load). Damit spendet der E-5008 mittels Adapter (349 Euro) Strom an Pedelecs, liegengebliebene E-Autos (gibt es das?), Elektro-Grills auf dem Zeltplatz und versorgt Dinge mit Energie, falls das jemand im Sinn hätte.
Peugeot E-5008 GT (104 kWh)
Testwagenpreis: ab 64.300 € (brutto) Front-E-Motor | Front 170kW/231 PS | 345 Nm 9,6 s | 170 km/h | 1-Gang-AT WLTP: 18,5 kWh WLTP-Reichweite: 656 km Akku: 97 kWh (netto) Laden: AC 22 (Option) kW | DC 160 kW Maße: 4.791 x 1895 x 1.694 mm Kofferraum: 348–916–2.232 Liter Versicherung: KH 17 | TK 22 | VK 28 Service: 2 Jahre/25.000 km Garantie: 2 Jahre, verlängerbar auf 8 Jahre/160.000 km durch Servicetreue Akku: 8 Jahre/160.000 km
Peugeot E-5008: sehr niedriger Autobahn-Verbrauch
Das Laden ist das eine, das Verbrauchen der Energie das andere. Peugeot gibt mit getesteter Ausstattung 18,5 kWh als Normverbrauch für den E-5008 Long Range an. Im Stadtverkehr ist das easy reproduzierbar. Und selbst Autobahn-Linksspur-Fahrer können diese Attitüden weiterhin an den Tag legen. Der E-5008 ist trotz Größe, Stirnfläche und Stellantis-Technik sparsam. Über 1.600 Kilometer mit hohem Autobahnanteil kamen wir auf knapp 22 kWh. Selbst bei einer 160-Kilometer-Etappe mit 150 km/h im Durchschnitt genehmigte sich der E-5008 lediglich 27 kWh. Bricht man das auf das Transportpotenzial runter, ist der Peugeot sogar extrem sparsam, trotz hoher Front und kastig praktischem Design.
Auf dem Papier ist der Peugeot 5008 deutlich kompakter, als er real vor einem stehend wirkt: keine 4,80 Meter lang, keine 1,90 Meter breit und keine 1,70 Meter hoch. Damit ist er kürzer als ein Audi A5, schmaler als ein A6 und flacher als ein Q8.
2.232 Liter passen nach Herstellerangaben ins Heck des Peugeot E-5008 Long Range.
Und bei Audi liegt das Platzangebot für Passagiere und Gepäck weder auf der Prioritätenliste noch ist es üppig. Ganz anders beim Peugeot 5008. Der Franzose ist innen riesig. Der beeindruckendste Wert: 2.232 Liter. Das Kofferraumvolumen bei umgelegten Rücksitzen des E-5008 Long Range hat neue Dimensionen. Wer die mittlere Reihe aufstellt und mit fünf Personen fährt, kann fast 916 Liter unter das Gepäckrollo packen. Und wer zu siebt unterwegs ist, knallt noch immer ein paar Sporttaschen (348 Liter) durch die nicht hoch genug öffnende Heckklappe ins Auto. Das Rollo passt in dem Fall perfekt in den Unterboden.
Der Peugeot 5008 ist von Haus aus ein Siebensitzer. Das Platzangebot ganz hinten reicht für längere Zeitgenossen auf kürzeren Strecken, sofern die mittleren Sitze etwas nach vorn geschoben werden. Kinder finden es ganz hinten cool. Das Einsteigen in die letzte Reihe ist trotz Easy-Entry-Funktion nicht wirklich easy – für Erwachsene. Dafür plumpsen diese in der mittleren Reihe fast rein. Viel Platz, Haltegriffe, knautschig-gemütliche, verschiebbare Sitze. Der Platz rechts lässt sich einzeln verschieben, der linke und der mittlere sind miteinander verheiratet. Die Rückenlehnen lassen sich 40:20:40 umklappen. Was will man mehr? Eine separate Klimabedienung im Fond sorgt zudem serienmäßig für Wohlfühltemperatur. Apropos Luft: Der 5008 bekommt gegen Zuzahlung von 1.450 Euro (brutto) ein echtes Schiebedach samt E-Rollo. Dann gibt es gleich dickwandiges Akustikglas, was dem Geräuschniveau zuträglich ist.
Die vorderen Plätze sind Premium. Viel Platz, gemütlich und auf Wunsch mit AGR-Zertifikat und entsprechenden Einstellmöglichkeiten. Beim GT gibt es unverständlicherweise das zertifizierte Gestühl nur in Kombination mit Alcantara. Macht 1.350 Euro extra. In der Basis Allure ist der Fahrersitz stets mit den Langstreckeneigenschaften ausgerüstet.
Der Peugeot 5008 ist sehr wohnlich
Generell haben sich die Franzosen Mühe gegeben, das Interieur wohnlich zu gestalten. Kaum Klavierlack, viel Stoff und weiche Materialien verströmen hochwertiges Flair. Das bei der Ausstattung GT serienmäßige Breitband-Display (53 Zentimeter) sieht gut aus und lässt sich aufgrund der HD-Auflösung exzellent ablesen. Dass es „schwebend“ installiert ist, mag designig rüberkommen, erschwert aber das „Staubwischen“ eklatant.
Die Menüstruktur des vielfach individualisierbaren Kombiinstruments und des etwas trägen Touchdisplays entspricht dem Stellantis-Muster. Die Berührungen mit dem Finger sollten nachhaltig ausgeführt werden. Das Touchdisplay reagiert nicht nur langsam, sondern auch unempfindlich.
Die zehn, nach eigenem Gusto belegbaren „Toggles“ im unteren Bereich des Armaturenbretts tippen sich besser und sehen zurückhaltend edel aus. Die Lautstärke-Walze auf der Mittelkonsole und diverse kapazitive Tasten für die Klimabedingung sowie die Wippe zum Verstellen des Fahrmodus können ebenfalls als Blaupause zum Kopieren im Hinterkopf behalten werden. Der Schalter für die Warnblinkanlage sollte weiter vorn liegen. Ab und an wird sie versehentlich aktiviert. Unter der Mittelkonsole befinden sich zwei Ablagen mit Klappen (und USB-Anschlüssen) und ein Induktivladefeld fürs Smartphone – sichtgeschützt. Ein echtes Brillenfach gibt es mittig in der Dachkonsole – top.
Nach wie vor gewöhnungsbedürftig ist das Peugeot-Lenkrad. Dabei ist die Größe nicht einmal das Problem, eher die Form. Wer will eckige Lenkräder und wenn ja: warum? Das nicht erhältliche Head-up-Display vermisst man hingegen nicht. Ein Abschalten der rechten Hälfte des großen Displays nachts ist möglich, die Navieinblendung ins Kombiinstrument weist den Weg, das Unterhaltungsprogramm wird ebenfalls noch angezeigt.
Nachts kommt für viele Langstreckenfahrer die Zeit der Podcasts (hier gibt es einen guten) und Musik. Was auffällt: Beim 5008 gibt es kein Focal-Soundsystem, das es in anderen Modellen oft gibt. Das Überraschende: Auch im 5008 kann man sauberen Klang genießen und vermisst höchstens den imagesteigernden Focal-Schriftzug. Laut Hersteller lag der Fokus in der Entwicklung auf „tiefen Frequenzen“ und einem ausgewogenen Klangspektrum. Vier 165-Millimeter-Lautsprecher befinden sich in den Türen und zwei Hochtöner (25 Millimeter) in den A-Säulen, was eine vernünftige Bühne ergibt.
Peugeot hat den E-5008 gut eingerichtet. In dem Franzosen kann man sich wohlfühlen.
Kommt bei E-Autos häufig eine andere Art der Beschallung vom Antriebssystem, hört man beim frontgetriebenen E-5008 gar nichts. Der E-5008 Long-Rang-Version stellt lautlose 230 PS über die Vorderachse zur Verfügung. 230 PS? Das liest sich in Zeiten der E-Mobilität und bei einem Lebendgewicht von 2,45 Tonnen nicht nach Übermotorisierung. Korrekt. Verwöhnten fehlt beim Tritt aufs Pedal der Punsch. 9,6 Sekunden verstreichen gefühlt in Zeitlupe bis Tempo 100, bei 170 km/h ist Schluss. Doch ehrlicherweise muss man attestieren: Das reicht. Und eigentlich ist es wegweisend, Motorleistung wieder in Bahnen zu leiten, mit denen sowohl Fahranfänger als auch Senioren problemlos zurechtkommen.
Zum Portionieren der Kraft befähigen die sinnvoll angebrachten Schaltpaddle hinter dem Lenkrad. Hier wird zwar nicht im Getriebe gewühlt – das gelingt per Stellantis omnipräsenter und träge reagierender Gangwahlwippe –, aber die Rekuperation in drei Stufen geregelt. Von spürbar (aber ohne aktiviertes Bremslicht), bis hin zu deutlich, jedoch ohne One-Pedal-Funktion.
Komfort wird im E-5008 großgeschrieben. So agieren auch die Assistenzsysteme zurückhaltend. Sie stehen aber parat, wenn notwendig. Ein Abschalten ist kaum mehr nötig, aber durch gezieltes Dreifach-Tippen möglich. Lästig ist das Setzen des Tempolimits, da die „aktuelle“ Geschwindigkeit nicht einfach aktiviert werden kann. Beim Tempowechsel muss also stets manuell in maximal 5-km/h-Schritten zum gewünschten Limit per Lenkradtaste geklickt werden. Keine Abschaltmöglichkeit gibt es (verständlicherweise) für die Spiegelblinker. Die sind – je nach Sitzposition – so ungünstig platziert, dass sie nachts beim Abbiegen und gleichzeitigem Blick in den Außenspiegel blenden.
Die Übersicht nach vorn und zurück ist aufgrund der Fahrzeughöhe (übrigens mehr als 20 Zentimeter Bodenfreiheit) mäßig. Dafür sieht man beim Rechtsabbiegen (rund 11,5 Meter Wendekreis) und obligatorischem Schulterblick recht viel.
Innerstädtisch wirkt das nicht adaptive Fahrwerk (ohne Beladung) steif. Mit zunehmendem Tempo (oder/und Zuladung) entspannt sich die Situation, wechselt auf welliger Piste aber eben ins Nachwippen. Die Lenkung begeistert nicht, stört aber auch nicht.
Der Preis ist wie so oft der Punkt, an dem sich ein Automobil relativiert – und ist es noch so gut. Das ist auch beim Peugeot E-5008 der Fall. Positiv: 97 nutzbare kWh sind an Bord, der Antrieb ist effizient und viel Platz sowie eine astreine Materialauswahl und sieben Sitze sind immer inklusive. Da gibt es nicht viel Konkurrenz. Hyundais Ioniq 9 oder ein Volvo EX90 sind deutlich größer und teuer, ein Mercedes GLB Electric Electric ist zwar ähnlich groß, aber teurer und sonst ist man bei den klassischen Großraumtransportern wie VW ID.Buzz (teurer) oder „akkukleinem“ Citroën e-Berlingo.
Der Preis des Peugeot E-5008
Ach so, auch völlig vergessen. Der Preis: Bei gut 51.000 Euro (brutto) geht es beim Peugeot E-5008 mit 73-kWh-Akku los. Wer den „230 Long Range“ (97 kWh) möchte, zahlt 4.000 Euro mehr. Wer den kleinen Akku inklusive Allradantrieb will, wählt den „325“ (PS) und startet bei 53.650 Euro, jeweils in der eigentlich empfehlenswerten Ausstattung Allure. Eigentlich? Wie üblich, fehlt das eine oder andere Detail, das man gern hätte (Lenkradheizung), aber nur mit der Wahl einer höheren Ausstattung bekommt. Immerhin gibt es bei allen die Option aufs 22-kW-Laden. Unser Testwagen kommt auf 65.100 Euro.
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